Wie man Ablenkungen kreativ nutzen kann ...

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Thomas Williams | 24 August 2015 |

Hallo leere Seite, alter Feind. Hast auch gleich deinen Kumpel mitgebracht, was? Den blinkenden Cursor. Na wartet, ihr beiden. Euch werde ich es zeigen. Die nächsten drei Stunden werde ich mit Schreiben verbringen und mit nichts anderem! HAR, HAR, HARRRR!!! 

Drei Stunden später: Verdammt, da steht ja immer noch nichts!

Ich glaube, dieses Problem kennt jeder von uns, oder? Wir nehmen uns krampfhaft vor, in die Tasten zu hauen und dann sitzen wir da, schauen auf Facebook vorbei, gucken uns Videos auf Youtube an, suchen nach möglichst billigem Haarwuchsmittel aus dem Ausland … Wie? Ihr macht das nicht? Der Mann von heute sorgt doch vor. 

Aber ist das schlimm? Nun, wir sollten es nicht übertreiben, denn das Internet kann ein echter Zeitfresser sein und das nicht nur aufs Schreiben bezogen. Trotzdem macht Ablenkung laut einer Studie von Benjamin Baird, Doktorand an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara, kreativ. Wahrscheinlich, weil wir uns nicht zu sehr auf die Lösung des Problems verkrampfen und unseren Gedanken etwas freien Lauf lassen. Dabei entstehen Tagträume, die uns den rechten Weg weisen können. 

Baird ließ 145 Freiwillige im Alter von 19 bis 32 Jahren an einem Kreativitätstest teilnehmen, bei dem sie zum Beispiel in zwei Minuten aufschreiben sollten, für was man einen Backstein nutzen kann. Danach wurden die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip in vier Gruppen aufgeteilt, von denen jede eine andere Aufgabe bekam. Die einen durften zwölf Minuten nichts tun, die anderen bekamen einen weiteren Test. Die dritte Gruppe bekam einen schwierigen und die vierte Gruppe einen einfachen Test. Die dritte Gruppe war also gefordert, während die vierte bei den Zahlen eins bis neun nur unterscheiden sollte, welche gerade und welche ungerade sind. 

Danach wiederholte Baird den ersten Test, wobei die eine Hälfte der Teilnehmer wieder aufschreiben sollte, wozu ein Backstein verwendet werden kann und die andere Hälfte sich mit einem neuen Problem herumschlagen musste. 41 Prozent der Beteiligten konnten sich im Bezug auf den Backstein steigern, wenn sie es vorher mit einer einfachen Aufgabe zu tun hatten, während der Rest recht konstant blieb, weil die vorangegangene Aufgabe all ihre Aufmerksamkeit erfordert hatte.

Baird sagt: „Wenn wir uns ablenken und die Gedanken schweifen lassen, fördern wir damit unsere Kreativität.“ Durch die Ablenkung werden verschiedene Gehirnregionen angeregt und miteinander verknüpft, was zu neuen Ideen führt. 

Mir hilft es ab und an einfach mal auf die Straße zu schauen und mir Geschichten zu den vorbeilaufenden Leuten auszudenken. Plötzlich taucht so jemand in meiner aktuellen Handlung auf, der Prota muss ihn nur erst noch kennenlernen, also arbeite ich daran. Natürlich schaue ich auch mal auf Facebook vorbei, klopfe beim Schreibnachtforum an die Tür, lege bei Onlinehändlern was in den Warenkorb und so weiter. Man darf es mit der Ablenkung nicht übertreiben und sich irgendwann sagen, dass man nun lange genug Zeit verschwendet hat. Aber es ist auch nicht schlimm das leere Papier mal auszublenden und sich Gedanken über etwas anderes zu machen. Im Hinterkopf sind wir immer noch in unserer Handlung und manchmal ergibt sich die Lösung für ein Problem wie von selbst.

Kommentare:

  1. Hallo Thomas,
    ja, ich weiss es von mir selbst, dass Ablenkungen oft sehr hilfreich sind. Nicht allzu selten, stehe ich vor CMS-Problemen, die ich in dem Moment nicht oder nicht allein lösen kann. In solchen Fällen lasse ich manchmal alles liegen und mache etwas anders oder bleibe im Internet und befasse mich mit einem bestimmten CMS nicht mehr. Wenn ich dann mich genug abgelenkt habe, kann man das Problem wieder neu anpacken und schauen, was dabei herauskommen kann. Das hat mir schon so oft geholfen, weiter zu kommen und darauf greife ich immer wieder zurück.

    Ja, es passiert schon manchmal, dass man schreib-technisch nichts zu Blog bringen kann, aber auch da muss man nicht verzweifeln, denn wenn man es nur als Hobby betreibt, hängt das eigene Leben nicht von ein paar Artikeln ab. So sehe ich das. Das Internet ist ein Zeitfresser und mögen es alle für sich sinnvoll einsetzen :-)

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    1. Hallo Alex,

      Danke für deinen Kommentar. Für meinen Text konnte ich es zwar nicht mehr verwenden, aber ich merke gerade, dass Zeitdruck gegen Ablenkung hilft. Da bleibt im wahrsten Sinne des Wortes keine Zeit für YouTube und so. Man steckt viel zu sehr im Projekt und schaut nur mal ab an auf die Uhr, anstatt auf Facebook ;-) Trotzdem ist es natürlich angenehmer in Ruhe arbeiten zu können.

      Gruß, Thomas.

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