4 Gründe, warum Menschen aus der Umgebung bessere Vorbilder sind als Katalogmodels

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Kerstin Middley | 13 März 2015 |
Die Vorbild-Figuren und Helden in unseren Büchern sollen perfekt sein. Wir wollen sie in makelloser Schönheit wie von Gott geküsst auf der Spitze eines hohen Baumes stehen, von allen Sonnenstrahlen angeschienen, während der Rest der Welt im Dunkeln liegt. Übertrieben? Ja vielleicht, aber denkt mal darüber nach, in welches Licht ihr eure Helden stellt. Nicht selten passiert es Autoren, dass sie ihre Figuren zu fehlerlos erscheinen lassen.

1. Jeder macht Fehler

Dieser Satz ist sicher allen ein Begriff. Man kann nicht immer alles richtig machen. Wenn dies so wäre, hätte man nicht gelebt. Woher nimmt ein Allwissender all sein Wissen? Aus seinen Erfahrungen? Welchen Erfahrungen? Es würde für einen fehlerlosen Charakter nicht möglich sein, seine Anhänger durch Sätze wie „Mach dir nichts draus, versuchst du es eben morgen nochmal“, oder „Irren ist menschlich“ zu vertrösten, da er selbst ja im Widerspruch dazu steht. Im Fantasy-Genre gilt das genauso. Auch, wenn man keinen menschlichen Helden hat, muss dieser irgendwelche Makel haben. Das macht ihn sympathisch.

2. Selbstidentifikation

Liest man von einem Menschen, der trotz all der Fehler, die er macht, und seinen psychischen und physischen Defizite, dennoch seinen Träumen nachgeht und immer wieder versucht, diese Fehler nicht zu wiederholen, kann man sich an diesem schon eher identifizieren, oder ihn zumindest als Vorbild nehmen und ihm nacheifern.

3. Gegenüberstellung

Lassen wir mal dem Leser die Wahl zwischen einem scheinbar perfekten Individuum und einem zweiten mit nur mangelnder Schönheit und Intelligenz, das aus Erfahrungen lernt und versucht, immer besser und klüger zu werden. Natürlich werden wohl die meisten Leser dazu tendieren, sich letzteren als Helden auszusuchen.

4. Perfektion ist zu weit her geholt

Ist es überhaupt absehbar, dass ein perfekter Charakter, der so selbstbewusst und willensstark ist, es notwendig hat, schlaue Ratschläge zu erteilen und anderen zu helfen? Lässt sich dahinter wirklich ein Sinn finden? Wenn jemand im Grunde eh schon alles hat, wovon viele andere nur träumen, warum gibt sich diese Über-Person dann noch mit den Problemen ihrer Mitmenschen ab? Will es sich an ihrer Mangelhaftigkeit ergötzen? Vielleicht lieg darin dann im Endeffekt der Fehler. Sie wollen mitteilen, dass sie alles haben und perfekt sind und das macht sie wieder hochnäsig und eingebildet, ergo zu nicht perfekten Wesen.

Mögliche Fehler

Ich dachte, wenn ich euch schon quasi vorschreibe, eure Helden mit Fehlern zu versehen, sollte ich auch ein paar Beispiele auflisten, die kein großes Hintergrundwissen erfordern und leicht anzuwenden und handzuhaben sind.

·         Kleinwuchs: So kann man zum Beispiel einen Helden kleinwüchsig sein lassen. Dieser scheint dadurch als mangelhaft und durch sein trotzdem starkes Auftreten, wird er zum Vorbild – dies kann sich wiederum um Buch entwickeln. Anfangs gehänselt und am Schluss der Held.

·         Kleine Zwangsneurose? Zwangsneurosen haben meist mehrere Hintergründe, sie können in den Genen vorprogrammiert sein, aber erst durch Stress etc. ausgelöst werden. Beispiele für solche Zwangshandlungen können ständiges unbewusstes Schnippen in Stresssituationen sein, oder auch Ordnungswahne, aber auch etwas ganz banales, wie sich alle 20 Minuten die Haare zu kämmen, oder sehr starkes Fingernägel knabbern.

·         Oder einfach mal eine weitere Eigenschaft zur Person: Wir sind im 21. Jahrhundert und die Toleranzlatte liegt mit der Zeit immer höher, warum also nicht mal einen schwulen Helden haben, oder jemanden, der vor ein paar Jahren noch vom anderen Geschlecht war? (Dies sollte man allerdings nicht unbedingt als Fehler an sich, sondern eher als Eigenschaft einstufen)

1 Kommentar:

  1. Sehr interessantes Thema! Fehler machen eine Figur interessant bzw. einfach menschlich. Aber auch hier muss man aufpassen - schnell hat man sich eine Mary Sue gebastelt, deren "Schwächen" durch ihre Superkräfte oder durch andere Figuren relativiert werden.
    Ein Tipp wäre noch, Figuren als eigenständige Persönlichkeiten zu betrachten, und nicht als eine abstrakte Wunschvorstellung von Eigenschaften, die man selbst gerne hätte.

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