Gastbeitrag | Phantastische Wesen & Völker: Von den Elfen

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Unknown | 27 Oktober 2014 |
Jeder kennt sie und aus der Fantasyliteratur sind sie nicht wegzudenken, unsere spitzohrigen Freunde, die Elfen. Ich werde in diesem Artikel nicht über die Ursprünge der Elfen in den Sagen eingehen und auch nicht in das Klagelied einstimmen, dass „Tolkien aus der Edda abgeschrieben hat und alle anderen Fantasyautoren von ihm“ und auch nicht, ob jetzt „Elfen“ oder „Elben“ der korrekte Terminus für die zarten Jungs und Mädels mit den schnellen Bögen sind. Im ersten Teil werde ich den „Ist-Zustand“der Elfen in der Fantasy beschreiben. Natürlich kann ich nicht die Elfen aus jedem Fantasysystem beschreiben, aber ich werde versuchen eine Idee von dem Spektrum an verschiedenen Elfenarten zu geben. Im zweiten Teil werde ich dann die Elfen literaturtheoretisch behandeln und davon ausgehend Punkte aufzeigen, die beim Umgang mit Elfen in der Literatur problematisch sein können.

Typologie
Grundsätzlich begegnen einem drei verschiedene Archetypen von Elfen in Fantasywelten. Hoch-/Licht-/Grauelfen (im Folgenden werde ich sie Hochelfen nennen), Waldelfen und Dunkelelfen.
Die Hochelfen verkörpern die edlen und oftmals arroganten Elfen. Sie leben in kunstvollen Häusern und Türmen, laufen im reinsten Weiß rum und üben sich den ganzen Tag in Poesie und Kunst. Sie sind natürlich in allem perfekt und anderen überlegen, das zählt auch für den Kampf. Bekannte Vertreter sind hier die Hochelfen aus Warhammer, die Grauelfen aus Dungeons & Dragons (Im Folgenden D&D). Im Herrn der Ringe wird dieser Typus Elf durch Elrond bzw. die Elfen in Bruchtal und den Grauen Anfurten verkörpert. Im Gegensatz zu den Dunkelelfen verhalten sie sich gegenüber den „niederen“ Völkern nicht grausam, aber gehen gegen diese oft aus „rationalen“ Gründen vor, zumindest aus ihrer Sicht ;) („Wir müssen euch vernichten, weil ihr unbedacht handelt und damit alles Leben gefährdet usw.“)

In einigen Systemen sind die jeweiligen hochelfischen Kulturen schon untergegangen, aber die Ruinen und Artefakte von ihnen noch heiß begehrt. In „Das Schwarze Auge“ (Im Folgenden DSA) sind beispielsweise die Waldelfen degenerierte Hochelfen.

Die Waldelfen sind (Wer hätte es gedacht?) sehr naturverbunden. Sie sind oft existenziell mit der Umgebung verbunden in der sie leben und führen eine symbiotische Beziehung mit ihrer Umwelt. Man denke hier beispielsweise an die „Baumsänger“ in Eragon, die mit den Bäumen kommunizieren, um diese dazu zu bringen in bestimmte Formen wie Wohnhäuser oder Hallen zu wachsen. Ihr Ziel ist es meistens Harmonie und Eintracht zu erreichen und logischerweise ihre Wälder zu verteidigen. Dabei sind sie zwar meistens nicht so offensiv aggressiv wie die Hochelfen und greifen von selbst weit entfernte Gebiete an, aber ballern mit ihren Pfeilen alles weg, was unangemeldet ihren Wald betritt. Dabei benutzen sie vornehmlich den Bogen, stellen aber auch Fallen und kämpfen mit Wildtieren und Baumgeistern zusammen gegen Eindringlinge. Typische Vertreter sind hier Legolas und seine Boys aus dem Düsterwald und die Waldelfen aus Warhammer und DSA.

Kommen wir zu meinen persönlichen Lieblingen, den Dunkelelfen. Ich beziehe mich hier rein auf den Charakter und nicht das aussehen, so haben die Nachtelfen aus Warcraft zwar den Namen und eine dunkle Haut, müssen aber den Waldelfen zugeordnet werden. Dunkelelfen gieren nach Macht und suchen ihre Perfektion im Schmerzenzufügen und dem Töten von anderen. Gewalt ist für sie nicht nur Mittel zum Zweck, sondern auch Passion, die sie zur Perfektion treiben wollen. Dabei sind sie oft so dekonstruktiv, dass sie sich untereinander selbst bekämpfen. In Warhammer sind sie Gegenpol zu den anderen Elfenarten zu sehen und verkörpern nur die Überbetonung eines Aspektes, der in jedem Elfen steckt. In manchen Systemen sind es auch nur verzauberte oder besessene Elfen. In Warhammer 40K ernähren sich die „Dark Eldar“ beispielsweise von den Schmerzen ihrer Opfer. Bekannte Vertreter sind die „Drow“ und die „Druchii“ aus Warhammer.

Es gibt immer wieder Mischformen in der Fantasy, so sind die Blutelfen aus Warcraft eine Mischung aus Hoch- und Dunkelelfen. Zudem sind in einigen System auch Elfen einfach nur leicht veränderte Menschen, vor allem charakterlich gesehen. In Shadowrun sind Elfen einfach verwandelte Menschen.

Literaturtheoretische Deutung
Nun stellt sich die Frage, warum Elfen so beliebt sind und immer wieder vorkommen. Meine persönliche Meinung ist, dass Elfen für den menschlichen Leser eine Projektionsfläche für ein Streben nach Perfektion bieten. Darum wird ihnen auch oft das Attribut „natürlich unsterblich“ verliehen, weil es die Erklärung für ihre Fähigkeit zur Perfektion bildet (Weil sie eben so viel Zeit haben) und gleichzeitig den Leser auch beruhigt (Wenn ich so alt werden würde, könnte ich auch so tolle Bilder malen). In den Waldelfen, die auch am beliebtesten von allen Elfen zu sein scheinen, kann man zusätzlich auch das Verlangen nach Natur und ihrer Mystik des modernen Menschen in einer Industrienation sehen.

Warum ist es wichtig, sich darüber Gedanken zu machen? Wenn man sich dazu entscheidet Elfen in seine Geschichte einzubauen oder sogar als Protagonisten zu verwenden, ist das meiner Meinung nach ein großes Wagnis und man sollte sich sehr genau überlegen, wie man sie darstellt und wie die Wünsche der Leser liegen könnten, die man verzaubern will.

Problemstellung bei der Verwendung von Elfen im eigenen Text
Kommen wir nun zu den Elfenproblematiken in der Literatur. Erstens gibt es eine große Anzahl an Elfenhassern, da kann man nicht viel machen, außer vielleicht Klischees zu vermeiden, aber bestimmte Klischees gehören nun einmal zu den Elfen und wenn man die unbedingt umgehen möchte, sollte man sich wirklich Fragen, ob man sie wirklich in seiner Geschichte haben möchte. Der nächste Punkt ist das Verhalten. Man hat es hier mit Wesenheiten zu tun, die mindestens hunderte Jahre alt sind, das sollte man im Hinterkopf haben und sie vielleicht nicht unbedingt wie pubertierende Teenager auftreten lassen. Zudem sollte man sich bemühen ihnen einen fremdartigen, unmenschlichen Charakter und Intelligenz zu verleihen, sonst hat man nur alte Menschen, die jung aussehen und spitze Ohren haben. An dieser Stelle will ich noch auf das „Stereotypenproblem“ eingehen, dass aber alle nicht menschlichen Fantasyvölker haben. Alle Elfen und Zwerge sind so und so... Das finde ich persönlich sehr langweilig und schade. Wenn man nicht unbedingt eine Rasse mit kollektivem Schwarmbewusstsein hat, sollte man sich um verschiedenartige Charaktere bemühen. Man sollte sich hier klar abstecken, welches charakterliche Potential eine Rasse hat aufgrund ihrer Kultur und Physis, aber innerhalb davon die Grenzen ausreizen. Warum nicht mal einen diebischen, unehrenhaften Hochelfen kreieren oder einen Anhänger einer Philosophie, die den gottgleichen Elfenkönig ablehnt?

Der dritte und für mich wichtigste Punkt, hat etwas mit dem World-Building zu tun. Wenn die Elfen so toll und überlegen sind, warum sind sie dann nicht mehr die dominierende Spezies? Und wenn sie es doch sind, wie sieht dann diese „Elfenwelt“aus?

Wenn die Elfen nicht die dominante Spezies sind, geben Autoren dafür schon oft Gründe an, die mehr oder weniger Stichhaltig sind. Der Klassiker ist, dass sie sich einfach nicht mehr so stark vermehren und die neuen Völker sie überrennen. Nun ist die Frage, warum eine so stolze, tolle Zivilisation solche Entwicklungen nicht schon frühzeitig erstickt hat. Eine andere Erklärung für den Niedergang der Elfen sind gerne selbst- oder fremdindiziierte Katastrophen, das kann man machen, ist aber ein bisschen nach dem Schema „ ..., weil ist halt so“. Ich persönlich halte es für am geschicktesten, wenn man seinen Elfen handfeste Nachteile gibt. Sie können nur in diesem Wald leben, weil so und so, oder sie haben eine Schwäche gegen ein neu aufgetretenes Volk/Naturphänomen.

Das scheint mir viel dramatischer und spannender zu sein, es sei denn, die Elfen sind nicht wichtig in eurer Geschichte, dann aber wieder die Frage: Warum brauche ich sie in meiner Welt?

DER GASTAUTOR: BEN Hi, ich bin der Ben und studiere Germanistik. Mein Traum ist es irgendwann einmal vom Schreiben leben zu können, Mein Baujahr ist 1990 und ich beschäftige mich mit Fantasy und Büchern seitdem ich acht Jahre alt bin, Zum Schreiben bin ich erst relativ spät gekommen, starte jetzt aber um so härter durch, yeah! Ich lese und schreibe so ziemlich jede Genre außer Kinderbücher.
Blog: Cheshirepunks Welt

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