Origins oder Superhelden-Biografien für Romanautoren - Teil 1

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Thomas Williams | 02 März 2015 |
Seit meiner Kindheit bin ich begeisterter Comicleser und als in der Schreibnachtmagazin-Gruppe auf Facebook den Artikel "Origins oder Superhelden-Biografien für Romanautoren" sah, habe ich mich sofort draufgestürzt, ihn an mich gedrückt und geschrien: "Meins! MEEEEINS!"
Und dann hab ich gedacht: "Verdammt, was schreibe ich denn überhaupt dazu?"

Auf den ersten Blick erscheint dem einen oder anderen, der nichts mit Superhelden anfangen kann dieser Text vielleicht unnütz, aber ihr werdet merken, dass ihr von altbekannten Figuren wie Superman, Batman, Spider-Man und Co. ein klein wenig für eure Figuren lernen könnt.

Nehmen wir Superman. Der mächtigste Superheld von allen, für viele der Langweiler schlechthin und keiner schnallt, dass er Clark Kent ohne Brille ist. Aber wie muss sich ein übermächtiges Wesen, das einzige seiner Art (Abgesehen von einer handvoll Kryptonier, die hier und da mal auftauchen) zwischen all den Normalsterblichen fühlen? Er kann Dinge, die andere nicht können, hat das Gefühl die Last der Welt auf seinen Schultern tragen zu müssen und egal wie mächtig er ist, es wird ihm nie gelingen immer alles und jeden zu retten. Superman ist bei weitem nicht so perfekt wie viele denken und das macht ihn meiner Meinung nach so interessant. Er hat all diese Kräfte und ist trotzdem nicht immer Herr der Lage. Viel zu selten wird erwähnt, dass er langsamer altert als alle anderen und die Menschen um ihn herum sterben werden, während er immer weiter lebt. Ein ähnliches Problem hat Wolverine, dem seine Selbstheilungskräfte bei jedem Cliffhanger den Allerwertesten retten. Tragisch, aber wahr. Aber auch egal, denn schließlich altert in Comics niemand so wirklich. Aber vielleicht inspiriert euch das schon mal ein wenig.

Oder nehmen wir Spider-Man und Batman. Wie so viele andere auch, erleiden beide schwere Schicksalsschläge, die sie zu Helden machen. Bruce Waynes Eltern werden vor seinen Augen erschossen. Ein Trauma, das ihn niemals los lassen wird und ihn zum dunklen Rächer mutieren lässt. Er versucht dieses Trauma zu verarbeiten indem er für Angst und Schrecken unter den Verbrechern sorgt.
Peter Parker versucht mit seinen Kräften zuerst Geld als Wrestler zu machen und seine Überheblichkeit kostet seinem Onkel, der ihn zusammen mit seiner Tante groß zog, das Leben. Besonders interessant fand ich immer, dass Peter Parker in seiner Jugend nicht besonders beliebt war, aber Spider-Man schon. Peters schlimmster Schulfeind Flash Thompson war gleichzeitig Spider-Mans größter Fan.
Und auch Spider-Man ist nichtg perfekt, sondern hat Probleme wie jeder andere Mensch auch. Die Leser können sich immer wieder mit ihm vergleichen, wenn ihm das Geld ausgeht, seine Beziehung zerbricht oder er dafür verantwortlich ist, dass halb New York von einem schwarzen Loch verschlungen wird. Hey, sag nicht, das wäre dir noch nie passiert!

Superhelden können noch so mächtig sein, sie haben immer Schwächen und menschliche Probleme, die uns bekannt vorkommen. Ihre Kräfte sind oft Segen und Fluch zugleich.
Sobald der Held sie hat, muss er sich entscheiden, was er damit anfängt. Soll er wirklich sein Leben riskieren, um andere zu retten? Oder lieber versuchen damit Geld zu klauen und sich alles zu nehmen, was er schon immer haben wollte?
Wie unsere Romanfiguren müssen sie Entscheidungen treffen, welchen Weg sie gehen werden.
Sie wachsen mit ihren Herausforderungen, werden im Laufe der Geschichte immer stärker und selbstbewusster. Zu Beginn machen sie noch Fehler, aus denen sie lernen und stecken immer wieder Schicksalsschläge ein, doch am Ende blicken sie nach vorne.
(Oder sie sterben und erwachen in Jahr später wieder zum Leben. Das ist in den Comics inzwischen Gang und Gäbe.)

Sie sind nicht die besten, in dem was sie tun. Egal von wie viel Leuten sie gefeiert werden, sie haben immer ein gewisses Gefühl der Unsicherheit und Angst in sich. Das sind Eigenschaften, die auch Romanfiguren haben sollten, um sie menschlich wirken zu lassen, denn dann identifizieren sich eure Leser mit ihnen und es macht die Figuren sympathischer.

Wenn ich euch neugierig gemacht habe, solltet ihr euch nach Sammelbänden mit den Anfängen von Superhelden umsehen, oder ihr schaut euch einen der vielen Filme an. Ihr werdet sehen, dass keine Figur von Geburt an ein Held ist. Sie bringt Eigenschaften mit, aber es gibt da immer diesen Wendepunkt im Leben, an dem sie sich entscheidet, was zu tun ist. Und damit beginnt für sie das eigentliche Abenteuer.  

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