Wo soll das nur hinführen?

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Thomas Williams | 24 Februar 2014 |
Die Angst vor dem weißen Papier kennen wir alle, oder? Die wird ja nun wirklich oft genug erwähnt. Was aber irgendwie nur selten angesprochen wird, ist die Angst vor dem Ende der Geschichte, denn zum einen ist man ja nie wirklich zufrieden mit dem letzten Satz und so durchdacht die Geschichte auch sein mag, manchmal will einem einfach kein gescheites Ende einfallen. In solchen Fällen lassen wir unsere Figuren einfach von einem Yeti fressen.
Ach, ihr macht das nicht? Jetzt fühle ich mich allein gelassen...

Aber ist es wirklich von Vorteil das Ende schon zu kennen, wenn du die Geschichte gerade erst anfängst? Läuft sie auf einen überraschenden Twist hinaus, sicher. Dann solltest du diesen vor Augen haben, aber verläuft deine Handlung ohne solchen, ist es vielleicht gar nicht so wichtig zu wissen, wie es ausgeht. Mir persönlich dient so etwas oft nur als eine Art Ziel, auf das ich zusteuere, aber das bedeutet noch lange nicht, dass die Geschichte auch diesen Weg geht. Oft entwickeln sie ja ein Eigenleben, schlagen plötzlich Wege ein, die vorher gar nicht gesehen haben und plötzlich ist der notierte Plot nur noch Nebensache.

Ich mag es, wenn es so läuft und die Welt, welche ich erschaffe, vor meinen Augen zum Leben erwacht. Es macht schließlich mehr Spaß zu beobachten, als zu lenken. Es ist ein kleiner Vorteil sein Ende zu kennen, da es hilft in Fahrt zu kommen, aber die Geschichte kann auch schnell konstruiert wirken, deswegen würde ich mich nicht daran festbeißen. Improvisiert, lasst eure Figuren lebendig werden und sie ihre eigenen Entscheidungen treffen. Dadurch nimmt die Handlung einen ganz anderen Verlauf. Das Ende ist dann auch manchmal weniger vorhersehbar, denn ohne es zu merken legen wir kleine Brotkrumen, die den Leser erahnen lassen, was zum Schluss passiert. Und es gibt doch wirklich nichts schlimmeres, als in der Rezension zu lesen, dass die Geschichte zu vorhersehbar war, oder?

Viele Autoren fangen an zu schreiben, ohne zu wissen, wie es ausgeht. Sie lassen ihre Figuren die Geschichte erzählen und sehen zu, wohin sie das führt. Bei mir klappt es mal auf die eine, mal auf die andere Art. Wie gesagt, ein Ende vor Augen zu haben kann hilfreich sein, um zu beginnen, aber es muss nicht zwangsläufig darauf hinauslaufen. Manchmal kann ich aber auch nicht ohne, weil mir einfach die Entwicklung der Geschichte noch nicht reif genug zu sein scheint. In solchen Fällen lasse ich sie oft noch etwas bei Seite liegen und kümmere mich um eine, wo ich weiß, wohin ich will. Denn dies hilft auch den Ton der Geschichte zu gestalten. Und sollte ich am Schluss angekommen sein, ohne einen vernünftigen Schluss lasse ich mir eben ein oder zwei Tage Zeit. Zur Not muss eben der Yeti ran.

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