Spannungsvolle Übergangszenen schreiben

´
Thomas Williams | 20 Januar 2014 |

Weil wir vom Schreibnacht-Magazin so nett sind, nehmen wir auch vorgeschlagene Themen an. Diesmal geht es um Übergangsszenen. Also Stellen, an denen die Charaktere mal nicht um ihr Leben fürchten müssen, sondern auf den Bus warten oder so.
Ich persönlich nutze diese gerne, um eine spannende Szene noch mehr zu steigern. Stell dir vor, dein Held hängt an einer Klippe. Er hält sich mit seinen Fingern fest und sein Gegner droht, auf sie drauf zu treten.

SCHNITT!!!
Wir befinden uns bei Tante Erna in der Küche und schauen ihr beim Apfelkuchen backen zu. Das klingt vielleicht nicht besonders spannend (es sei denn, es ist ein fleischfressender Apfelkuchen, wovon Tante Erna nichts weiß und gerade wendet sie ihm den Rücken zu, als…), aber dadurch, dass wir vorher einen Cliffhanger erzeugt haben (im wahrsten Sinne des Wortes sogar), wirkt diese Szene schon wieder ganz anders.
Klar, sie ist nicht so aufregend zu schreiben wie der Kampf an der Klippe, aber stell dir dabei einfach den Leser in dir selber vor. Du willst unbedingt wissen, wie es weitergeht, doch vorher musst du dieses Zwischenspiel hinter dich bringen. Das sorgt dafür, dass der Leser weiter liest.
Im Grunde ist diese Stelle also spannend, obwohl nichts passiert.

Solltest du keinen Cliffhanger haben, kannst du diese Szenen trotzdem nutzen, um deine Handlung voranzutreiben oder deine Figuren weiter auszubauen und vorzustellen. Du sollst sie ja nicht ins Wartezimmer schicken, wo sie in einer langweiligen Illustrierten blättern. Es sei denn, du schreibst Arztromane...
Überleg dir, was wichtig für die Handlung ist. Versetz dich in deinen Charakter und überleg, was ihn antreibt und was er an dieser Stelle wohl am ehesten tun würde. Kommst du nicht weiter, schreib zuerst einmal das Nötigste und fahr dann fort.

Später wirst du die Geschichte noch mal überarbeiten und überrascht darüber sein, wie viel du noch hinzufügen kannst - denn im Laufe der Geschichte fallen dir immer mehr Dinge ein, die du vielleicht etwas frühr hättest erwähnen sollen. Notier sie dir und füge sie später hinzu.

Dein erster Entwurf muss nicht perfekt sein und wenn er wirkt wie eine einzige Achterbahnfahrt, dann ist das eben so. Danach hast du noch genügend Zeit, es dir noch einmal in Ruhe durch den Kopf gehen zu lassen und dann werden dir nach und nach Dinge ins Auge springen, an denen du noch zu feilen hast.

Ich gebe ganz ehrlich zu, dass ich auch versuche, solche Stellen schnell hinter mich zu bringen. Sie sind aber auch unumgänglich. Der Leser braucht eine Verschnaufpause, weil es sonst irgendwann nicht mehr spannend ist.
Gerne schreibe ich eine aufregende Anfangsszene, geh vom Gaspedal runter, erhöhe das Tempo noch etwas, schalte noch einmal runter (aber hier ist die Handlung schon in vollem Gange und es fällt viel leichter ruhige Stellen zu schreiben) und danach rase ich mit 100kmh zu viel durch die Radarfalle.
Im Grunde sind die ersten Übergangszenen die schwierigsten, denn hier müssen wir Handlung und Charaktere aufbauen, aber für den Leser sind sie trotzdem interessant, denn was wir schon längst wissen und jetzt nur zu Papier bringen, ist für ihn noch vollkommen neu.

Als Autor solltest du viel lesen. Sieh dir an, wie andere so etwas bewerkstelligen und was dir daran gefällt. Du sollst es nicht 1:1 kopieren, aber du kannst daraus lernen. Und später wirst du deine eigene Art und Weise gefunden haben, mit Übergangsszenen umzugehen.

Kommentare:

  1. Ich mag diese Übergangsszenen eigentlich am liebsten - da können die Charaktere ihre Schokoladenseite zeigen. Mein Mittel, um Übergangsszenen leserbindend über die Bühne zu bekommen: Lustig sein (oder sich zumindest bemühen).
    Beispielsatz (ganz frisch geschrieben, achtung, warm!)

    "Zwischen den schattenspendenden Bäumen lag eine eher schmale Pflasterstraße, auf der hier und da Hundekot lag. Ihr Nachbar Velmont räumte ihn als einziger nicht weg, und jeder wusste das, einmal abgesehen von Velmont."

    Ich mag die Trainingseinheiten in Harry Potter, Tribute von Panem und Co. meistens lieber als die epischen Kämpfe und das Überleben in der Arena. ...
    LG, ~ Jen

    AntwortenLöschen
  2. Schön! Ich habe gerade etwas Ähnliches in meinem Video-Kurs zum Plotten veröffentlicht: http://www.youtube.com/watch?v=3H4opdoxqBU

    AntwortenLöschen