Wieso ich lieber nicht an Kreativität glaube

´
Christina | 22 Juni 2015 |

Kreativität. Sie gehört zu den Dingen, die meiner Meinung nach total überschätzt werden. So wie Sonnenaufgänge (wer sie lobt, muss sicher nicht jeden Tag so früh aufstehen) oder Sonnenschein (für viele ein Garant für gute Laune) oder Nutella (aufs Brot geschmiert, macht der Morgen angeblich den Tag)

Mit der Kreativität verhält sich das ähnlich.  Jeder möchte auf seine Art kreativ sein und nutzt den schwammigen Begriff, um sich und seine Fähigkeiten hervorzuheben. Für mich hat Kreativität jedoch immer einen schalen Beigeschmack. Es erinnert mich an Hobbybastler  und Beschäftigungstherapie. Im Grunde verbinde ich damit nichts Halbes und nichts Ganzes.  

Wäre Kreativität ein Handwerk, das man erlernen könnte, so wie ein Autor das Schreiben lernen kann, dann wäre es eine handfeste Sache. Man weiß, wie sie funktioniert, und muss sie nur anwenden. Das Problem mit der Kreativität ist aber, dass sie auf Inspiration beruht. Auf jeden von uns wirkt etwas anderes inspirierend. Es gibt keine Regeln, kein Richtig oder Falsch.

Wenn jemand bunte Steine übereinander stapelt, kann er sich als kreativ bezeichnen, selbst wenn andere darüber spotten. Und wenn jemand Tagebuch schreibt, so wie ich, kann er dies als kreatives Schreiben abtun. Den Sinn dahinter muss jeder für sich selbst finden.


Deswegen glaube ich lieber nicht an Kreativität. Es sagt nämlich gar nichts über einen Menschen oder dessen Beschäftigung aus. Genauso wenig wie Sonnenschein und Nutella meinen Tag machen.

Ich glaube aber, dass Kreativität, bis zu einem gewissen Grad, bei der Ideenfindung helfen kann. Wenn ich meine Geschichten schreibe, fühle ich mich häufig von der Realität eingeengt. Vermutlich ist das der Grund, warum ich überwiegend Fantasy schreibe. Wenn ich in der Realität bleiben muss, geht mir die Fantasie aus. Richtig gut läuft es bei mir, wenn ich etwas gelesen oder gesehen habe, das mich inspiriert. Dann bin ich in der Lage, eine Idee oder eine Ausgangssituation für meine Zwecke umzuwandeln bzw. zu entfremden.

Nun sollte sich ein Schriftsteller immer etwas Besonderes einfallen lassen, um seine Leser zu überraschen. Vielleicht hat er eine Idee, sie kommt ihm jedoch so unrealistisch vor, dass er sie gleich wieder verwirft. Er glaubt nämlich nicht an Kreativität. Das Letzte, was er hören möchte, ist, dass er kreative Lösungen aus dem Hut zaubert. Er möchte lieber eine schlüssige und  nachvollziehbare Handlung kreieren, die den Leser überzeugt.

Wer jedoch ausschließlich so ans Werk geht, ist und bleibt unproduktiv. Man sollte sich mit jeder Idee, egal, wie verrückt sie klingt, auseinandersetzen. Wenn man mit dem Gedanken spielt, dass etwas funktionieren könnte, ergeben sich bisweilen ganz neue Möglichkeiten.
____________________________________________________________________________________

Schreibaufgabe:
Hattest du schon einmal eine Blitzidee, bei der du dachtest: „Wow, das ist genial!?“ Doch je länger du darüber nachdachtest, desto konfuser wurde die Geschichte? 

Versuche dich zu erinnern und schreibe die Idee auf. Wenn dir nichts einfällt, denke an ein Schubladenprojekt, das du vielleicht abgebrochen hast, weil du dich in eine Sackgasse geschrieben hast. Lass nun die Realität außen vor und spiele ein wenig. 

Ziehe sämtliche Möglichkeiten und Wege in Betracht. Lass Supermann aus dem Gebüsch springen, wenn nötig oder wünsche einen fliegenden Teppich herbei.  Hab keine Scheu. Es ist nur eine verrückte Spinnerei, die deiner Kreativität entspringt. Wenn du fertig bist, lege den Entwurf  ein bis zwei Tage beiseite. Dann nimmst du dir den Text erneut vor und streichst alles raus, was absolut keinen Sinn ergibt. Die Einfälle, die auf den ersten Blick gar nicht so verkehrt klingen, solltest du hingegen noch einmal überdenken.
____________________________________________________________________________________

Diskussion: Glaubst du an Kreativität? Und wenn ja, wie nutzt du sie? Machst du spezielle Fingerübungen? Oder bist du der Meinung, dass erst die Inspiration, das Gedankenkarussell zum Laufen bringt?  Wandelst du häufig Ideen ab, um sie auch in deinen Geschichten verwenden zu können?

TEIL DEINE ERFAHRUNGEN MIT DIESER METHODE UND DEN ÜBUNGEN GERNE HIER MIT UNS IN DEN KOMMENTAREN ODER IN UNSEREM FORUM.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen