Neue Geschichte, bekannter Charakter | Wie man seine Figuren in andere Geschichten integriert

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Christina | 31 August 2015 |

Als Autor können einem viele Charaktere sehr ans Herz wachsen. Man hat ihnen einen Namen gegeben, eine Biographie für sie erschaffen und war maßgeblich an ihrer Entwicklung beteiligt. Der Werdegang eines Charakters ist ein individueller Prozess. Er wird durch äußere und innere Umstände geprägt. Er hat ein soziales Umfeld und passt sich an seine Lebenssituation an. Kurzum, er hat Erfahrungen gesammelt, die nur in dieser Konstellation möglich waren. Aber was geschieht, wenn ein Autor seinen ausgereiften Charakter, in eine andere Geschichte verfrachten möchte?

Die Gründe dafür können ganz unterschiedlich sein. Manche RPG- oder Fanfiction-Schreiber, möchten einen ihrer Charaktere, für eigene Geschichten nutzen. RPG-Schreiber haben meistens schon einen eigenen Charakter ausgefeilt, der vielleicht nur das Setting wechseln muss. Oder man bedauert den Tod eines lieb gewonnenen Charakters und entscheidet, dass er in einer anderen Geschichte, mit neuem Namen, wieder auftauchen soll.

Dann sind da noch die vielen Schubladen-Geschichten, die nie zu Ende geschrieben wurden. Warum nicht einen Charakter aus der Versenkung retten und ihn in ein aktuelles Projekt eingliedern? Manche Charaktere behindern sich innerhalb einer Geschichte gegenseitig, sind sich zu ähnlich oder harmonieren nicht miteinander. Zum Wohle der einen Figur muss eine andere gestrichen werden. Gut möglich, dass der Vertriebene, in einer anderen Welt sein Glück findet.

Da all diese Figuren eine Vorgeschichte haben und sich nicht für jeden Zweck oder Rolle eignen, ist es nicht immer leicht sie umzusiedeln. Aus einen überzeugten Junggesellen plötzlich einen liebenden Ehemann und fünffachen Vater zu machen, fühlt sich falsch an. Und einen Fantasy-Helden in die Zukunft zu katapultieren, wo er sich fortan mit Raumschiffen, statt auf Pferden fortbewegt, macht nur in ganz speziellen Fällen Sinn (Zeitreise-Geschichten etc.).

Als Autor befürchtet man, seinen lieb gewonnen Charakter so ummodeln zu müssen, dass man ihn hinterher nicht mehr erkennt. Vielleicht behält er einige Eigenschaften bei, aber sobald er beliebig und austauschbar wird, verliert er seinen Reiz.

Folgende Fragen können dir bei diesem Schritt helfen:
  • Wie viel Vorarbeit hast du in deinen Charakter investiert? Siehst du ihn bereits als fertige Figur, mit eigener Vita, Persönlichkeit und Erfahrungen? Oder hast du nur eine vage Vorstellung? Wenn sich der Charakter noch formen lässt, wendet er sich schneller seiner neuen Bestimmung zu.
  • Einen alten Baum verpflanzt man nicht. Könntest du damit leben, deinen Charakter in eine andere Welt zu schicken? Wenn du ihn ständig in seiner gewohnten Umgebung siehst, kann er sich in seinem neuen Umfeld kaum authentisch verhalten, oder?
  • Denkst du oft daran, mit deinem Charakter, aus einer Fanfiction oder RPG auszusteigen und etwas Neues mit ihm zu machen? Die Sterne stehen günstig! Am besten ihr brennt noch heute Nacht durch…
  • Wo soll es hingehen? Wenn du ein ähnliches Setting für deinen Schubladen-Charakter wählst, kann er seine Identität am besten wahren.
  • Tote soll man ruhen lassen. Wenn du mit einem verstorbenen Charakter arbeiten möchtest, musst du ihn nicht gleich in die Reinkarnation schicken. Wie wäre es, wenn du stattdessen ein Prequel machst?
  • Bei deiner letzten Geschichte hattest du das Gefühl, einen wichtigen Charakter vernachlässigt zu haben? Gib ihm die Hauptrolle in deinem nächsten Roman und pass die Gegebenheiten so an, dass sie ihm gerecht werden und nicht umgekehrt.
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Schreibaufgabe: Wenn du dir nicht sicher bist, ob dein alter Charakter in eine neue Geschichte passt, probiere es einfach aus. Schreib eine Szene, in der deine Figur ihre neue Umgebung erkundet. Er oder sie kann auch mit anderen Charakteren in Kontakt treten oder den ersten Konflikt austragen. Du wirst schnell merken, ob du es mit einem „alteingesessen Charakter“ zu tun hast, der keinen Bock auf neue Experimente hat oder ob du deiner Figur nur den berühmten Schubs vor die Tür geben musst,  damit es läuft.
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Diskussion: Hast du eine Figur aus einer früheren Geschichte, die du vielleicht sogar aus dem Manuskript gestrichen hattest, wieder aufleben lassen und in eine andere Story geschickt? Ist so vielleicht schon ein komplett neues Buch oder eine neue Kurzgeschichte entstanden?

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