Survival Guide für Autoren mit zu viel Selbstkritik

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Jennifer Jäger | 24 Dezember 2013 |
Der Dialog ist platt.
Meine Geschichten sind furchtbar.
Niemand will das lesen.
Wieso schreibe ich überhaupt?
Dieser Satz hört sich furchtbar an.
Ich lösche das lieber wieder.
Die Beschreibung klingt kitschig.
Das muss ich neu schreiben.

Kommt euch das bekannt vor? Ja? Dann gehört ihr eindeutig zu den Autoren mit zu viel Selbstkritik.
Klar, Selbstkritik ist wichtig. Vor allem als Autor sollte man ständig danach streben, sich zu verbessern. Konstruktive Kritik ist das beste, was einem Autor passieren kann (neben einem Bestseller).
ABER Selbstkritik sollte niemals dafür sorgen, dass ein Manuskript im virtuellen (oder realen) Papierkorb landet. 

Selbstkritik ist eine harte Nuss, die wir gemeinsam knacken werden (und nach diesem Beitrag werden Nüsse dich unglaublich motivieren).

Regel Nr. 1 lautet daher: niemals löschen!

Wenn man frustriert ist, tut man Dinge, die man später bereut. Wenn du mit einer Szene (oder einem Manuskript) unzufrieden bist, solltest du sie (/es) in einem Dokument speichern und für mindestens eine Woche auf der Festplatte ruhen lassen.
Danach kannst du die Worte mit einigem Abstand lesen und meistens sind sie dann gar nicht mehr so schlimm.

Regel Nr. 2: unglaublich, aber wahr! 

Jedes - und damit meine ich wirklich JEDES! - Manuskript findet Leser. Ehrlich. Nicht überzeugt?
Geh in dich und überlege, welches Buch du richtig schlecht fandest. Jetzt besuche Amazon und schau dir die Rezensionen an. Wetten, es sind 5-Sterne dabei?
Na, habe ich es nicht gesagt?
Nachdem du das jetzt weißt, kannst du auch deine Worte an den Leser bringen. Ich persönlich empfehle dafür Plattformen wie BookRix.de; dort kannst du kostenlos dein Werk hochladen und von anderen bewerten lassen. Keine Sorge, Kritik kann nur weiterhelfen!

Regel Nr. 3: süchtig?

Stell dich vor den Spiegel. Sieh dich an. Was stört dich? Deine Nase? Deine Beine?
Und jetzt sind wir mal ehrlich: wenn du deine Freunde fragst, fallen ihnen diese Fehler nicht auf. Sie finden dich schön, weil du es bist. Punkt.
Genau so ist es mit deinem Manuskript: du selbst siehst Fehler, die vielleicht gar nicht da sind. Fehler, die nur du siehst.
Manche Menschen sind süchtig nach Selbstkritik; denn wenn sie ihre eigenen Fehler zuerst sehen, kann Kritik sie nicht so hart treffen. Wir wissen beide, dass das falsch ist.

Regel Nr. 4: super-duper-genial!

Gib dein Manuskript einem Leser (oder anderen Autor - z.B. in unserer Schreibnacht-Community) und bitte ihn darum, die besten Stellen zu markieren.
Dabei soll er keine Kritik üben, sondern nur sagen, was ihm gefällt. Am besten fragst du jemanden, dem du wirklich vertraust und dem du folgendes erklären kannst:
immer, wenn dich Selbstzweifel überkommen, nimmst du das Lob dieses Lesers zur Hand. Lies dir seine lobenden Worte zu deinen Sätzen durch. Erinnere dich an das Gefühl, dass du hattest als du seine wohlwollenden Zeilen das erste Mal gelesen hast.
Verwahre dieses Lob gut - und bitte den Leser anschließend um ehrliche Kritik. So kannst du dich einerseits verbessern, aber andererseits hast du etwas, dass dir sagt "ich bin nicht schlecht, denn diese eine Stelle fand er super-duper-genial!"

Mir selbst haben diese vier Regeln sehr weitergeholfen, denn auch ich neigte dazu, sofort alles zu löschen und zu vergessen. Wenn du in Zukunft also eine Nuss siehst, denk an diesen Beitrag und lächle :) 

Kommentare:

  1. Na, das klingt doch mal nach einem Plan. Der Artikel hat mir sehr gefallen.

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  2. Das sind gute Tipps. Man sollte zudem nicht vergessen, dass man mit der Zeit selbst ein besseres Gespür für seine Texte bekommt.
    Der Autor Andreas Eschbach hat es einmal das „besondere Organ“ des Schriftstellers genannt. Wenn man es trainiert, sagt es einem irgendwann, wenn man etwas wirklich Gutes geschrieben hat und auch, wenn etwas wirklich schlecht ist.

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