Der richtige Soundtrack

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Thomas Williams | 02 Januar 2014 |

Mit Musik beim Schreiben ist das so eine Sache. Der eine kann nicht mit, der andere nicht ohne. Persönlich liege ich irgendwo dazwischen, denn an manchen Tagen brauche einfach Musik, um besser in die Welt meiner Geschichte eintauchen zu können und dann gibt es wieder Momente, wo sie mich nur behindert. Inzwischen bin ich dahinter gekommen, woran das liegt und vielleicht hilft dir dieser Text ein wenig dabei, herauszufinden wie du am besten mit einem Soundtrack für dein Werk umgehst.

Geschichten sind für uns Autoren Kopfkino. Du siehst alles vor dir. Die Umgebung und unsere Figuren. Du siehst, wie sie sich bewegen, hörst sie reden und versuchst es so lebendig wie möglich wieder zu geben. Es sind Filme, die direkt vor deinen Augen ablaufen und jeder Film hat seinen eigenen Soundtrack, der ihm hilft die einzelnen Szenen zu unterstreichen.
Stell dir mal Filme ohne Musik vor. Das ist wie Currywurst ohne Currysauce. Es fehlt einfach etwas. Auch, wenn nicht jeder auf die Hintergrundmusik achtet, zieht sie einen doch tiefer in das Geschehen. Eine dramatische Schlacht wäre nichts weiter als Geschrei und Gebrüll. Eine Kussszene vollkommen leer.
Es wäre einfach langweilig.

Stell dir deine Geschichte also als Film vor und überlege, welche Musik dazu am besten passen würde. Oder welcher Song zu der einzelnen Szene. Du musst ihn nicht unbedingt beim schreiben dieser Stelle hören, denn das Tastenkloppen dauert ohnehin länger als das Lied. Behalte ihn als Ohrwurm im Kopf. Hör ihn vielleicht vorher noch mal an.

Aber denk daran, dass nur du weißt, dass er zu dieser Szene gehört. Der Leser wird später keine Ahnung haben, dass du ihn dir dazu gedacht hast. Er soll dir nur helfen tiefer in sie Szene eintauchen zu können. Durch den Song entstehen vielleicht ganz spontan Ideen, welche du vorher nicht hattest.
Oder du nimmst einen, der so rein gar nicht passt und bildest damit einen Kontrast. Es kommt immer wieder vor, dass in Filmen und Serien bestimmte Stellen mit Liedern unterlegt werden, die eigentlich völlig untypisch dazu wirken (Hexenverbrennung zu funkiger Musik in American Horror Story Staffel 3). Das bildet einen Kontrast, sorgt für gute Stimmung, weil es lustig ist und es entspannt dich. Dabei kannst du auch den Blick über den berühmten Tellerrand wagen und Musik wählen, die du sonst nicht hören würdest.

Musik, die du magst, hilft dir zu entspannen. Und das kannst du beim Schreiben für dich nutzen.
Wenn du merkst, dass du nicht vorwärts kommst, schalte sie aus. Vielleicht klappt es dann nach ein paar Minuten besser.
Ob Musik für jemanden beim Schreiben funktioniert, oder nicht, muss jeder für sich selber herausfinden.

Mir ist aufgefallen, dass ich sie in dramatischen, spannenden Szenen oft gut gebrauchen kann. Mal Hintergrundmusik von Filmen (allgemein als Score bekannt), mal solche, die ich ohnehin höre. In ruhigeren Szenen kann ich besser ohne Geräuschkulisse arbeiten und wenn ich etwas Humor in der Szene haben möchte, suche ich entweder unpassende Musik, oder einfach etwas, das ich mir in meinem Kopfkino sehr gut dazu vorstellen kann und auch dann muss es nicht unbedingt etwas sein, dass ich jeden Tag höre. Wie gesagt, unsere Geschichten sind wie Filme, die vor unseren Augen spielen und nicht jeder Film beinhaltet Lieder, die wie wir mögen. Aber wenn es die Szene genügend unterstützt, stört uns das auch nicht, oder?

Beim Überarbeiten der Geschichte würde ich an deiner Stelle die Musik allerdings auslassen. Stille hilft dir alles noch mal zu überdenken, Fehler zu entdecken und so weiter. Du bist nicht abgelenkt, kannst dich besser konzentrieren. Das mag jetzt so klingen, als würde Musik dich beim Schreiben am nachdenken hindern, aber da du die Story sicher noch mal nachliest und überarbeitest (Wie das jeder Autor eigentlich tun sollte, um wenigstens die peinlichsten Fehler zu vermeiden) kannst du dich danach noch mal darum kümmern, ein paar Dinge mehr auszuschmücken. Zum Beispiel die Geräuschkulisse in deiner Szene selber. Mag ja sein, dass du dir Death Metal beim schreiben dieser angehört hast, aber wenn sie auf einem Kindergeburtstag spielt, ist da höchstwahrscheinlich das Kinderlachen zu hören und kein grunzender, bärtiger Mann.
Die pompöse Orchestermusik zu deiner Schlacht auf den Felsenklippen, mehrere hundert Meter über der tosenden Brandung wird durch heulenden Wind und das Rauschen der Wellen ersetzt.
Musik kann dir helfen deine Geschichte lebendiger vor Augen zu haben. Letztlich existiert sie aber nur für dich.

Und Playlists interessieren wirklich nur wenige Leute. Es ist vielleicht ganz interessant zu hören, was für Musik der Autor allgemein beim Schreiben gehört hat, aber wenn ich lese, dann lese ich und suche mir nicht jedes einzelne Lied zusammen, um dabei immer wieder aus der Geschichte gerissen zu werden.

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