Hast Du mal kurz Zeit? Gedanken einer vermeintlich zeitgeplagten Person

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Patricia Bellasie | 15 April 2015 |

Meine Antwort auf die oben gestellte Frage: NEIN!

Wie sollte ich denn auch, wenn ich Vollzeit arbeite, eine berufliche Weiterbildung absolviere, nebenbei studiere, noch hier und da einen Beitrag fürs Schreibnacht-Magazin aufs virtuelle Blatt Papier bringe, Wäsche mache, schlafe, esse und und und? Nach dieser Auflistung erscheint mir meine Antwort als eine logische und vernunftbasierte Schlussfolgerung. Ich sehe mich bestätigt.

Dennoch ertappe ich mich dabei, wie ich im 10-Minuten-Takt die Statusmeldungen auf Facebook aktualisiere, über die Profile anderer Indie-Autoren husche, ihre Bücher auf Amazon suche, einige Rezensionen dazu lese, mir witzige Fotos anschaue und es schaffe, Staffeln von Breaking Bad und Doctor Who zu verschlingen usw. 

Wie geht das? Habe ich nun Zeit oder habe ich keine Zeit?

Was dieses Phänomen angeht, habe ich schon einige Bücher gelesen, im Internet nach Gleichgesinnten gesucht, um anschließend in purer Selbstverzweiflung zu versinken, weil ich merke, dass alle anderen Leute so viel besser mit diesem von Menschen geschaffenen und doch nie durch diesen verstandenen Konstrukt umgehen als ich.

Dabei halte ich mich an deren gut gemeinte Ratschläge: Ich lerne in der Mittagspause, lege mir Stundenpläne an, probiere jeden Tipp aus und fühle ich mich dadurch gehetzt und zeitlos.

Manchmal, wenn ich mich morgens im Bad fertig mache, um viertel vor Acht auf die Uhr blicke, die an meinem Handgelenk glitzert, dann noch ein paar Kleinigkeiten erledige und mich wenig später in mein kaltes Auto setze, um dort festzustellen, dass in den gefühlten fünf Minuten das Dreifache an Zeit verstrichen ist – ja, dann frage ich mich, ob ich auf dem Weg zum Auto in ein Zeitloch gerutscht bin.

Dreht sich der Sekundenzeiger schneller, wenn man im Stress ist oder Spaß hat? Ich verstehe es nicht.

Aber es gibt auch die anderen Tage. Tage, in denen ich meinen Mitmenschen erzähle, was ich alles so mache und diese mich daraufhin für mein gutes Zeitmanagement loben. Ich bedanke mich, obwohl ich gleichzeitig deren Urteilsvermögen anzweifle: Ich und gut organisiert? Von wegen!

Oft schäme ich mich auch für mein schlechtes Zeitmanagement: Ich veröffentliche, hole das Buch wieder vom Markt. Ich poste, dass alles besser wird und dann kommt wieder etwas dazwischen und ich möchte mich am liebsten irgendwo verkriechen. Was sollen die anderen bloß von mir denken? Manchmal akzeptiere ich aber auch, dass das Ganze nicht so einfach ist, wie man es sich in der Theorie vorstellt: Zeitfresser sollen eliminiert werden, jede Minute und Sekunde sollen effizient genutzt werden -  doch, wo bleibt da die eigene Lebensqualität, wenn man nur so von einer Aufgabe zur nächsten hüpft? Ich muss mich auch erholen und mein Gehirn offline stellen.

Es ist wichtig, die eigenen Ziele zu erreichen, aber man sollte auch in der Lage sein, Prioritäten zu setzen und Abstriche zu machen. Man kann nicht alles gleichzeitig umsetzen. Natürlich würde ich mich liebend gern nur ums Schreiben kümmern, diese ganze Ideen und die fremden Welten – ich liebe es.

Aber es geht einfach nicht – also begrenze ich mich derzeit darauf, Ideen festzuhalten und mir diese für mein späteres Ich aufzuheben.

Mit diesem Artikel mache ich hiermit ein Zugeständnis darüber, dass ich nicht so gut organisiert bin, wie ich es womöglich gern hätte und hoffe, dass sich vielleicht der ein oder andere finden wird, der nun erleichtert ausatmet, weil er weiß, dass er mit diesem Problem nicht alleine dasteht.

Kommentare:

  1. Oh ja, Patricia - ich finde mich in deinen Worten wieder! :)
    Ich habe angefangen, mir für jeden Tag To-Do-Listen zu machen. Dadurch hatte ich Montag den vollgepacktesten Tag des bisherigen Jahres und hatte Dienstag die schlechteste Laune des bisherigen Jahres.
    :D

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    1. Hey Jenny,
      das mit dem Stundenplan ist auch wirklich eine Typ-Sache. Ich fand auch, dass man sich dadurch ziemlich gehetzt fühlt. Ich persönlich nutze sehr gerne To-Do-Listen, da man etwas flexibler ist. Aber vorsicht! Neben dem bösen Zeitmonster gibt es auch noch den inneren Schweinehund. So habe ich bspw. nun über eine Woche gebraucht, um dir zu antworten. Die Zeit fliegt davon und der innere Schweinehund grinst sich einen ab. PAH! xD

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  2. Liebe Patricia! Du bist wirklich NICHT alleine. Mein Zeitmanagement ist Katastrophal. Manchmal, wenn ich keine Schule habe, arbeite ich bis 4 Uhr in der Nacht und schlafe dann dem entsprechend nur ein paar Stunden.
    Manchmal plane ich Zeit für etwas ein und meistens brauche ich 100x länger, als gedacht. Ich will jede Woche einen Blog-Post machen - Pustekuchen! Ich habe mir dieses Jahr fest vorgenommen, anständig für das Abitur zu lernen, nen Plan zu machen und weniger YouTube Videos zu sehen. Und obwohl ich nicht ganz undiszipliniert an die Sache herangegangen bin, ist es doch am Ende beim Alten geblieben ;-)
    Natürlich könnte ich die 30 Minuten, die es braucht um eine Folge meiner Lieblingsserie zu sehen, dafür verwenden, um ein Banner zu machen oder auf Bildersuche zu gehen. Aber wie du schon sagst, es gehört dazu. Und am Ende arbeitet mal viel mehr, als jemand von einem erwarten kann, da dürfen dann auch mal ein paar verschobene Termine und die vergessene Zeit dazugehören. ♥

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    1. Oh Cassy, bis 4 Uhr?? WOW. Ich bewundere dich für dein Durchhaltevermögen. Ich bin da vielmehr ein Dornröschen. Schlafen, schlafen, schlafen (Im Übrigen werde ich in meinem nächsten Leben eine Miezekatze :))) Naja, dadurch hab ich sogar die Schreibnacht verschlafen und zwar nicht irgendeine, sondern die Jubiläumsnacht. Ich könnte mir immer noch dafür in den Arsch beißen. Nur "kurz" hinlegen - größte Lüge ever. Aber ich bin mir sicher, dass du das mit dem Abi auf jeden Fall packen wirst. Letztendlich fängt man doch eh erst auf den letzten Drücker an zu lernen ^^ Ich drücke dir jedenfalls ganz fest die Daumen :)))

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  3. Man Zeit für alles, wofür man sich Zeit einräumt und wenn man sich unter Druck fühlt, ständig auf sozialen Netzwerken herumzutreiben, nur aus Angst etwas zu verlassen... Ich teste ja gerade Twitter aus, erst seit ein paar Wochen, es ist aber jetzt schon der pure Wahnsinn. Die Hölle. Ich wünschte, ich hätte kein Smartphone, wünschte, ich wäre nicht dauerhaft online... Eigentlich wäre es am einfachsten, einen sauberen Schlussstrich zu ziehen. Wäre es nicht besser, alles zu verpassen, wenn man dadurch nur die Dinge mitbekommt,die man wirklich wissen will?

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    1. Windsprite, du sprichst mir aus der Seele. Wie oft habe ich mir schon überlegt, mein Account bei Facebook zu löschen...wie oft?? Ich war einmal so weit, dass ich die App vom Handy entfernt habe. Hat auch gut geklappt, der Zeitfresser war fürs Erste eliminiert und dann fing ich an, wieder über den Browser zu stalken. Die Angst etwas zu verpassen oder die Freude darüber, witzige Bilder zu gucken ... es ist eine Sucht. Aber hey, inzwischen ist das Schreibnachtforum so gut aufgemacht, dass sich da bestimmt eine Verlagerung der Suchtquelle umsetzen lässt :) Ich bin gespannt :)

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    2. Bei solchen Zeitfressern überlege ich mir seit ich blogge zehnmal bevor ich mich da anmelde... Wobei das Schreibnachtforum ja absolut meine Interessen wiederspiegelt und ich wirklich glaube, dass es meine Zeit wert wäre... Also, in einem Monat habe ich es mir überlegt, aber ich denke, dass ich es schon will... Und wo ich schon diesen Blog stalke...

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