Wie erschaffe ich eine neue Welt?

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Schreibnacht Magazin | 23 Januar 2014 |
Für das Erschaffen einer eigenen Welt gibt es ähnlich wie beim Schreiben eines Romans kein Patentrezept. Oder derjenige, der es entdeckt hat, hütet es wie ein Staatsgeheimnis, um jetzt einen Bestseller nach dem anderen zu schreiben - wer weiß. Für uns Weltenbauer geht es nun ans Eingemachte: Der Plot ist geschrieben, die Figuren skizziert, unsere Notizbücher mit Gedankenfetzen zum Setting gefüllt, in unseren Köpfen stapelt sich weiterhin eine Idee über der anderen ... Aber wie kann ich aus den ganzen losen Notizen eine Welt basteln, die am Ende für den Leser logisch und plausibel ist? Wo fange ich am besten an? Wie bereits gesagt, gibt es kein Patentrezept, und ich erkläre euch meine Methode in der Hoffnung, dass auch ihr damit gut arbeiten könnt. 

Schritt 1: Sich einen Überblick verschaffen

Als erstes schaffe ich mir einen Überblick und dieser erste Schritt beim Erschaffen einer neuen Welt, sieht bei mir immer gleich aus: Ich zeichne. Ich schnappe mir ein schlichtes, weißes DIN A3 Plakat aus meinem Depot, suche meine Bleistifte zusammen und mache es mir auf dem Boden meiner Wohnung bequem und kartografiere meine Welt.  Damit bin ich erstmal ein paar Tage beschäftigt. Wer sich zuvor noch nie in den Bereich der Kartografie gewagt hat, empfehle ich zunächst ein paar Probeskizzen auf Extrablättern anzufertigen und danach nur die Umrisse der Karte - die Küstenlinien - auf ein größeres Plakat zu zeichnen. Ich lasse am Rand des Plakats genügend Platz für eine Legende, Chroniken und ergänzende Notizen, da ich auf diesem Plakat meine gesamte Welt entwerfen werde. 

Wenn die Küstenlinien festgelegt sind, nehme ich mir meine Notizen zur Hand: Welche Landschaftsformen sollen in meinem Roman vorkommen? Wo verlaufen die äquatorialen, gemäßigten und polaren Klimazonen? Wo verlaufen die Hauptgebirgszüge? Flüsse und Seen? Wüsten? Wälder? Grasländer und Ebenen? Alle Elemente, über die ich mir bereits im Klaren bin, zeichne ich in die Karte ein und fülle nach und nach die leeren Flächen aus. Vergesst beim Zeichnen nicht die Gesetzmäßigkeiten der Natur!

Hinweis: Diese Karte muss nicht perfekt sein. Ihr sollt damit keinen Kunstwettbewerb gewinnen. Sie ist ein Werkzeug, das euch helfen soll, während dem Schreiben in einer komplexen Welt nicht den Überblick zu verlieren. 

Schritt 2: Den Kontinent bevölkern

Nachdem ich mich beim Kartografieren nur auf die Geographie meiner Welt konzentriert habe, folgt im zweiten Schritt das Leben - Städte, Dörfer, Festungen, Politik und Handel. Jetzt nehme ich mir alle Notizen zu den Figuren und Völkern vor, die im Roman vorkommen sollen. Alle relevanten Informationen zu Kultur, Religion, Gesellschaft und Sprache übertrage ich in mein Plakat. Dabei arbeite ich viel mit Farben, Symbolen, Skizzen und Bildern, die mir als Inspiration dienen. Bei der Gestaltung sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Tipp: Auf einem großen Plakat lassen sich wunderbar Bilder verorten, ähnlich wie bei Google Maps, bei dem man Fotos in der Karte verankern kann. Ich bin ein visueller und audiovisueller Mensch - ich schreibe mit Bildern und mit Musik. Musik kann ich schlecht auf meine Karte pinnen, aber Bilder schon. Also gehe ich regelmäßig in ein paar freien Minuten (die ich eigentlich nicht habe) auf Bilderjagd im Internet, in der Hoffnung eine Szene zu finden, die zu der in meinem Kopf passt. Wenn ich eins gefunden habe, landet es ausgedruckt auf meinem Plakat. So entsteht eine Fotostrecke von der Reise, die meine Figuren im Roman unternehmen. Das gibt mir einen Inspirations- und Motivationskick. :D

Schritt 3: Puzzlestück für Puzzlestück

Sobald jede bereits existierende Information auf das Plakat übertragen ist, werdet ihr merken, dass da noch ziemlich viele weiße Stellen frei sind. Jetzt heißt es: Warten, schreiben und die Ohren offen halten. Mit der Zeit werden neue Ideen dazu kommen. Das Erschaffen einer eigenen Welt ist wie Puzzlen. Manche Teile findet man auf Anhieb, nach anderen muss man lange suchen oder sie fallen einem zufällig vor die Füße. Andere wiederum scheinen erst gar nicht richtig ins Bild zu passen, bis wir die Stelle entdecken, wo sie hingehören.

So könnte es aussehen:


JETZT SEID IHR AN DER REIHE!
Welten zu basteln ist ein Thema mit dem man Bibliotheken füllen könnte. Habt ihr ein Thema, das euch zu kurz gekommen ist und zu dem ihr euch mehr Informationen wünscht oder eines, das ich bisher noch nicht angeschnitten habe? Dann schreibt mir einfach einen Kommentar oder eine E-Mail mit dem Betreff "Weltenbau" an cjohnson.post@googlemail.com. Ich antworte gern. :)

Teil 1: Grundbausteine. Logik und Naturgesetze. Natur und Geographie
Teil 2: Land und Leute. Eine Kultur entwerfen. Eine Chronik schreiben - Ist das wirklich notwendig?
Teil 3: Herangehensweise: Wo fange ich am besten an?
Teil 4: Kleiner Kartografiekurs: Der Weg zur eigenen Landkarte.
Weltenbau Special: Fragenkatalog Part I

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