Szenen-Guide: Wie schreibe ich richtig gute, spannende Kampfszenen?

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Tinka Beere | 16 März 2015 |

In vielen Geschichten bleibt es nicht aus: Man muss Szenen schreiben, in denen gekämpft wird. Damit meine ich nicht nur die epischen Schlachten im Herrn der Ringe. Es gibt auch kleine Kämpfe; die zwischen Brüdern auf dem Hof, die zwischen zwei Männern um eine Frau oder das Opfer, das seinen Mörder abwehren will.

Kampfszenen – muss ich sie schreiben?

Wenn du nicht sicher bist, ob du eine Kampfszene schreiben musst, dann stell dir folgende Frage: Ist die Szene wichtig für den Fortgang der Handlung? Brauche ich sie, um Figuren zu charakterisieren? Womöglich wechselt der Freund im Kampf die Seiten. Wahrscheinlich gibt es Charaktere, die im Kampf sterben. Zeig den Lesern, wie sie sterben , dann musst du es nicht hinterher erzählen (Show Don't Tell). So können deine Leser auch viel besser mitleiden und dem Ausgang des Kampfes entgegen bangen.

Bedenke dabei: Jede Szene muss die Handlung vorantreiben und einen Konflikt enthalten. Welche Szenen enthalten mehr Konflikte als Kampfszenen? In einem Kampf steht etwas auf dem Spiel. Nutze dieses Mittel der Spannung, dann kann dein Leser das Buch gar nicht mehr zuschlagen.

Wichtig ist also der Grund des Kampfes. Es muss etwas sein, dass existenziell ist: Das Leben, Nahrung, ein Ring – je nach Geschichte kann es etwas scheinbar banales sein, was durch den Plot und das Ziel der Prota- und Antagonisten/ der Charaktere an Bedeutung gewinnt.

Wo wir auch schon bei den Charakteren sind: Wer kämpft gegeneinander? Es ist einfacher sich auf zwei wichtige Kämpfer zu konzentrieren, als das Schlachtfeld „von oben“ zu betrachten und alles beschreiben zu wollen.

In welchem Zustand befinden sich die beiden? Sind sie schon verletzt, weil es nicht der erste Kampf in dieser Schlacht ist? Sind sie gerade aus dem Bett gefallen und noch schlaftrunken oder gibt es eine Kneipenschlägerei und sie sind wirklich betrunken? Sind sie trainiert, haben Kampferfahrung?

Deine Perspektivfigur in der Kampfszene (muss nicht gleich der Protagonist des Romans sein) ist unwahrscheinlich ein Ninjakämpfer, der jeden Schlag schon Minuten im Voraus erahnt. Lass ihn schwächeln, daneben treten und stolpern. Das macht ihn zwar angreifbar, aber der Leser merkt: „Oh, das hier ist keine einfache Sache.“ Und auch der Antagonist muss nicht übermächtig sein. Gut, er sollte nicht in der ersten Begegnung mit deinem Protagonisten fallen, aber die ein oder andere Wunde kann ihm schon zugefügt werden. Vielleicht unterschätzt er seinen Gegner. Das macht die Wut des Antagonisten im finalen Kampf vielleicht größer. Auch der Leser weiß, die Rache ist dem Helden gewiss. Eine Narbe von seinem Feind lässt sich auch nicht jeder gefallen.

Gut, die beiden stehen sich nun gegenüber. Wie kämpfen sie? Es ist unwahrscheinlich, dass sie bis an die Zähne bewaffnet sind, es sei denn, sie ziehen bewusst in einen Kampf. Doch auch dort kann man seine Waffe verlieren oder sie kann zerstört werden. Und nun? Einfach so eine Waffe auftauchen lassen ist nicht sehr befriedigend für den Leser. Lass deinen Prota über einen Stein oder eine Wurzel stolpern, die er dann später gebrauchen kann. Führe Hilfsmittel schon früh und nahezu unbemerkt ein und lass die Umgebung nicht außer acht.

Und wo kämpfen sie? Der Ort kann auch sehr ausschlaggebend für die Hilfsmittel sein. In einer Kneipe stehen wahrscheinlich einige Flaschen und Gläser herum. Man kann sich gegenseitig Gäste zustoßen, um den anderen zu verwirren, Stühle und Tische werfen, Messer und Gabeln schleudern. Erst das Umfeld macht den Kampf so richtig interessant.

Die nächste wichtige Frage ist, wie geht der Kampf aus? Ich erinnere mich noch genau daran, wie im letzten Hobbitteil liebgewonnene Charaktere im Kampf starben. Es ist seltsam, wenn niemand in einem Kampf stirbt oder verwundet wird. Vielleicht erwischt es den Protagonisten, vielleicht nur eine Nebenrolle. Wenn dieser Tod wichtig ist, dann unbedingt „die Kamera draufhalten“.

Die Feinheiten

Genau wie in jeder anderen Szene ist es wichtig, den Leser mitfühlen zu lassen. Sei ganz nah bei deinem Charakter - wechsle nicht in jedem Absatz die Perspektive. Was denkt der Charakter, was fühlt er? Beschreibe mit allen Sinnen (sehen, hören, riechen, fühlen, schmecken). Versetze dich in deinen Charakter hinein. Stell dir vor, du findest dich plötzlich in so einer Szene wieder, das Adrenalin rauscht und du fokussierst deine ganze Aufmerksamkeit auf den Gegner. Du willst auch noch jede kleinste Bewegung wahrnehmen. Doch trotzdem passiert etwas um die beiden Fokuskämpfer herum. Plötzlich fliegt vielleicht ein abgehackter Kopf zwischen den Kämpfern hindurch – beide sind kurz verwirrt, keiner weiß, woher dieser kommt – und dann geht es weiter.

Ein weiterer Punkt ist das Tempo. In einem Kampf passiert viel und vieles passiert schnell. Versuche die Eindrücke so gut wie möglich wiederzugeben. Versetze dich in deine Figuren hinein. Hat er überhaupt die Gelegenheit sich großartig Gedanken über das was er tut zu machen? Wahrscheinlich wird er die Schreie, die er zuerst noch hörte, nach und nach unbewusst ausblenden, um sich nicht ablenken zu lassen. Konzentriere dich auf das Wichtige. Eine Kampfszene kann nicht unendlich lang sein: Stell dir vor, ein 450 Seiten Roman enthält 400 Seiten Kampfszenen – dein Leser würde einen Herzinfarkt bekommen; wenn du gut bist. Doch wahrscheinlich legt er das Buch schnell wieder aus der Hand. Auf eine Kampfszene sollte mindestens eine sanftere Szene folgen – auch in actiongeladenen Geschichten.

Hilfreich sind auch knappe Sätze ohne viele Füllwörter, die den Lesefluss hemmen. Nicht beendete Sätze können den Eindruck der Geschwindigkeit noch verstärken. Du kannst auch mit dem Tempus spielen: Präsens kann das Erleben des Kampfes noch unmittelbarer machen, auch wenn diese Zeitform im Gegensatz zum Rest der Geschichte steht. Vermeiden solltest du lang konstruierte Zeitformen.

Hilfen

Vielleicht hilft dir Musik zum Schreiben. Du kannst dir eine Playlist mit Musik zusammenstellen, die dich zu Kampfszenen inspiriert. Besonders hilfreich finde ich Filmmusik, speziell die zu Schlachten oder Kämpfen. Da schwingt so viel Energie und Power mit.

Eine andere Möglichkeit ist, sich Bücher mit Kampfszenen herauszusuchen und diese Textstellen besonders aufmerksam zu lesen. Wie beschreibt der Autor die Handlung, womit kämpfen die Figuren und wie führt er diese Gegenstände ein? Wie wird die Umgebung beschrieben? Sind die Sätze kurz oder eher lang, gibt es Dialoge?

Natürlich sollte man sich auch möglichst professionell mit verschiedene Waffen oder Kampftechniken auseinandersetzen, zum Beispiel in Foren, Fachhandbüchern oder persönlich mit Menschen, die bestimmte Kampfkünste ausüben, wenn man sich nicht den Kritiken von sogenannten Experten aussetzen möchte.

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