Phantastische Wesen & Völker: Von den Zwergen

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Cheshirepunk | 14 November 2014 |
Heute komme ich zu den kleinen, starken und trinkfesten Gesell des Fantasy-Genres, den Zwergen. Wenn ich von Zwergen rede meine ich auch genau diese Form von Zwergen und keine Wichtel mit komischen Hüten, wie sie in einem der phantastischen oder Kinderliteratur manchmal auch begegnen. Nein, ich meine die harten Gestalten in ihren Bergen, die dort Felsen klein hauen, sich den Staub mit Starkbier aus ihren Kehlen spülen, auf die verräterischen Spitzohren fluchen und Orks jagen. Im ersten Teil werde ich die beiden Hauptarten von Zwergen vorstellen, die dem geneigten Fantasy-Leser- und -Schreiber so über den Weg laufen können. Anschließend kommt die literaturkritische Betrachtung und abschließend ein paar Hinweise und Ideen zur Verwendung der bärtigen Gesellen in euren Schriftstücken.

Typologie

Es gibt gute und böse Zwerge. Der gute Zwerg ist der schon in der Einleitung beschriebene. Er lebt typischerweise in Bergen, betrinkt sich am liebsten den ganzen Tag und ist gierig nach Edelmetallen und Edelsteinen. Gegenüber anderen Rassen wirkt der gemeine Zwerg oft griesgrämig und aufbrausend, aber das verzeihen sie dem kleinen Trunkenbold gerne - Wissen sie doch, dass er eigentlich ein gutes Herz hat und ein treuer Freund in der Schlacht ist. Dabei kommen die Zwerge oft am besten mit den Menschen aus und mit den Elfen verbindet sie eine freundliche Hassliebe, aber darauf soll zu einem späteren Zeitpunkt noch mehr eingegangen werden. 

Zusätzlich haben diese kleinen Genies auch noch überlegende technisch-handwerkliche Fähigkeiten. Und überhaupt: Wenn sie etwas machen, dann nur richtig und möglichst perfekt, vom Schwert bis zum Bier brauen. Damit ähneln sie sogar in gewisser Weise den Hochelfen. Dabei sind ihre Werke je nach System besser oder schlechter als die der Elfen. In den meisten Fantasy-Welten mögen Zwerge keine Magie oder lehnen sie sogar kategorisch ab. Dazu betreiben die bärtigen Kämpfer einen ausgeprägten Ahnenkult und zelebrieren Eide und Versprechen, was häufig für Zwergen-Charaktere die Motivation ist, aus ihren Bergen hervor zu kommen nach dem Motto: Wir haben versprochen das/die xyz zu beschützen oder die uralte, mächtige Gefahr zu bekämpfen, wenn sie sich wider zeigen sollte.

Im Kampf setzen sie auf schwere Nahkampfwaffen, Armbrüste und schwere Kriegswaffen und natürlich richtig, dicke, fette Rüstungen. Ihr Kampfequipment versehen sie dabei gerne mit Runen, die auch so etwas wie Stärkungsmagie für Träger und/oder das Ausrüstungsteil sind, aber lasst sie das mit der Magie besser nicht hören. Einige der Zwerge leben auch als Söldner, Handwerker oder Händler bei anderen Rassen, meistens in menschlichen Reichen.

Die zweite Art von Zwergen, die seltener Auftritt sind die bösen Zwerge. Meistens handelt es sich hierbei um magisch oder dämonisch korrumpierte Zwerge, seltener um eine wirklich eigenständige Kultur. Wo die guten Zwerge misstrauisch sind, sind die bösen Zwerge hasserfüllt und greifen alles an, was ihnen in die Quere kommt. Sie setzen ihr ganzes Bemühen in das Kriegshandwerk und nutzen oft auch Magie oder dunkle, dämonische Mächte. Ihr Antrieb sind dabei entweder alte Eide, dass sie ein Volk auslöschen wollen, was sie einstmals verraten haben soll oder sie dienen der Erfüllung der Macht, die sie korrumpiert hat. Die beiden bekanntesten Vertreter dieser Art von Zwergen sind die Dunkeleisenzwerge bei Warcraft oder die Chaoszwerge im Warhammer-Universum.

Literaturkritische Bedeutung

Die offensichtlichste Frage ist, warum Zwerge so viel beliebter als Elfen sind, obwohl diese genauso oft, wenn nicht sogar noch mehr, in Fantasy-Welten auftauchen. Es liegt daran, dass Zwerge im Gegensatz zu Elfen Schwächen haben. Sie sind durch ihre Körpergröße eingeschränkt, rachsüchtig und krankhaft gierig nach Reichtümern. Diese Schwächen machen sie uns Menschen relativ ähnlich und vertraut. Außerdem sind sie in den meisten Systemen auf ein geographisches Gebiet, nämlich das Gebirge, beschränkt. Was wiederum auch die Erklärung dafür ist, dass sie trotz ihrer Überlegenheit gegenüber den Menschen auch so selten, tatsächlich kenne ich nur ein System in dem die Zwerge dominierend sind, die überlegende Rasse sind. Dennoch haben sie viele auch sehr gute Eigenschaften, für die man sie bewundern und lieb haben kann. Ihre Verschrobenheit erinnert uns an unsere Großväter, in Schlachten weichen sie nie zurück und sind treue Kameraden, auf die man sich verlassen kann. 

Man sieht, dass Zwerge von Natur aus schon ausbalanciert sind, aber kann das einem modernen Fantasy-Autoren reichen? Ja, kann es, wenn die Zwerge keine Hauptrolle spielen. Jedoch wird der Leser bei einem zweiten griesgrämigen, trinkfreudigen, kauzigen Grimli in einer Gefährtenrolle die Augen verdrehen. Markus Heitz mach in seinen Zwergen-Romanen vor, wie ein guter Zwergen-Protagonist sein kann. Seine Hauptfigur ist ein Zwerg, der bei Menschen aufgewachsen ist. Er muss sich erst in die Geschichte und Kultur der Zwerge integrieren, zeigt Verhaltensweisen die weder typisch menschlich noch zwergisch sind, hat aber dennoch eine völkertypische Affinität zum Schmieden. Seine Gefährten bilden die gesamte Bandbreite der zwergischen Möglichkeiten, vom halb verrückten Slayer bis zum gewissenhaften Handwerker. 

Und darin liegt der Schlüssel: Zwerge sollten auch Individuen sein und nicht alle Klischee-Eigenschaften besitzen. Warum nicht ein Zwerg, der nicht trinkt oder goldgierig ist, weil diese Sucht das Leben eines geliebten Gefährten gekostet hat? Natürlich kann man auch gerne variieren. Zwerge, die in der Wüste leben oder es mit uralten technischen Geräten geschafft haben sich ein Leben am Meeresgrund aufzubauen? Man kann, aber muss nicht das Rad neu erfinden, aber zwergische Hauptcharaktere brauchen, wie jede Hauptfigur, Individualität. 

Kommentare:

  1. Ich stehe solchen Typologien mit gemischten Gefühlen gegenüber. Widerspricht es nicht der Natur der Sache in einem Genre, das sich "Fantasy" nennt, ständig die gleichen Typen von Figuren/Rassen zu nutzen?

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    1. Du hast damit nicht unrecht, aber das hier ist ein Versuch einer Typologie, die den Blick für einen sinnvollen Umgang mit Zwergen in der Literatur geben und auch neue Perspektiven eröffnen soll. Sicherlich kann man neue Rassen selbst entwickeln, aber man kann nicht auch immer das Rad neu erfinden. Immerhin scheinen Zwerge seit Jahrtausenden die Menschen zu beschäftigen und zu unterhalten, warum sollte man dann auf dieses bewährte Konzept dann nicht zurückgreifen? Fast alle Filme und Bücher beruhen noch heute auf der Heldenreise und die ist genauso alt und noch öfter verwendet.

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