Gedichte und Lieder im Text werden oft überlesen

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Unknown | 18 April 2014 |
Bücher, in denen Lieder, Gedichte, Zitate und alte Weisheiten vorkommen, gibt es viele, doch wie sorgfältig werden diese lyrischen Ausschmückungen gelesen? Wir versuchen es mit den paar Versen, die ich aus dem Hut gezaubert habe:

Schaut mich an, ich bin ein Vers,
Bin so oft auf Reise.
In dem Kopf des Romanciers
Zieh ich meine Kreise.


Ward ihr aufmerksam, oder habt ihr die paar Zeilen übersprungen, weil ich euch mit der Formatierung und der Ankündigung bereits mitgeteilt habe, dass ihr mit dem eigentlichen Text fortführen könnt? Gehört ihr zu den Ersteren, dann bedanke ich mich für die Aufmerksamkeit. Wenn ihr allerdings zu der zweiten Sorte Leser gehört, dann seid ihr sicher nicht allein, denn Gedichte werden gern überlesen.

Lieder und Gedichte tragen meist keine Handlungen und sollen den Leser nur unterhalten und ihm etwas Abwechslung geben. Zudem halten zu viele Verse die Handlung an und können einen ungeduldigen Leser verärgern, der doch unbedingt wissen will, wie es mit den Protagonisten weitergeht.

Rätsel und Zaubersprüche werden gern gelesen, warum ist das so? Weil diese meist kurz sind und wichtige Informationen beinhalten, die den Lesefluss nicht unterbrechen und die Handlung vorantreiben. Bei Rätseln will man immer wieder zurückkehren und prüfen, ob man selbst auf die Lösung gekommen wäre.

Kurze Gedichte werden eher gelesen, oft sogar aufmerksam. Bei längeren Texten kann es passieren, dass die Leser abschweifen, oder nicht bis zum Ende lesen und zum eigentlichen Text übergehen, vor allem wenn die langen Lieder und Gedichte sich in einem Roman häufen.

Wer sich auf Lyrik in Prosatexten einlässt, merkt schnell, wie ausgeklügelt sie geschrieben ist und wie viel Zeit es den Autor gekostet hat, sie zu verfassen. Und genau das sollte sich der Autor auch im Klaren sein, dass das, was er in mühsamen Stunden, die ihm sicher Freude bereitet haben, zusammengeschrieben hat, womöglich nicht so gewürdigt werden wird, wie es verdient.

Wenn ein Lied jedoch wichtig ist, sollten die Inhalte am Ende knapp zusammengefasst werden, damit der Inhalt auch den unaufmerksamen Lesern nicht entgeht und er sonst womöglich der Geschichte gar nicht mehr folgen könnte.

An einleitende Zitate und kurze Gedichte ist der Leser auch schon gewöhnt wie an die Nummerierung der Kapitel und liest sie deswegen kaum noch, dabei recherchieren die Autoren viele Stunden nach den kleinen Weissagungen unserer Menschengeschichte.
Und doch lockern ein paar Verse die Optik des Buches und der Leser verweilt automatisch länger auf solchen Seiten, ob gewollt oder vom Autor gezwungen.

Hintergeht den Leser nicht mit Übertreibungen, aber lasst euch auch nicht zu sehr von ihnen verbiegen. Schreibt, wozu ihr Lust habt, denn in erster Linie seid ihr es, die zufrieden werden müsst.

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