Zeichensetzung #2 - Gedankenstrich, Klammern, Semikolon und Doppelpunkt

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Carolin Grotjahn | 07 Februar 2014 |

Wörter, Wortgruppen, Teil- oder Ganzsätze in einen eigentlich vollständigen Text einfügen? Beziehungsweise de Text besser gliedern? Für Autoren kein Problem.
Bloß … welches Zeichen nimmt man am besten?

Möglichkeit 1: Gedankenstrich

Vorab: Das ist der Gedankenstrich:   (nicht dieser - ). Er ist doppelt so lang wie der Ergänzungsstrich!

Wann benutze ich ihn? (einfach oder paarig)

1.      Wenn man etwas Weiterführendes oder Unerwartetes einfügen will.
2.      Wenn man Zusätze oder Nachträge einfügen will.
3.      Bei nachgestellten Erläuterungen, die mit also, besonders, das heißt (d. h.), das ist (d. i.), genauer, insbesondere, nämlich, und das, und zwar, vor allem, zum Beispiel (z. B.) oder dergleichen eingeleitet werden.
4.      Bei Wörtern oder Wortgruppen, die durch ein hinweisendes Wort oder eine hinweisende Wortgruppe angekündigt werden: … wir beide – du und ich – …

Formales:

·         Zwischen zwei Ganzsätzen kann man zusätzlich zum Schlusszeichen (also zum Punkt, Frage- oder Ausrufezeichen) einen Gedankenstrich setzen, um einen Wechsel deutlich zu machen.
(Allerdings geht’s auch einfacher: mit einem neuen Absatz. Und diese Methode finde ich persönlich auch viel schicker.)
·         Ausrufe- oder Fragezeichen, die zum Einschub im paarigen Gedankenstrich gehören, setzt man vor den abschließenden Gedankenstrich.
Und, wenn nötig, das Komma nicht vergessen: Sie behauptete – so eine Frechheit! –, dass sie im Schwimmbad gewesen wäre.

Möglichkeit 2: Klammern

Grundsätzlich kann man die meisten Regeln, die für den Gedankenstrich gelten, auch auf die Klammern (einfach oder paarig) anwenden. Normalerweise benutzt man sie allerdings nur für Zusätze und Nachträge und manchmal bei nachgestellten Erläuterungen. Die Regel mit den Ausrufe- und Schlusszeichen (+ Komma) gilt für die Klammern außerdem ebenso.
Was mir allerdings aufgefallen ist: Wenn man Gedankenstriche verwendet, benutzt man normalerweise keine Klammern in seinem Text. Wenn man nur Klammern benutzt, können Gedankenstriche auch vorkommen – dann jedoch weniger häufig.

Mein Rat: Den Text einheitlich gestalten! Am besten mit Gedankenstrichen und ohne Klammern; das ist weniger kompliziert.

Möglichkeit 3: Semikolon (auch bekannt als Strichpunkt)

Wann benutze ich es?
Mit dem Semikolon kann man gleichrangige Teilsätze oder Wortgruppen voneinander abgrenzen. Im Vergleich mit dem Punkt und Komma sieht der Grad der Abgrenzung so aus:
Punkt > Semikolon > Komma
→ Der Punkt trennt die Sätze vollkommen, das Semikolon gliedert sie und das Komma reiht sie  aneinander.

Besonderheit:
Das Semikolon kann man normalerweise immer mit Punkt und/oder Komma ersetzen. Meistens tut man das auch, weshalb es nur sehr spärlich zu sehen ist.
Auch ich meide den Strichpunkt meistens. (In Geschichten vor allem.) Nützlich finde ich ihn allerdings bei Aufzählungen, die bereits sehr viele Kommas enthalten. Da man diese in fiktionalen Texten aber ohnehin weitgehend vermeidet, um den Text übersichtlicher zu gestalten, benutzen die wenigsten Autoren das Semikolon.

Möglichkeit 4: Doppelpunkt

Vorab:
Nach einem Doppelpunkt schreibt man klein, wenn einzelne Wörter oder Wortgruppen folgen.
Nach einem Doppelpunkt schreibt man groß, wenn ein Ganzsatz folgt.

Wann benutze ich ihn?
Mit dem Doppelpunkt kündigt man an, dass etwas Weiterführendes folgt:
1.      Wörtlich wiedergegebene Äußerungen oder Textstellen, wenn der Begleitsatz vorausgeht: Er sagte: „...“
2.      Aufzählungen, spezielle Angaben, Erklärungen oder dergleichen (z.B. in den Steckbriefen eurer Charaktere; oder: Autor: Buchtitel)
3.      Zusammenfassungen des vorher Gesagten oder Schlussfolgerungen daraus: Meine Würde, mein Stolz, mein Ansehen: alles dahin.
(In diesem Fall könnt ihr auch den Gedankenstrich verwenden!)

 

So, das war es für heute. Ihr werdet wohl bemerkt haben, dass ich mit weniger direkten Beispielen gearbeitet habe. Dafür habe ich die vier genannten Möglichkeiten so gut es geht in die Erläuterungen eingebunden. Vieles habe ich allerdings übertrieben und beispielhaft verwendet, um euch die Thematik in aller Breite vorzuführen.

Und nun wünsche ich euch viel Spaß beim Gliedern eures Textes! :)


Die Gastautorin: Sabrina Schumacher


Mein Name ist Sabrina Schumacher und wurde am 14. Mai 1994 in Bayreuth geboren.
Meinen ersten Roman konnte ich bereits im Alter von 15 fertig stellen, darauf folgte ein weiterer – veröffentlicht habe ich diese jedoch nicht.
Dafür konnte ich schon mit der ein oder anderen Kurzgeschichte überzeugen, was mir nicht nur fünf Veröffentlichungen eingebracht hat, sondern auch einen ersten Einblick in die Verlagswelt.
Darum studiere ich momentan Germanistik, wodurch man mir bereits eine erste professionelle Korrekturarbeit zugetraut hat.

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