Wie man den inneren Kritiker besiegt

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Sabrina S. | 08 Juni 2015 |
Menschen zweifeln ständig. Meistens an sich selbst. Und da Autoren auch Menschen sind, geht es ihnen genauso. Manchmal sogar noch schlimmer, denn Autoren sind Künstler und somit fällt es ihnen besonders schwer, mit ihrer Arbeit ins Reine zu kommen. 

Jeder kennt bestimmt die Filmsequenzen, wo Autoren ihre Manuskripte aufs Papier kritzeln, nur um das Blatt dann zusammenzuknüllen und es in (oder neben) den Mülleimer zu werfen. Das passiert zwar heute nicht mehr so häufig, aber das heißt nicht, dass diese Prozesse nicht mehr stattfinden. Das tun sie, nur eben am Computer. Und wahrscheinlich ist es für den Autor so noch schwieriger geworden, den inneren Kritiker zu besiegen. Denn mit ein paar Klicks ist alles, was man geschrieben hat, einfach verschwunden. Einmal löschen und wieder neu anfangen, ist kein Problem – und das macht die Angelegenheit noch schwieriger.
Ohne Probleme kann man Textstellen überarbeiten. Nichts durchstreichen, nichts wegradieren, einfach löschen. Irgendwann weiß man nicht mehr, was man sagen wollte. Alles verschwimmt, der Sinn geht verloren und man darf wieder von vorne anfangen, weil die ganze Arbeit umsonst war.

Hier sage ich ganz klipp und klar: Stopp! Es gibt nämlich ein paar Tricks, die helfen, damit es nicht so weit kommt.

1. Pessimismus überwinden
Um den inneren Kritiker zu besiegen, muss man zuerst seine Denkweise ändern. Pessimistisch sein war gestern. Nicht alles, was man schreibt, muss blöd klingen oder unlogisch sein. Nicht jede Textstelle muss man überarbeiten. Selbstbewusstsein ist das Stichwort. Von Zeit zu Zeit kommt es vor, dass man eine perfekte Szene schreibt. Vielleicht ein ganzes Kapitel. Vertraut darauf, dass es möglich ist.
2. Dem Kritiker zuhören
Ja, das dürft ihr ruhig tun. Solange ihr die Kontrolle behaltet. Gebt ihm nicht die ganze Macht über euch. Zeigt ihm, dass ihr der Boss seid. Er kann gerne Ratschläge geben oder auf falsche Details aufmerksam machen. Aber er schreibt die Geschichte nicht. Das tut ihr. Ihr seid die Autoren. Er ist nur der Kritiker. Verlasst euch also nicht immer auf sein Urteil, denn auch er ist nicht allwissend.

3. Nicht immer ist der Kritiker das Problem
Manchmal will man einfach, dass der Kritiker siegt. Glaubt ihr nicht? Doch, tatsächlich. Denn wenn ihr zulasst, dass er zum Autor wird, dann gibt es einen Grund dafür. Entweder habt ihr den Glauben an die Geschichte verloren oder neue Ideen vereinnahmen euch. Es kann auch vorkommen, dass ihr gerade andere Dinge im Kopf habt. Dann schiebt ihr die Schuld auf den inneren Kritiker.
Dabei liegt das Problem bei euch. Schafft es aus der Welt und seht, was passiert. Oft klappt das Schreiben wieder besser, wenn ihr etwas Abstand bekommen habt. Danach müsst ihr nur noch eure Überzeugung wiedergewinnen. Ruft euch ins Gedächtnis, warum ihr schreibt. Warum ihr gerade an dieser Geschichte arbeitet. Redet mit euch selbst oder mit anderen Leuten, vollkommen egal. Hauptsache, ihr findet zurück zu der Geschichte. Dann wird auch der Kritiker erst einmal schweigen, weil ihr den Weg wieder gefunden habt und euch nichts aufhalten kann.

4. Fehler später ausmerzen
Ihr müsst euch im Klaren darüber sein, dass sich ab und an Denkfehler einschleichen. Aber um die dürft ihr euch auch noch später kümmern. Entweder merzt ihr sie während der Überarbeitung aus oder ihr lasst sie von Testlesern aufspüren. Spätestens dem Lektor sollten sie auffallen. Also macht euch nicht so viele Sorgen, dass ihr alles falsch macht. Immerhin beschreitet ihr die Wege in der Geschichte ja aus Gründen. Und da ihr logisch denkende Menschen seid, kann der Text nicht nur aus Fehlern bestehen. Ihr denkt euch ja etwas beim Schreiben, selbst wenn ihr im sogenannten Flow seid.

5. Macht euch nicht so viel Druck
Das ist das letzte Hindernis, das ihr überwinden müsst. Zwingt euch nicht zum Schreiben. Zwingt euch nicht dazu, etwas perfekt zu machen. Zwingt euch nicht dazu, Geschichten am laufenden Band zu produzieren. Und vor allem zwingt euch nicht dazu, all eure Texte um jeden Preis zu veröffentlichen. Denn wenn ihr nur noch unter diesem Gesichtspunkt Autor seid, schweigt der Kritiker niemals mehr. Er wird euch alles abverlangen und euch den Spaß nehmen. Damit das nicht passiert, schreibt ruhig mal wieder einfach aus Lust und Laune, nicht weil ihr es müsst.
Also hört dem Kritiker nicht zu, wenn er sagt, ihr seid nur Autoren, wenn ihr veröffentlicht seid. Hört ihm nicht zu, wenn er sagt, ihr werdet es nie zu etwas bringen. Hört ihm nicht zu, wenn er sagt, euer nächstes Buch wird nie so gut ankommen wie das letzte. Denn er kann nicht in die Zukunft sehen. Schreibt also einfach mal wieder, um euch selbst – nur euch selbst – zufriedenzustellen.


Zu guter Letzt kann ich nur noch sagen: Viel Glück bei eurem Kampf gegen den inneren Kritiker! Denn wenn ihr ihn besiegt, dann wird aus dem Gegeneinander schon bald ein freundliches Miteinander.

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