Über die phantastischen Wesen | Von den Orks

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Cheshirepunk | 18 März 2015 |

In diesem Artikel beleuchte ich eines meiner Lieblingsfantasyvölker: Die Orks! Kein Volk aus der klassischen Fantasywelt ist so vielfältig und hat in den letzten Jahren eine so starke Veränderung erlebt wie diese – meistens – wilden Kerle.

Grob kann man zwei Arten von Orks unterscheiden. Wir haben auf der einen Seite den klassischen, von Natur aus bösen Ork, der nicht mehr als ein hirnloser Widersacher zum Dahinschlachten ist, und den „modernen“ Ork, der von Gesinnung her alles von gutartig bis boshaft sein kann und somit ein Gegenstück zum Menschen in der Fantasy bildet. Erste Variante findet sich zum Beispiel im Herrn der Ringe und im Warhammer-Universum. Die zweite Variante ist um einiges jünger und wurde vor allem durch das Warcraft-Universum bekannt.

Zu dem klassisch bösen Ork muss man wohl nichts sagen. Entweder sind es Orks, die in irgendeiner Form besessen oder verzaubert sind, oder direkt von einer bösen Macht für ihre Zwecke gezüchtet wurden. Sicherlich hat diese Spielart der Orks seinen Sinn in der Literatur, aber ich halte sie für nicht besonders spannend, da sie dem Autor nicht viel Spielraum in der Charaktergestaltung bieten und auch keine Überraschungen mit sich bringen. Meiner Meinung nach eignet sich diese Gattung mittlerweile besonders für Parodien.

Die zweite Spielart finde ich da schon wesentlich interessanter. Hier sind Orks auch eine relativ einfache, kulturschaffende Spezies, die sich nur durch eine relativ hohe Aggressivität und eine gute Fortpflanzungsquote auszeichnet – übrigens genauso wie die typischen Menschen in Fantasywelten, mit diesen und anderen Völkern geraten sie nur aus politischen oder geostrategischen Gründen aneinander, sind aber nicht an sich bösartig oder sagen wir zumindest nicht bösartiger als andere Völker ;)

In dieser Funktion eignen sich diese Orks besonders, um ein wenig versteckte politische Aussagen über uns Menschen zu treffen. Die Orks werden nämlich in solchen System oft einfach nur deswegen bekämpft oder ausgeschlossen, weil sie anders aussehen und/oder eine andere Lebensweise haben, was wir natürlich überhaupt nicht aus dem Umgang der Menschen untereinander in der realen Welt kennen ;)

Aber auch wenn man diese politischen Aussagen nicht haben möchte, lohnen sich dennoch diese Orks, da sie hervorragende und vielschichtige Charaktere abgeben – meiner Meinung nach wesentlich bessere als beispielsweise Elfen und Zwerge.

Jetzt stellt sich natürlich die berechtigte Frage, was einen Ork, mal abgesehen vom Äußeren, von einem Menschen dann noch unterscheidet: Selbstverständlich kann jeder seine Orks so Gestalten, wie er oder sie möchte, aber in den verschiedenen Fantasywelten haben sich ein paar Merkmale  herausgebildet, die für die Orks typisch geworden sind. Orks haben dort ein etwas einfacheres und direkteres Wesen, sind zudem oft noch sehr naturverbunden und eher kriegerisch verlangt. Von hier aus kann man das relativ bekannte Schema der industriell- und effizienzorientierten Menschen und Zwerge gegen die naturverbundenen Orks aufbauen, die ihre Heimat um jeden Preis schützen und nicht in die seelenlosen „Steinhäuser“ der Menschen ziehen wollen.

Wie immer fordere ich auch dazu auf, mit den Klischees zu brechen und dreidimensionale Charaktere zu bauen. Eine pazifistische Orksekte? Verrückte Orkmagier, die mit den Kräften der Natur Fabriken betreiben, um die schwachen, menschlichen Maschinen zu übertrumpfen? Der gesellschaftlich gefallene Orkkrieger, der seine Familie verloren hat und jetzt seinen Kummer in Alkohol ersäuft und nur noch den Tod in der Schlacht sucht, aber dann ein kleines, unschuldiges Menschenmädchen rettet und aufzieht? - All das wäre super Aufhänger, um Orks in eure Geschichten zu integrieren, vielleicht sogar zu euren Protagonisten zu machen.

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