Das innere Auge für Geschichten schärfen - Ideensuche auf der Straße

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Unknown | 26 Januar 2014 |
Jeder Autor hat seine eigene Inspirationsquelle und viele von uns probieren immer wieder unterschiedliche Methoden aus, um Ideen für ihre Schreibprojekte zu finden. Heute möchten wir euch zeigen, wie ihr Ideen auf der Straße findet.

Wir verbringen so viel Zeit mit dem Warten und mit dem Unterwegssein. Oft ärgern wir uns darüber, dass wir diese Zeit nicht sinnvoll nutzen können, warum fantasieren wir nicht einfach, während wir an der Kasse stehen, auf den Bus warten, im Bus fahren oder durch den Park joggen?

Charaktersuche
Warum erschrecken wir, wenn wir eine Person sehen, die genauso aussieht, wie der Protagonist unserer Geschichte? Weil Charaktere unter uns weilen. Die Menschen um uns herum scheinen auf den ersten Blick langweilig und weniger heldenhaft oder mutig zu sein, vielleicht sind sie es auch nicht, aber sie können Funken für die Figuren in unseren Romanen sein, sei es das Aussehen, das Verhalten oder ungewöhnliche Hobbys. Nur zu, schaut euch um, was seht ihr?

  • Die Selbstbewussten gehen erhobenen Haupts und sitzen bequem, die Schüchternen wirken kleiner, dafür ist ihre Sitzhaltung vornehm, da ist kein Zeichen von Lässigkeit.  
  • Eine modische junge Frau packt in dem Bus ihren Schulplaner aus, der mit Disneyaufklebern übersät ist, was könnte das über ihr äußeres Erscheinungsbild und ihren inneren Drang nach Kindlichem aussagen? 
  • Ein älterer Herr von einer massiven Körperstruktur beginnt plötzlich in einer ungewöhnlich hohen Stimme zu sprechen, schießen euch da nicht auch Bilder in den Kopf, wie der Mann sein Leben lang gehänselt wurde? Könnte das nicht der nächste Serienmörder in eurem Krimi werden? 

Situationen beobachten und Dinge weiterdenken
Wenn ihr auf eure Bahn wartet, lasst euren Blick über die Menschen schweifen, beobachtet, wie sie untereinander agieren.

  • Zwei Mädchen tuscheln, als ein gutaussehender Junge vorbeigeht. Das könnte der Beginn einer aufregenden Teenager-Liebesgeschichte werden.
  • Ein älterer Herr scheucht einen jungen Mann von der Bank, um sich selbst hinzusetzen, oder um einer schwangeren Frau somit einen Platz zu verschaffen. Was könnte in dem verscheuchten jungen Mann vor sich gehen? Ist ihm das egal, oder hat seine Angebetete (oder auch noch sein Gegenspieler) diese Situation beobachtet und jetzt wird in der Schule über ihn getuschelt? Hatte der junge Mann vielleicht so schon einen schlimmen Tag und das führt dazu, dass er später am Tag etwas aus einem Laden mitgehen lässt und so seine Karriere als Meisterdieb, oder seine Laufbahn als Kleinkrimineller beginnt? 
  • Im Bus redet eine Frau mit ihrer Freundin extrem laut über Themen, die eigentlich keinen etwas angehen. Die Freundin macht sich klein, bedeckt peinlich berührt ihr Gesicht und sagt kein Wort, um der Anderen die Luft aus dem Gespräch zu nehmen. Wieso lasst ihr die Frau nicht über die peinlichen Beziehungsversuche der Freundin sprechen und zufälligerweise sitzt der zukünftige Kollege der beschämten Frau hinter den Beiden und hat sich somit schon seine Meinung über sie gebildet. Das ist doch ein Konflikt wert.

Reale Dinge abstrahieren
Besonders für Fantasy- und Science Fiction-Schreiber ist das eine gute Möglichkeit, interessante Dinge für ihren Roman zu erschaffen. Nehmt dabei die einfachsten Gegenstände zur Hand und verwandelt sie in ein außergewöhnliches Objekt.

  • Warum gibt es keine Handtücher, die so behandelt sind, dass sie unser Haar mit nur ein bisschen Rubbeln komplett trocknen? Aus welchem Grund könnte man so etwas erfinden? Haben die Menschen kaum noch Zeit und müssen jede Sekunde aufsparen, oder sind Ressourcen knapp und das Föhnen gilt als verschwenderisch und ist nur den Reichen vorbehalten? Oder könnte es mit dem Gesundheitswahn zusammenhängen, weil die Menschen schöner und gesünder sein müssen?
  • Wie wäre es mit Kontaktlinsen, die bei hoher Sonneneinstrahlung abdunkeln und bei Dunkelheit den Nachtsichtmodus anwerfen? 
  • Gefühle aus der Tüte? Klar, gern auch als Brausepulver. Stellt euch das lustige Party-Spiel Gefühls-Roulette vor: keiner weiß was für ein Pülverchen er bekommt und plötzlich sitzt man flennend in der Ecke, oder tanzt überglücklich auf dem Tisch, wenn er nicht schon von dem wütenden Typen zu Kleinholz verarbeitet wurde.

Neue Welten erblicken
Eine Welt wie Mittelerde gibt es schon und darüber haben wir schon genug gelesen. Erschafft euch eigene Welten, denn das ist nicht schwer.

  • Lasst die Blätter auf euren Bäumen aus Kinderlachen bestehen. Wie das aussehen soll? Vielleicht glänzend, neblig oder so individuell, wie die Kinder selbst. 
  • Eure Welt könnte auch im Inneren einer verstaubten Schmuckschatulle entstehen.
  • Das ist euch noch nicht klein genug? Dann nehmt ein Buch und platziert eine klitzekleine Welt auf einem der Buchstaben - nein, auf jeden Buchstaben soll eine eigene Welt entstehen. 

In Kausalitäten denken
In einer Geschichte soll eine Situation die folgende auslösen. Überlegt also jedes Mal, was könnte diese oder jene Reaktion von Personen für Folgen haben. Denkt in Geschichten, nicht in Momenten.

An die Spitze treiben
Egal was ihr euch erschafft, denkt immer daran: macht es ungewöhnlich! Treibt die Situationen zwischen den langweiligen Menschen, die ihr beobachtet, auf die Spitze, lasst sie sich nicht nur schlagen, sondern bis in den Tod verfolgen. Ihr seht eine Müslischüssel? Dann denkt weiter: Könnte diese Müslischüssel in einem Mordprozess ein wichtiger Indiz sein, oder der Grund für die Trennung einer Jahre langer Beziehung.

Die Dinge sind nicht so wie sie scheinen, wenn sie euch unter die Finger kommen, also holt das Beste aus der Realität. 

Kommentare:

  1. Ein sehr schöner Beitrag. Informativ, gefällt mir :)
    Ich habe jetzt noch nichts darüber bei euch gefunden, aber könnt ihr mal was über das Schreiben des Exposés machen?

    Danke und Liebe Grüße :)

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    1. Hallo Nina,
      entschuldige bitte, dass wir erst jetzt antworten.
      Wir freuen uns, dass dir der Artikel gefällt. :)
      Wie es der Zufall so will, erscheint am 16.09. Teil 1 und am 21.09. Teil 2 der Kurzreihe zum Schreiben eines Exposés. :)
      Wir freuen uns, wenn du reinliest und uns deine Meinung dazu sagst.
      Liebe Grüße
      Das Schreibnacht-Team

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