Zeit zum Schreiben finden

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Thomas Williams | 03 Mai 2014 |
Na, wieder den ganzen Tag im Internet gesurft, obwohl du eigentlich schreiben wolltest? Hattest du vor früh aufzustehen und an der Tastatur zu sitzen, bis sie dir gewaltsam aus den Händen gerissen wird? Und jetzt sind mehrere Stunden vergangen, in denen du nicht ein einziges Wort geschrieben hast. Jedenfalls nicht an deinem Projekt, aber bestimmt auf Facebook, Twitter, in irgendwelchen Foren und Mails. Und am Ende des Tages bist du sauer auf dich selber, gehst enttäuscht ins Bett und denkst an all die Szenen, welche du hattest schreiben wollen.


Glaub mir, ich kenne das. Jetzt könnten wir uns rechtfertigen, dass kreative Menschen angeblich leichter abzulenken sind, aber wer glaubt uns das schon? Während ich das hier schreibe, kann ich durch ein Fenster auf die Straße schauen, uninteressante Leute beobachten und ja, manchmal erwische ich mich dabei. Oder ich denke, ich schaue nur mal kurz, was es neues auf Facebook gibt, ob jemand was zu meinem neuen Thema im Schreibnachtforum geantwortet hat oder ob ich Mails habe. Mensch, da gibt es diesen neuen Filmtrailer, den ich noch sehen wollte und hat Autor XY eigentlich ein neues Buch geschrieben? Youtube und Amazon hilf!

Das Internet ist ein unglaublicher Zeitfresser und ich weiß genau, wie leicht man mehrere Minuten damit verplempert zu surfen, anstatt das zu tun, was man eigentlich vor hatte. Nämlich schreiben. Wenn dieser Text online geht, ist der National Novel Writing Month April 2014 vorbei und wenn ich etwas gelernt habe, dann ist es ein Ziel vor Augen zu haben. 50.000 Wörter in einem Monat war meines, das heißt über 1000 Wörter am Tag schreiben und mal nicht alle vier Minuten auf Facebook gucken, ob wer deinen Kommentar geliket hat.
Es erfordert Disziplin, Durchhaltevermögen und natürlich eine Menge Ehrgeiz und bevor du jetzt denkst, ich klopfe mir selber auf die Schulter: Natürlich bin ich zwischendurch schwach geworden. Aber es wurde besser und besser, denn ich nahm mir vor jeden Tag eine bestimmte Anzahl an Wörtern zu schreiben.

Irgendwann waren 1500 Wörter pro Tag mein Ziel und das ist leichter als gedacht, denn oft wurden es mehr. Wenn du Zeit zum Schreiben brauchst, erledigst du am besten vorher alles andere, was dich ablenken könnte. Hausaufgaben, Haushalt, der Einkauf, den Hund Gassi führen, eine Zeitreise, einen Sambakurs belegen, was auch immer. Du wirst später nicht mehr daran denken müssen. Was das Internet betrifft: Es gibt sicher kein Allheilmittel, um sich vor der Verlockung eines einfachen Klicks zu schützen, welcher uns zu Facebook und Co. führt, aber vielleicht hilft es dir eine Liste zu erstellen, mit allem, was dir während dem Schreiben in den Sinn kommt im Internet anzuschauen. Recherche ist okay, aber halt dich von Shoppingseiten und Chatrooms fern. Kommentier nichts auf Facebook, erstell keinen neuen Thread, schau dir nicht das Kaminfeuer auf Youtube an (Und verrat mir nicht, wie es endet! Das will ich selber herausfinden). Das sind alles Dinge, die dir nicht weglaufen. Anfangs mag es schwer sein, aber nimm dir einfach vor eine bestimme Zahl Wörter am Tag zu schreiben. Das treibt dich an und du willst immer mehr das Gefühl vermeiden, dich selber zu enttäuschen. Irgendwann packt dich der Ehrgeiz und es fällt dir leichter. Mag sein, dass dir nicht immer gefällt was du schreibst, aber wozu gibt es die Überarbeitung? Wenn du fertig bist, kannst du immer noch was ändern. Mach dir Notizen dazu.

Teil dir das Schreiben wie einen Job ein und versuch 2000 Wörter am Tag zu schreiben. Nimm dir zwei Tage die Woche frei und du hast am Ende immer noch 10.000 Wörter geschrieben. In einem Monat können es 40.000 sein. In zwei Monaten 80.000. Es wird nicht jedes Mal klappen, aber du kommst voran. Sind dir 2000 am Tag zu viel, schreib 1000. Das ist wirklich nicht schwer und du kannst dich später immer noch steigern. Wie, wann und wo du am besten schreiben kannst, weißt nur du. Aber vielleicht hilft es dir eben ein Ziel vor Augen zu haben, das dich darin bestärkt es zu tun. Sich Zeit zu verschaffen ist viel einfacher, als man denkt. Es geht nur darum, sich nicht ablenken zu lassen, denn wenn du in deine Geschichte vertieft bist und deine selbst erschaffene Welt beginnt zu leben, läuft es wie von selber.      

1 Kommentar:

  1. Wie passend! Vor zwei Tagen habe ich einen Post veröffentlicht - was Autoren in sozialen Netzwerken posten und was sie sich wirklich dabei denken.
    http://bit.ly/autorenposts
    :) Passt hervorragend hierzu!
    Sehr guter Artikel, übrigens!
    LG,
    Jen

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