Die Vor- und Nachteile von guten, wie schlechten Rezensionen

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Thomas Williams | 03 Januar 2014 |

Der größte Lohn eines Autoren ist eine Rezension. Egal ob gut oder schlecht, beides kann dir helfen besser zu werden. Selbst wenn du mit einer negativen Kritik nicht zufrieden bist, liegt da vielleicht ein Quäntchen Wahrheit drin. Und eine positive könnte dich übermütig werden lassen. Ich möchte auf beides eingehen und fange mit der schlechten Rezension an, damit wir das leidige Thema hinter uns haben.

Die schlechte Rezension:

Da ist sie also. Deine größte Furcht, dass jemand dein Buch verreißt ist Wirklichkeit geworden und das tut weh. Aber so ist das eben auf dem Buchmarkt. Du wirst es niemals jedem recht machen können, denn davor ist wirklich kein Autor sicher. Sieh dir die Topbeststeller an und du wirst bei jedem einen Leser finden, der was zu meckern hat. Da muss man als Autor durch, aber eine schlechte Kritik kann dir auch helfen dich zu verbessern, solange sie konstruktiv ist.

Da hat jemand geschrieben, dein Buch wäre als Türstopper besser geeignet, als zum lesen. Großartig. Was will der Leser dir damit sagen? Wir werden es nie erfahren und weil er sich nicht die Mühe gemacht hat es zu erläutern, ignorieren wir ihn einfach. Komm schon, du musst dich nicht beleidigen lassen, nach all der harten Arbeit, die du geleistet hast.

„Das Buch hat mir nicht gefallen, weil…“
Ah, schon besser. Hier kannst du sehen, was du verändern kannst/musst. Brauchte es wirklich 100 Seiten, um die Haarfarbe deines Protagonisten zu beschreiben? Wäre da nicht etwas mehr Tempo drin gewesen? Oder eine Föhnwelle? Ich übertreibe ein wenig, aber was ich damit sagen will ist, dass der Leser vielleicht recht damit hatte, dass der Anfang zu langatmig war. Versuch zwischen den Zeilen zu lesen, was ihn gestört hat. Zu viele Figuren und Namen, die er sich merken musste (Du hast sie dir notiert, erwarte nicht dasselbe vom Leser), zu viele Fachwörter, etc. Es kann alles Mögliche sein, wichtig ist, dass du darüber nachdenkst, ob es nicht stimmen könnte.
Dann versuchst du es beim nächsten Mal zu beachten und diese Fehler zu vermeiden. Eine schlechte Kritik hat auch etwas positives, denn sie hilft, dich zu verbessern.  

Aber natürlich musst du nicht alles für bare Münze nehmen, oder wie man so schön sagt. Da gefällt jemandem dein Stil nicht. Ja und? Dein Stil ist deine Stimme als Autor und an der kannst du nur schwer etwas ändern. Sollten sich viele darüber beschweren, ja. Aber ansonsten würde ich mir da keine Gedanken machen. Geschmäcker sind einfach verschieden und der eine mag es lieber so, der andere so. Versuch herauszufinden was du aus einer schlechten Rezension mitnehmen kannst, setz dich hin und sag dir, dass du es besser kannst. Boxer kriegen was auf die Nase und steigen immer wieder in den Ring. Und auch, wenn Wörter verletzen können, glaube ich doch, dass ein blaues Auge unangenehmer als eine Rezension ist. Denn aus der kannst du immer noch was lernen.

Hab aber auch immer vor Augen, dass du eine bestimmte Zielgruppe hast und da passt nun mal nicht jeder hinein. Von einem Schauerroman erwarte ich keine romantischen Szenen und in einem historischen Epos darf ich nicht mit futuristischen Waffen rechnen. Oft nehmen Leute Bücher mit falschen Erwartungen in die Hände. Wie gesagt, du kannst es nicht jedem recht machen.

Die gute Rezension:

Du hast es geschafft! Du bist der König der Welt und blickst von der Spitze eines Bergs auf deine niederen Untertanen herab, verlachst sie, denn dein Kung Fu ist das Beste.

So und jetzt komm ganz schnell wieder runter da, bevor du eine Revolte anzettelst oder stolperst. Eine gute Rezension ist toll, ja. Aber kein Grund sich jetzt auf den Lorbeeren auszuruhen. Du wirst schnell merken, dass sie sogar sehr schlecht sein kann, denn sobald du wieder vorm Computer sitzt, hast du den gesichtslosen Leser vor dir, der vielleicht auch dein nächstes Werk lesen wird und du willst ihn nicht enttäuschen. Das heißt: Druck!
Und zwar richtig. Dein neustes Buch, dein Kurzroman, deine Kurzgeschichte sollen ihm gefallen, aber was, wenn nicht?
Bevor du dich jetzt von wütenden Bürgern mit Fackeln und Heugabeln umzingelt siehst, nimm dir eine kurze Auszeit. Ich hab zwar gesagt, du sollst dich nicht auf deinen Lorbeeren ausruhen, damit meinte ich aber, dass eine gute Rezi keine Narrenfreiheit bedeutet. Du magst denken, dass du jetzt schreiben kannst wie und was du willst, aber der Leser möchte ernst genommen werden. Er investiert Zeit und Geld in dein Werk. Ihn zu verärgern ist wirklich nicht ratsam.

Deswegen, wenn du dich unter Druck gesetzt fühlst, lass den Computer ruhen, kümmere dich um etwas anderes. In ein oder zwei Tagen wirst du viel entspannter an die Sache heran gehen. Und lies dir die Rezension dann noch einmal durch, denn du willst wissen, was dem Leser so gut gefallen hat. War es der lockere Schreibstil? Das hohe Tempo? Die lebendigen Figuren?
Dein nächstes Buch wird sich ganz bestimmt von dem anderen unterscheiden, aber es wird in derselben Art geschrieben sein, wie dein vorheriges. Wenn du das sechste Buch deines Lieblingsautoren liest, erkennst du ja auch seinen Stil und seine Art zu schreiben wieder. Es ist nicht zu 100% wie vorher, aber du brauchst nicht mal ein Buchcover, um zu wissen, wer es geschrieben hat.

Behalte die Kritik im Kopf, wenn du schreibst. Oder drucke sie dir aus und häng sie irgendwohin, wo du sie immer sehen kannst, während du schreibst. Du kannst nur dazu lernen. Wichtig ist, dass du es auch umsetzt.

Interessanter Weise konnte ich zu der schlechten Rezension viel mehr schreiben, als zur guten. Aber das liegt ganz einfach daran, dass der Umgang mit der einen schwerer ist, als mit der anderen. Letztlich musst du selber wissen, wie du das machst.
Trotzdem: Kopf hoch und nicht übermütig werden.  


1 Kommentar:

  1. Hallo,
    also ich muß jetzt sagen ich finde diesen Artikel einfach auf den Punkt getroffen. Ich bin Rezensent und auch Schreiberling (mehr aber im Lyrikbereich) und ich kann deinen Worten nur zustimmen. Das einzige Wort das mich etwas stört in deinem Text ist das Wort "meckern" grins. Ich will ja nicht "meckern", aber ich denke ein Rezensent macht sich Gedanken und schreibt sich das von der Seele was er empfunden hat. Ich würde das nicht "meckern" nennen, sondern er hat einfach seine Meinung und die ist nun mal nicht immer positiv bzw. vieleicht einfach anders. Manche Rezensent können aber auch nicht immer alles so in Wort und Schrift fassen wie er es fühlt oder das Buch empfunden hat. Er schreibt nun dies vieleicht einfach so wie er es sagen würde, das heißt aber nicht das er "meckert", sondern das er einfach eine andere Meinung hat.
    Auch ich bin der Meinung man kann aus einer schlechten, wie einer guten Kritik lernen. Denn auch in einer guten Kritik können kleine Informationen stecken die einem zum Verbessern anregen können, Man muß einfach diese lesen und auch ein bischen zwischen den Zeilen. ;-)
    LG Manuela
    Aber jetz Schluß mit meiner "Meckerei"

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