Gastbeitrag: Der Try-Fail-Zirkel

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Carolin Grotjahn | 23 Mai 2014 |
Grob übersetzt bedeutet Try-Fail-Zirkel "Versuch und Scheitern-Kreislauf".
Er ist wohl eines der wichtigsten Stilmittel überhaupt und wird oft auch unbewusst eingesetzt. Er zieht sich von der Planung bis zur Überarbeitung und sollte stets bewusst benutzt werden.

Und so funktioniert der Try-Fail-Zirkel:

Euer Held hat eine Aufgabe, ein Ziel, das er erreichen möchte.
Nun ist es die Aufgabe des Autors, ihm das möglichst schwer zu machen. Wichtig ist, dass bei jedem neuen Versuch der Fehlschlag schlimmere Konsequenzen nach sich zieht als der Vorige.

Versuch → Er scheitert → Er lernt, was daraus → Er versucht es erneut → Er scheitert schlimmer → ... usw.

Hier ein Beispiel:

Nehmen wir mal an, ihr schreibt über einen jungen Fußballspieler, der in eine Losermannschaft kommt, die nie gewinnt. Sein Ziel ist es, dass sie das große Turnier im Sommer gewinnen.

1. Zirkel: 

Unser Held glaubt an sein Team und fordert die stärkste Mannschaft zu einem Freundschaftsspiel auf.
Diese stimmt widerwillig zu.
Das Risiko ist, dass sie verlieren wie jedes Mal.
Unser Team verliert 0-20.
Unser Held hat gelernt, dass die Mannschaft zu schlecht spielt.
Er trainiert sie, bis sie besser geworden sind.

2. Zirkel: 

Er fordert diese Mannschaft erneut heraus.
Sie lehnt ab da es Zeitverschwendung für sie ist.
Unser Held bietet an, dass sie, wenn sie verlieren, einen Monat lang Balljungen spielen würden.
Das Risiko ist höher. Neben der Niederlage würden sie zusätzlich gedemütigt.
Sie verlieren 0-3.
Unser Held hat gelernt, dass sie immer noch zu schlecht sind.
Er nutzt die Zeit als Balljunge als Zusatztraining. Die Spieler dürfen die Bälle nur mit dem Fuß zurückspielen, und wenn sie im Wald landen, müssen sie um die Bäume herum Flanken schießen.

3. Zirkel: 

Unser Held fordert sie erneut heraus (ja ja, ist ja nur ein Beispiel).
Sie lachen ihn aus. Er bietet an, falls sie verlieren, lösen sie die Mannschaft auf.
Das höchste Risiko. Bei einer Niederlage verlieren sie alles.
Nach der Halbzeit steht es 0-1. Unser Held erinnert das Team an das Training und es soll versuchen, sich vorzustellen, die Gegner wären Bäume. In der letzten Minute dann die Erlösung. Der Ausgleich. Sie haben nicht verloren und der Zirkel ist beendet.

Dieses Muster kann man auf alle Arten von Geschichten projizieren. Es ist egal, ob man die Zerstörung des Todessterns hinauszögert oder der erste Kuss von der nervigen Schwester vereitelt wird.
Versucht einfach mal bewusst darauf zu achten, wo ihr den Zirkel seht und vor allem nutzt ihn, so oft ihr könnt.


Der Gastautor: Benjamin Kloß


Mein Name ist Benjamin Kloß und bin 29 Jahre jung. 
Meine Heimat liegt im schönen Thüringen. Ich schreibe schon seit einigen Jahren und finde es spannend zu sehen, wie sich mein Schreibstil im Laufe der Zeit gewandelt hat. Das Erfinden von Geschichten bereitet mir Freude und ich hoffe auch meinen Lesern.

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