Kurzgeschichten schreiben

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Thomas Williams | 13 Juli 2015 |

Jeder Autor geht anders an seine Geschichten heran. Es gibt unzählige Möglichkeiten und die, die ich hier vorstelle ist eine, die für mich funktioniert und das schon seit Jahren. Ihr könnt sie ausprobieren, vielleicht klappt es auch für euch. Oft sind es die Tipps, von denen wir es am wenigsten erwarten, die uns weiterbringen. 

In der Kürze liegt die Würze, heißt es doch so schön. Kurzgeschichten lassen dem Autor aber nicht viel Zeit weit auszuholen. Die Handlung wird nicht innerhalb mehrerer Seiten aufgebaut und der Protagonist muss schnell vorgestellt werden. Viele Autoren sagen, dass sie sich nicht kurz fassen können und das ist auch gut so, aber trotzdem ist es weitaus einfacher eine große Geschichte klein zu erzählen, als viele denken.

Am Anfang ist das Tempo

Stellt euch vor der Anfang der Geschichte wäre Fledermausland und ihr könnt dort nicht bleiben (Ihr habt Fear and loathing in Las Vegas gesehen, oder? Nicht? Dann holt das nach! Bildungslücke!). Deswegen beginnen wir gleich mitten in einer Szene. Irgendetwas, das die Geschichte in Schwung bringt. Das kann eine Unterhaltung sein, denn solche lesen sich ohnehin flüssig. Oder eure Figur ist auf dem Weg irgendwohin, dadurch befindet sie sich in Bewegung. Ihr könnt aber auch mitten im Geschehen anfangen. Je nachdem worüber ihr schreibt, fliegen dem Prota die Kugeln um die Ohren, seine Angebetete betritt das Restaurant, in dem er auf sie wartet. Sofort liegt Spannung in der Luft und der Leser will wissen, wie es weitergeht. Meine Geschichten beginnen oft kurz vorm eigentlichen Finale. Die Situation spitzt sich bereits immer mehr zu, ohne dass es meine Figuren wissen und so habe ich von Anfang an ein gewisses Tempo für den Leser als auch für mich. Wieso diese Figuren sich dort aufhalten, wer sie sind und so weiter, kann im Erzählfluss untergebracht werden. Hier geht es nicht darum eine Figur wirklich kennen zu lernen. Wir begleiten sie vielleicht acht Seiten und nicht 800. Also müssen wir etwas auf die Tube drücken. Ein schneller Anfang bedeutet auch, dass wir schnell zur Sache kommen. Also zum Kern der Geschichte. Deswegen gönne ich mir nur zwei Seiten für den Anfang, danach kommt …

Der Höhepunkt der Geschichte

In einem Roman haben wir viel Zeit uns für das Finale vorzubereiten. In einer Kurzgeschichte nicht, was aber kein Nachteil sein muss. Denn durch das oben Erwähnte, sofort einsetzende Tempo haben wir den Leser bereits in unserer Handlung gefangen. Stellt euch einen Hollywoodfilm vor, der mitten in einer Actionszene beginnt. Egal worüber ihr schreibt, so ungefähr sollte die Geschichte beginnen. Mittendrin, denn dann wird sie nicht langatmig und ihr spart euch hinter her lästige Kürzungen und Haare raufen. Der Konflikt ist also schnell da. Worum es auch in eurer Geschichte geht, hier laufen alle Fäden zusammen. Durch einen zügigen Beginn können wir uns nun etwas Zeit hierfür nehmen. Meiner Meinung nach ist es wichtig das Finale genügend auszuschmücken und es nicht zu überhasten. Der Leser soll nicht enttäuscht werden. (Das ist Eddie. Eddie wird von Zombies verfolgt. Eddie ist tot. Ende.) Ihr steckt viel Zeit und Herzblut in eure Geschichten und der Leser mag sie in viel weniger Zeit gelesen und bei Seite gestellt haben, aber er investiert – im Idealfall – auch Geld in eure Story. Dafür soll er etwas geboten bekommen. Auch ist eine Kurzgeschichte immer ein guter Appetithappen, um auf eure längeren Werke aufmerksam zu machen. Viele meiner Lieblingsautoren habe ich durch Kurzgeschichten entdeckt, die mir so gut gefallen haben, dass ich mehr von ihnen lesen wollte. Am liebsten gleich ein ganzen Roman. Hier also wieder mein Vorschlag: „Denk wie Hollywood. Klotzen, nicht kleckern.“ Wenn alles gesagt und getan ist, heißt es …


Schluss, Aus, Micky Maus

Wie schon beim Anfang einer Kurzgeschichte halte ich mich beim Ende zurück. Ja, sogar noch viel mehr als zu Beginn. Das Ende muss kurz und knackig sein und nicht zu ausschweifend, denn es ist das, womit wir den Leser aus unserer Erzählung entlassen. Das ist es, was er mit nimmt und woran er später denken wird, wenn er sich an unsere Geschichte erinnert. Je nachdem wie diese endet, reichen ein paar Sätze, denn die sagen oft mehr aus als eine halbe Seite. Wichtig ist auch ein guter Schlusssatz für mich, damit der Leser nicht enttäuscht wird. Ich möchte eine letzte Reaktion in ihm hervorrufen und ihn mit einem bestimmten Gefühl zurücklassen. Er soll erleichtert sein, vielleicht aber auch schockiert. Oder will ich ihn mit einem unerwarteten Witz zum Lachen bringen? Auch hier gibt es wieder unzählige Möglichkeiten, je nachdem in welchem Genre ihr schreibt. Als Horrorautor fällt es mir tatsächlich schwer ein Happy End zu erschaffen, aber ich liebe es die Geschichte mit bösem Humor enden zu lassen. Das ist etwas, womit der Leser nicht rechnet. Es überrascht ihn hoffentlich auf positive Art und Weise und lässt ihn noch länger daran denken. 


Wie schon gesagt, es gibt unendlich viele Möglichkeiten eine Kurzgeschichte zu schreiben. Eine Lovestory gestaltet sich natürlich vollkommen anders als eine, wie ich sie beschrieben habe. Ebenso Dramen und ähnliches. Und doch haben sie alle etwas gemeinsam, nämlich, dass es zügig vorwärts gehen muss. Ob der Leser das nun mitkriegt oder nicht, eine Kurzgeschichte hat nicht viel Platz für unnötige Ausschmückungen. Konzentriert euch auf das Wesentliche. Worüber wollt ihr schreiben und was dem Leser übermitteln? Viele Details werdet ihr in der Überarbeitung löschen, weil sie euch plötzlich unwichtig erscheinen und den Erzählfluss hemmen. Aber Übung macht den Meister, also schreibt und lest viele Kurzgeschichten, um zu sehen, wie es am besten für euch funktioniert. 

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