Vertraute Strukturen: Wie Du den Leser in deine Geschichte ziehst

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Christina | 08 November 2014 |
Wenn du anfängst ein neues Buch zu lesen, weißt du in der Regel in welchem Genre die Geschichte spielt. Du hast den Klappentext überflogen und vielleicht sogar ein Probekapitel im Internet aufgestöbert, das dir bei der Kaufentscheidung geholfen hat. Noch bevor du die erste Seite aufschlägst, hoffst du auf einen originellen Plot und vielschichtige Charaktere. Vor allem aber wünschst du dir vertraute Strukturen. Am liebsten liest du nämlich,  was du bereits kennst, auch wenn dir das nicht immer bewusst ist.

Diese immer wieder auftauchenden Strukturen findet man sowohl im Plot als auch in den Charakteren. Die Frage ist lediglich wie du solche Strukturen nutzen kannst und dem Leser trotzdem eine völlig neue Story präsentierst.
Völlig neu ist dabei etwas übertrieben. Denn jede Idee hat es irgendwann schon einmal gegeben. Wichtiger ist, die vertrauten Strukturen originell zu verpacken. Originell bedeutet nichts anderes als dem altbekannten etwas Neues hinzuzufügen.

Nehmen wir als Beispiel den Vampir. Obwohl sich so viele Mythen um ihn ranken, musst du ihn nicht neu erfinden, um über ihn zu schreiben.
 Es wäre sogar falsch einen Vampir so zu entfremden, dass er als solcher nicht mehr zu erkennen ist. Denn jemand, der gerne Vampir-Romane liest, braucht den Mythos um diese Wesen. Das bedeutet nicht, dass du alle Klischees abklappern muss.
Viele möchten die ewige Pflock-durchs-Herz-Geschichte nicht mehr lesen. Andere haben die Nase voll von diesen romantischen Vampiren, die sich ständig verlieben.
Deine Aufgabe als Autor ist es, zu entscheiden, in welchem Genre du deinen Vampir ansiedelst. Indem du das tust, weißt du automatisch, was geht und was nicht. Denn die Anhänger von Liebesromanen wollen tatsächlich nicht auf jeder Seite erschreckt werden…

Du bestimmst  welche vertrauten Merkmale deinem Vampir anhaften und auf welche du lieber verzichten möchtest. Blut saugen geht zum Beispiel immer, egal ob der Vampir Protagonist in einer Horrorstory oder in einem Liebesroman ist.
Damit du aber nicht den x-ten Einheitsvampir schaffst, braucht er ein Alleinstellungsmerkmal. Also eine Eigenschaft, die ihn herausragend macht und ihn von den Vampiren aus anderen Romanen unterscheidet. Das kann eine Kleinigkeit sein wie ein äußeres Merkmal oder eine Stärke/Schwäche, die man einem Vampir nicht zutrauen würde (apropos…. gibt es schon nachtblinde Vampire ?!), oder ein origineller Vampir-Mythos , der eng mit dem Plot verwoben ist.

Womit wir beim nächsten Punkt wären. Der Plot. Jedes Plot-Modell hat seine eigenen Elemente und du kannst es dir leicht machen, indem du einem Modell folgst.
 In der Regel gibt es  gibt zwei Arten von Plotmustern.  Plots, in denen die Entwicklung des Protagonisten voranging ist und Plots in denen das Abenteuer, die Geschichte lenkt. In der sogenannten Heldenreise oder auch Suche, kann man beides miteinander kombinieren. Dieses Plotmodell ist häufig anzutreffen und  fühlt sich deswegen so vertraut an.  

Der Leser mag es, wenn er gleich zu Anfang Zeuge eines Konflikts  wird.  Überleg dir also, wie und wo du ansetzen möchtest. Der Leser ist  in dieser Beziehung gar nicht eigen. Solange die Steine ins rollen kommen und dein Vampir bzw. Protagonist „seine Aufgabe“  findet, folgt er  ihm bereitwillig überall hin (vorausgesetzt natürlich, die Handlung ist plausibel).

Ob du nun eine originelle Story um deinen Vampir geschaffen hast, können dir letztlich nur die Leser sagen. Rezensionen sind voller Lob und Tadel. Auffällig sind dabei die Meinungen derer, die immer wieder das Neue im Vertrauten suchen.
Wer stets vergleicht, ist am Ende enttäuscht. Wer aber unvoreingenommen liest, ist mitunter überrascht, wie ein ausgelutschter Vampir, durch viel Einfallsreichtum, zu neuem Leben erwacht.

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