Von königmachenden Schwertern und Prophezeiungen

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Schreibnacht Magazin | 24 April 2014 |
ODER: Aus alt mach neu! - Das Klischee-Recycling. Stereotypen gehören zum Schriftstelleralltag wie der Eiffelturm nach Paris oder die roten Briefkästen nach London. Jedes Genre hat seine eigenen Klischees und Stereotypen, mit denen wir auch tagtäglich in unseren Geschichten arbeiten. Und bevor jeder in den Saal ruft "Klischees! Niemals!", weil man das als Autor sagen muss, schauen wir uns doch mal unsere Projekte an: Wenn ich ein Blick auf mein Drachenherz werfe, fallen mir schon eine Stereotypen und Klischees der High Fantasy auf:
  • Mittelalter-Setting: check. 
  • Magie: check. 
  • Elfen, Zwerge, Trolle ... Kurz diverse magische oder nicht menschliche Wesen: check. 
  • Drachen: check. 
  • Gut gegen Böse: check.
Fakt ist: Ohne diese typischen Elemente wäre es wohl kein Fantasy-Roman. Dieses Genre lebt davon. Worauf es dabei beim Schreiben ankommt ist Individualität. Ganz am Anfang, wenn nur die Idee in meinem Notizbuch existiert und ich mir langsam Gedanken um die Handlung mache, stelle ich mir meinen Kopf als riesige Rumpelkammer vor - wie den Raum der Wünsche. Dort stapelt sich viel übereinander, aus dem man einen Roman basteln kann. Von Klischees und Stereotypen bis hin zu eher unkonventionellen Gedanken. Dann werden Klischees neu erfunden, durch den Schredder gejagt und wieder zusammengeklebt bis sie etwas vollkommen Neues ergeben. Michael Peinkofer schrieb in seinem Fantasy-Ratgeber, dass nur der, der die Regeln seines Genre kennt und nach ihnen spielen kann, auch etwas ganz Neues fürv den Leser erschaffen kann. Und es gibt nur eine Hand voll Romane, bei denen ich das Gefühl hatte: So etwas habe ich bisher noch nicht gelesen! Romane, die mit vollkommen neuen Konzepten aufwarteten.

In meinen Augen gibt es dennoch ein schwarzes Schaf unter den typischen Fantasy-Elementen, besser gesagt zwei: Die Prophezeiung und magische Artefakte wie königmachende Schwerter, an denen man sich als Autor leicht die Finger verbrennen kann, wenn man die Sache falsch anpackt. Prophezeiungen oder bestimmte magische Gegenstände ähneln in gewisser Weise dem Deus Ex Machina. Sie erklären, warum gerade unser Held in dieses Abenteuer ziehen muss: Er ist (natürlich) der Auserwählte, den ein uralter Weise vor tausenden von Jahren kommen sah. Das ist schön und gut, aber mehr auch nicht. Der Protagonist wird von der Handlung bzw. uns als Autor auf dem Schachbrett umher geschoben. Aus diesem Grund stehe ich Prophezeiungen und Co. skeptisch gegenüber, denn: Der Held bestimmt mit seinen Entscheidungen die Handlung und nicht umgekehrt.

Die Diskussion ist eröffnet: Wie denkt ihr darüber?


Kommentare:

  1. Also ich persönlich finde es irgendwie faszinierend, sich Prophezeiungen auszdenken. Rätselsprüche und so was habe ich in meiner Anfangszeit als Autorin total geliebt, inzwischen verwende ich sie aber nicht mehr (liegt jedoch wahrscheinlich daran, dass ich das Subgenre der Fantasy gewechselt habe).
    Prophezeiungen passen aber meiner Meinung nach gut in Fantasybücher für Kinder, weil die gerne miträtseln ;)

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  2. Die Standardfantasy hat ein paar große Probleme... Gerade diese "Zutaten" die es zu Fantasy machen. Ich kann auf diesen anstrengenden Quest-Plot (irgendwer muss irgendwohin und was machen um was zu retten) absolut verzichten. Aber es gibt uns ja Raum, das zu ändern: Ein Charakter, eine verworrene Situation in der er sich zurecht findet, kaum Magie und zack ist man schon unique :D
    Es heißt übrigens Deus ex machina (Gott aus der Maschine). Ein absolut dämliches Stilelement in Geschichten. Das passiert, wenn man nicht plottet.

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