Was bringt eigentlich ein VHS-Kurs?

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Patricia Bellasie | 22 Juli 2015 |

Als Autor lernt man nie aus. Meiner Meinung nach ist dieses Hobby, dieser Beruf und auch Passion von fortwährender Entwicklung geprägt. Inspiration begegnet einem überall - Blogposts, Zeitungsartikel, Bücher, Fernsehsendungen, Dialoge im Alltag; Zeit und Personen beeinflussen die Sprache auf eine ganz besondere individuelle Art und wir Autoren haben die Aufgabe, diese Einflüsse einzufangen und mitzunehmen.

Uns Schreibbegeisterten bleibt bei diesen vielseitigen Eindrücken gar nicht die Möglichkeit über Jahre den gleichen Stil beizubehalten. Seien wir doch mal ehrlich: Wer von euch hatte noch nicht seinen ersten Entwurf, die erste selbstgeschriebene Geschichte in der Hand und dachte sich „ach du je, was habe ich mir denn dabei gedacht? Heute würde ich das ganz anders schreiben, hier das kann man doch keinem mehr zeigen…“ Damals war man von seinem Text aber überzeugt. Wieso sieht man das heute anders? 

Texte sind wie Kameras. Manche Autoren sind Luxusmodelle, die in der Lage sind, alles sehr genau einzufangen – mit Objektiv, Blitzlichtaufsatz und vielem mehr - und andere bilden den Moment nur durch die Linse der Handykamera ab. Die Aufnahme gehört der Vergangenheit an und damals waren die Zeiten anders. Früher trug man Hüfthosen und der Schulrucksack hing einem fast in den Kniekehlen, heute sind HighWaist-Jeans modern und man nimmt seine Schulunterlagen in einer großen Handtasche mit. Das Tolle und Herausfordernde am Schreiben liegt darin, dass man nicht nur den Moment abbildet, sondern auch das „was wäre, wenn“. 

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich erwarte von meinem jetzigen Ich mehr, als nur die Leistung einer Handykamera in meinen Texten abzubilden. Daher nutze ich gerne Angebote, die mir helfen meinen Schreibstil weiter zu entwickeln. Vor einiger Zeit habe ich ein wenig Geld und Zeit investiert, um mich in meinen weißen Opel Corsa zu setzen und einige Kilometer hinter mir zu lassen, um den VHS-Kurs „Kreatives Schreiben“ zu besuchen. Mit verschiedenen Stiften und einem Collegeblock bewaffnet, suchte ich den Raum auf, in dem das Ganze stattfinden sollte. Ich liebe und hasse diese Sekunden, in denen man aufgeregt und unsicher vor der Tür steht und nicht weiß, was einen erwartet. In meinem Fall durfte ich in viele nette und sehr unterschiedliche Gesichter blicken. Ich glaube kaum ein Hobby spricht so viele unterschiedliche Charaktere an: die aufgeweckte sechszehnjährige Schülerin, die dreifache Mutter und Hausfrau, der genügsame Rentner und perfektionistische Geschäftsmann. Bereits die Personen, auf die man dort trifft, liefern einem Autor genügend Input für die Entwicklung eigener Romanfiguren. An den Kursleiter kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Ich weiß nur, dass ich nicht viel von ihm gehalten habe – wahrscheinlich, weil er selbst noch keine Geschichte publiziert hatte. Ich bin mir sicher, dass dieser Mann bestimmt andere Qualifikationen vorweisen konnte, die ihn dazu berechtigten, diesen Kurs zu leiten; es ist nur schwierig für mich, Menschen ernst zu nehmen, die einen in Gebieten unterrichten, die sie selbst nur aus der Theorie kennen. So teilte er an uns unterschiedlich farbige Kärtchen aus, die wir mit verschiedenen Begriffen beschreiben sollten. Orange stellte zum Beispiel die Kategorie eines Gegenstandes dar, bei den gelben Karteikarten sollten wir uns eine Figur ausdenken und die grünen Karten wurden mit einem Ort beschrieben. Dann nahm der Kursleiter die Karten wieder an sich, um sie zu mischen und unter den Teilnehmern aufzuteilen. Aus den zusammengewürfelten Begriffen sollten wir dann eine Geschichte entwickeln. Diese Aufgabe war eine Herausforderung, die von vielen Teilnehmern mit Bravour gemeistert wurde. Der Kursleiter hatte selbst leider nicht bei dieser Aufgabe mitgemacht – ein weiterer Grund, warum er mir nicht im Gedächtnis geblieben war. Anders, als der Rentner, der aus den Begriffen „Schokopraline“, „Schiff“ und „Kellnerin“ eine Szene beschrieb, die so herrlich lebendig und detailliert war, dass seine Worte vor meinem inneren Auge einen Film abspielten.

Leider habe ich aus den Kursinhalten nicht mehr, als diese Technik, die sich „morphologischer Kasten“ nennt, mitgenommen. Trotzdem bereue ich nicht, diesen Kurs besucht zu haben. Allein die Tatsache, dass man auf Gleichgesinnte trifft, war mir der Aufwand wert. Die ehrliche und wertschätzende Kritik, die wir uns untereinander gaben, hat mir persönlich weitergeholfen. Als ich damals diesen Kurs gebucht hatte, steckte ich in einer Phase der Selbstzweifel. Die Menschen dort haben meinem Selbstbewusstsein gut getan und mir geholfen, aus diesem literarischen Tief herauszukommen. 

Daher fällt mein Fazit auch positiv aus. Ich kann es jedem nur empfehlen, den Schritt zu wagen und unter Leute zu kommen, die dieses wundervolle Hobby teilen. Man kann viel voneinander lernen.

Diskussion: Habt ihr schon mal einen Schreib-Workshop gemacht? Welche Erfahrungen habt ihr schon gemacht? Ging es euch ähnlich wie mir?

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