Der Schurke klärt seinen teuflischen Plan auf und geht es auch spannender?

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Sabrina S. | 04 Mai 2015 |

Und wie das geht! Aber fangen wir doch erst mal am Anfang an. Suchen wir also Gründe dafür, warum die Bösewichte so redselig sind. Denn genau wie es Ursachen für ihr Handeln gibt, existiert der ein oder andere Anreiz dafür, ihre Pläne offen zu legen.

Hintergründe für die große Enthüllung:
Der Hauptgrund, warum der Schurke in einer Geschichte so gerne über seine Strategien plaudert, ist ziemlich klar ersichtlich: Der Autor will dem Leser verdeutlichen, was der Antagonist vorhat. Wenn seine Handlungen nicht nachvollziehbar sind, erscheint der Böse eindimensional. Das muss natürlich vermieden werden, und da Dialoge die beste Art zum „Show don’t tell“ sind, werden die Antagonisten dazu auserkoren, alles zu offenbaren. Oft bevor überhaupt der erste Schritt in diese Richtung getan wurde. Und dann auch noch vor ihren Feinden. Nicht sehr klug, oder?

Klar, Bücher sind meistens Fiktion. Aber der Leser will realistische und nachvollziehbare Handlungen. Die Pläne des Schurken zu kennen, mag toll sein. Aber denkt man sich nicht gleichzeitig, man würde das selbst nicht so machen? Geheime Pläne zu verraten, könnte ihre Ausführung ruinieren. Das weiß jeder.


Also warum werden so gerne Enthüllungsszenen geschrieben? Wahrscheinlich damit sich der Leser schlauer als der Bösewicht vorkommt. Oder um Möglichkeiten zu schaffen, um den Helden einen Ausweg und damit den Sieg zu garantieren. Oder um die angeberische Natur des Schurken zu zeigen. Es gibt etliche Gründe dafür, eine Enthüllung in eine Geschichte mit aufzunehmen. Jedoch spricht ein ganz großes Argument dagegen: Die Spannung wird herausgelassen – wie die Luft aus einem Luftballon.


Die große Enthüllung umgehen:
Um einen Spannungsabfall zu vermeiden, muss ein Autor Einfallsreichtum beweisen. Manchmal ist das gar nicht so einfach. Deshalb hier ein paar Denkanstöße: 
  • Falsche Gerüchte streuen: Der Bösewicht oder seine Gehilfen klären den Plan auf – nur dass sie ihn selbst nicht befolgen! Sie lassen absichtlich falsche Informationen an die Öffentlichkeit dringen. Ein geschickter Trick, um Protagonisten und Leser in die Irre zu führen. 
  • Mit Andeutungen um sich werfen / Infodump vermeiden: Dem Schurken rutschen bei jeder Gelegenheit winzige Details zu seiner Strategie heraus. Entweder weil ihm gerade jemand in die Quere gekommen ist oder ihn provoziert hat. Häppchenweise Enthüllungen sind viel besser als gehäufte. Man steckt sich ja immerhin auch keine ganze Tafel Schokolade in den Mund, oder? 
  • Enthüllungen durch die Protagonisten: Ja, auch die Helden dürfen was tun. Aktive Helden sind sowieso viel besser als passive. Wenn der Antagonist ihnen erzählt, was er vorhat, spielt er ihnen in die Karten. Das senkt den Heldenwert der Protagonisten enorm. Deswegen ruhig mal eine Spionageaktion oder die Durchsuchung irgendwelcher Häuser oder Quartiere veranlassen. Hinweise lassen sich meistens finden – wenn man weiß, wo man suchen muss. 
  • Umsetzen statt planen / Show don’t tell: Man darf dem Schurken ruhig mal freie Hand lassen. Einzelne Schritte seiner Strategie dürfen bzw. müssen glücken, vielleicht sogar die ganze. Statt nur zu schwafeln, sollte er mal was tun. Denn große Töne spucken kann jeder. 


Die Notlösung:
In Filmen mag das mit der großen Ansprache eindrucksvoll funktionieren, aber in Büchern wäre es ratsam, eine solch große Enthüllung zu vermeiden. Es ist einfach mühsam zu lesen, wie der Schurke seitenlang jedes kleinste Detail offenbart.

Und wenn es doch sein muss, bitte bis zum Finale aufschieben – wenn die Umsetzung der Pläne gerade erfolgt oder in Kürze erfolgen wird. Und nachdem die Helden schon so einiges herausgefunden haben, was sich nun entweder bewahrheitet oder als falsch herausstellt. Um den Sieg des Bösen dann schlussendlich zu verhindern, müssen die Protagonisten noch einen letzten Trumpf aus dem Ärmel zaubern. Gerade das ist es, was die Spannung bis zum Ende aufrechterhält.


1 Kommentar:

  1. Hihi, also ich finde auch in Filmen ist die Absprache das Schurken oft fast amüsant und auch nicht sonderlich spannend. Das wird heutzutage doch eigentlich fast nur parodistisch angewandt, oder? :D

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