Schubladendenken | Muss der Antagonist immer ein Bösewicht sein?

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Christina | 09 September 2014 |
Antagonisten sind die Gegenspieler des Helden. Doch sind sie deswegen immer böse?  Je nach Art der Geschichte kommen verschiedene Typen zum Einsatz. Wir kennen zum Beispiel den gefallen Helden, den ausgebildeten Mörder oder den machthungriger Tyrannen.  Sie alle können die Rolle des Bösewichts  übernehmen, indem sie aktiv gegen den Protagonisten kämpfen. Allerdings ist der klassische Bösewicht heute nur noch in Action-Geschichten gefragt. In jedem anderen Genre sollte der Antagonist mehr darstellen als eine Anreihung von Klischees. 

Ein besonders beliebter Antagonist ist einer, der nicht von Grund auf und nicht von Anfang an böse ist.  Auch wenn er Böses tut, können wir seine Handlungen nachvollziehen und bis zu einem gewissen Grad sogar Mitleid für ihn empfinden.

Um einen Antagonisten zu erschaffen, der es wirklich in sich hat, sollte man folgendes beachten.
-niemand ist böse auf die Welt gekommen. Es sind stets die Ereignisse oder die äußeren Umstände, die einen Menschen verändern. Anakin Skywalker aus Star Wars zeigte zwar schon als Padawan, dass er zum Mord bereit ist, doch  erst der Glaube jene retten zu können die er liebt, brachte ihn auf die dunkle Seite. Aus der Lebensgeschichte des Antagonisten sollte also klar hervorgehen, warum er zum Mörder, Betrüger oder rücksichtslosen Schurken geworden ist.
- manchmal wird ein Charakter unfreiwillig in die Rolle des Antagonisten gedrängt. Severus Snape musste auf Dumbledores Anweisung als Doppelagent fungieren und durfte seine Tarnung bis zum Schluss nicht aufgeben. Er wurde dadurch notgedrungen zum Mörder und ließ weitere Morde geschehen. Er tat dies aus jedoch aus Liebe und zur Wiedergutmachung an Lily Potter.

-  der Antagonist benötigt ein Ziel, das ihn antreibt. Dem Leser muss klar werden, warum er tut was er tut.  Dabei ist es auch interessant zu erfahren wie der Antagonist seine Gräueltaten vor sich selbst rechtfertigt.  Frankensteins Monster war entgegen seines Äußeren nicht von boshafter Natur.  Erst als ihm sein Schöpfer eine Gefährtin verweigerte, tötete die Kreatur aus Ärger darüber, für immer ein Ausgestoßener bleiben zu müssen, Frankensteins Braut.
- der Antagonist sollte seine Schwächen wie zum Beispiel Feigheit mit anderen Eigenschaften wie Schlauheit kompensieren. Wenn er sich nicht traut,  dem Protagonisten direkt gegenüber zu treten, muss er sich einer List bedienen, um seinen Feind in die Falle zu locken. Gollum aus der Herr der Ringe hatte geschworen Frodo nichts anzutun. Da er den Ring trotzdem wieder in seinen Besitz bringen wollte,  führte er den ahnungslosen Hobbit in eine Höhle, in der eine riesige Spinne auf ihn lauerte.
-ein Bösewicht muss nicht immer der Antagonist der Geschichte sein. Manchmal ist er auch der Protagonist. Captain Ahab aus Mobby Dick ist eindeutig ein Fanatiker. Seine persönliche Rache an einem Wal, gefährdet die ganze Mannschaft. Sein Gegenspieler ist ein guter Steuermann, der die Gefahr erkennt und Ahab zur Vernunft bringen möchte.
Es gibt viele weitere Möglichkeiten einen Antagonisten in Erscheinung treten zu lassen. Darüber hinaus sollte man jedoch nicht vergessen, den Protagonisten ebenso interessant zu gestalten.

Kommentare:

  1. Hey ihr lieben vom Schreibnacht Magazin,

    das ist ein toller Artikel, der einem nochmal in Erinnerung ruft, dass auch ein Bösewicht wie der Lieblingscharakter ausgearbeitet werden muss. Mein Problem ist dabei nur immer, dass ich dann auch zu viel Sympathie für den Bösewicht entwickle und dann schon bald wieder einen neuen Schurken brauche. :D

    Ganz liebe Grüße <3
    Kim von allthesespecialwords

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    1. Hallo Kim,

      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Ich glaube, dass die meisten von uns eine Schwäche für den Antagonisten haben. Und es ist sogar förderlich, wenn uns "der böse Bube" am Herzen liegt. Er muss nicht den Teufel personifizieren, um den Protagonisten das Leben schwer zu machen.
      Er verfolgt lediglich ein anderes Ziel. Du als Autor darfst entscheiden, ob du damit sympathisierst oder nicht.

      Wenn Du doch einen Schurken für deine Geschichte brauchst, lass dich nicht davon abhalten. Lord Voldemort ist zweifellos böse und hat trotzdem viele Fans - oder zumindest Leser, die ihn interessant finden ;-)

      Viele Grüße
      Christina

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