Tätigkeiten während den Dialogen beleben das Gespräch

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Thomas Williams | 13 Januar 2014 |

Erinnerst du dich an deine letzte Unterhaltung? Ganz bestimmt, oder? Und auch daran, worum es ging. Aber weißt du auch noch, was du während dessen getan hast?
Wenn wir Menschen uns unterhalten, stehen wir nicht da wie Salzsäulen, welche den Mund auf und zu machen. Wir bewegen uns, sei es auch nur minimal. Wir gestikulieren, zeigen irgendwo hin, greifen wonach oder spritzen unseren Gesprächspartner mit dem Gartenschlauch ab.  

Kurz gesagt: Wir befinden uns in ständiger Bewegung, sogar dann, wenn wir uns gegenübersitzen und einfach nur ein Gespräch führen. In Geschichten lässt dies die Unterhaltung lebendiger wirken. Stell dir vor es wäre nur A sagt, B sagt, A sagt, B sagt. Das ist nicht nur langweilig, sondern strengt tatsächlich auch an.

Wäre es nicht viel unterhaltsamer, wenn A und B sich bewegen?
Hier mal ein Beispiel. Die Namen der Figuren haben wir ja schon fast. Stellen wir uns nun vor, dass Albert und Beate im Wohnzimmer vorm Fernseher sitzen, als plötzlich eine Ratte vor selbigem hockt.
„Oh, mein Gott! Da ist eine Ratte!“, schrie Beate plötzlich und fuhr in ihrem Sessel hoch. „EINE RATTE!“
Albert, der eben noch in seine Zeitung vertieft war, schaute erst auf, als das pelzige Ding sich schon hinter dem Flimmerkasten verkrochen hatte.
„Was schreist du denn hier so rum? Die war doch nur im Fernsehen!“
„Nein, war sie nicht. Sie hat da vorne gehockt!“ Beate zeigte auf die Stelle vor dem Fernseher, während sie auf ihren Sessel kletterte.
„Ich sehe da nichts.“
„Sie hat sich versteckt.“
„Ach, jetzt hör aber auf. Wo soll denn eine Ratte her kommen? Hier hat es noch nie Ratten gegeben.“
„Da war aber eine. Bitte sieh doch nach.“ Beate schien den Tränen nahe zu sein, trat von einem Fuß auf den anderen und Albert erhob sich schwerfällig aus seinem Sessel. Mehr aus Angst, sie könnte stürzen und sich das Genick brechen, als wegen der Tatsache, da könnte wirklich eine Ratte hocken.
Er hielt die zusammengerollte Zeitung in der Hand. „Wenn es dich beruhigt.“
„Ja, das tut es! Aber sei vorsichtig, dass sie dich nicht beißt. Wer weiß schon, was für Krankheiten diese Biester übertragen?“
„Ich passe ja auf, Herr Gott.“
„Oder ruf den Kammerjäger.“
„Den brauche ich nicht.“ Albert klopfte mit der Zeitung in seine Handfläche.
„Willst du sie etwa damit erschlagen?“
Albert grinste. „Sie nicht.“
„Was soll das denn heißen?“

Wie du siehst, musst du nicht ununterbrochen beschreiben, was deine Figuren tun, aber es ist wichtig es alle paar Zeilen zu machen. Auch, wenn es nur Kleinigkeiten sind. Beate hätte im Sessel sitzen bleiben können, aber sie ist in Panik und will weg von der Ratte. Albert rollt die Zeitung in seinen Händen zusammen und am Ende grinst er frech. Schon die Beschreibung der Mimik deiner Charaktere lässt die Szene ausgefüllter wirken. Du siehst sie vor dir, also beschreibe, ob sie das Gesicht verziehen, lächeln, sich die Lippen lecken oder die Augen verdrehen.
Es mögen Kleinigkeiten sein, aber sie sind wichtig, da sie den Leser auch tiefer ins Geschehen ziehen. Gleichzeitig lassen sie deine Figuren menschlicher und lebendiger wirken.
Oh und die Ratte?
Die hat Albert eins mit seiner Zeitung übergezogen und sich in seinen Sessel gesetzt.
Ende.


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