Schreibübung | Wecke Spannung im Alltäglichen

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Isabell Dieckmann | 19 Juni 2015 |
Jeder Autor hat zum Ziel, dass sein Buch von Anfang bis Ende gelesen wird, doch es ist gar nicht immer so einfach, die Aufmerksamkeit des Lesers zu fesseln. Man kann sie mit der nächsten Wendung, dem nächsten Cliffhanger bei der Stange halten, aber auch ihre Sympathie für die Figuren lässt viele weiterlesen. Andere lassen sich von der Sprache gefangen nehmen.

Es ist immer so leicht dahergesagt, dass ein wahrer Meister alles spannend machen kann. Wobei mich wahrscheinlich andere Bücher fesseln als euch. Was ich nicht aus der Hand legen kann, bringt vielleicht den nächsten zum Gähnen. Aber das ist ja gerade das Schöne daran: jeder hat andere Vorlieben. Und doch will man so viele Leser wie möglich begeistern.

Meine heutige Übung beschäftigt sich damit, aus den alltäglichen Begebenheiten etwas Interessantes zu machen.

Dafür nehmt ihr euch ein alltägliches Ereignis und macht es so spannend wie möglich. Dabei sollte aber nicht noch etwas Fiktionales dazu genommen werden, sondern nur tatsächliche Geschehnisse, die auf fesselnde Weise erzählt werden. Um es einfacher zu machen, kann man einen Ausflug oder eine Feier nehmen, aber wenn man sich wirklich herausfordern will, sollte man etwa einen Tag mit der Familie, mit Freunden oder  in der Schule, der Universität oder dem Büro nehmen, wie er alltäglich erlebt werden kann.

Auf welche Weise kann man die Ereignisse spannend darstellen? Was funktioniert für dich? Welche Perspektive wählst du?

Lasst mich euch ein Beispiel geben:
Nehmen wir einfach mal einen Tag im Büro, an dem man nur den Hörer am Ohr hat. Auf den ersten Blick nicht sehr spannend. Aber ich versuche mich einmal daran.

„Es war einer dieser Tage, an denen ununterbrochen das Telefon klingelt und ich ein Problem nach dem anderen entgegennahm. Kaum hatte ich aufgelegt, schrillte es erneut, ließ mir keine Pause zum Durchatmen. Doch das zehrte nicht so sehr an meinen Nerven wie das Wissen, dass er sich heute wieder melden würde. Jeden Tag rief er an, gab sich als jemand anderes aus, nur um sich Entschädigungen zu ergaunern, die ihm nicht zustanden. Und jedes Mal tat ich so, als glaubte ich ihm und er tat so, als kenne er mich nicht. Ich kann ihm nichts nachweisen. Aber heute, dachte ich, als das Telefon erneut schrillte, verplappert er sich vielleicht. Und dann habe ich ihn.“

Stellt man es richtig an, wird selbst Spaghetti kochen so spannend, dass der Leser das Buch nicht mehr aus der Hand legen will.

Also übt fleißig daran, das Alltägliche spannend zu machen.

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