Horrorstories an Feiertagen

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Thomas Williams | 07 Oktober 2015 |

Ich sag es ja wirklich nur ungern, aber … Weihnachten steht vor der Tür. Mal wieder. Ich hatte noch gar keine Zeit, die Dekoration vom letzten Jahr wieder wegzupacken. (Ja, das gab dumme Fragen zu Ostern. Ich hab mich auf die künstlerische Freiheit berufen.)

Und ist euch mal aufgefallen, wie viele Horrorfilme an Weihnachten spielen? Dieses Jahr kommt mit dem Film „Krampus“ der nächste Streich ins Kino und handelt von einer waschechten Weihnachtslegende. Nämlich von Santas Partner, der für die bösen Kinder zuständig ist. Perfekter Stoff für eine Horrorgeschichte, oder? 

Tatsächlich ist es so, dass fast jeder amerikanische Feiertag inzwischen in einem Horrorfilm Erwähnung findet. Oder einfach Tage mit besonderer Bedeutung wie der erste April oder Freitag der Dreizehnte. 

Aber warum sind Feiertage so gut für Horrorgeschichten geeignet? Eigentlich sollten sie doch etwas Schönes darstellen. Etwas, auf das wir uns wochenlang freuen können. Nehmen wir Weihnachten auch weiterhin als Beispiel. Wir werden mit Freunden und Verwandten zusammensitzen, feiern, Geschenke austauschen und in fröhliche Gesichter blicken. Einmal im Jahr kommt die ganze Verwandtschaft zusammen, um gemeinsam zu feiern. Drinnen ist es warm, draußen liegt Schnee. Es riecht nach Tannenzweigen, Lebkuchen und Zimt. 

Kurz gesagt: Wir fühlen uns pudelwohl. 

Und wo könnte ein geisteskranker Axtmörder für mehr Angst und Schrecken sorgen, als an einem Ort, an dem wir uns in absoluter Sicherheit wiegen? Oder etwas Fleischfressendes, Lebendiges in einem der Pakete. Ein alter Fluch, der sich pünktlich zu Weihnachten erfüllt und all deine Verwandten in Monster verwandelt, gegen die du dich wehren musst. Die weihnachtliche Stimmung ist zwar dahin, aber als Leser verbinden wir immer noch etwas Schönes mit dieser Geschichte. 

Denn jeder von uns weiß, wie sich Weihnachten anfühlt. Es macht die Geschichte bodenständiger. Einsame Menschen fühlen sich noch einsamer als sonst, während alle anderen um sie herum mit ihren Liebsten feiern. Wir können uns in eine dieser beiden Gruppen hineinversetzen, ob nun als Leser oder als Autor. Vielleicht wecken wir sogar Mitleid im Leser, wenn wir über jemanden schreiben, der an Weihnachten alleine in seiner dunklen Wohnung sitzt, nur mit einer Kerze als Beleuchtung, weil er die Stromrechnung nicht bezahlen kann. 

Und dann passiert etwas Unerwartetes. Die Toten erheben sich, Stimmen flüstern aus den Wänden, Menschen verschwinden spurlos oder so etwas in der Art. Eurer Phantasie sind schließlich keine Grenzen gesetzt. Jeder ist schon mal durch eine verschneite, weihnachtlich dekorierte Straße gelaufen. Wenn wir dies also unsere Figuren tun lassen, wecken wir gleichzeitig noch unterbewusste Erinnerungen bei unseren Lesern. So kann er sich besser in die Geschichte hineinversetzen und liest weiter. 

Der Horror in dieser Geschichte wirkt näher und greifbarer, als in anderen Geschichten, denn Weihnachten ist etwas, das jeder Leser kennt und schon mal erlebt hat. Zerstören wir damit seine schönsten Erinnerungen? Mag sein, aber es ist eine Horrorgeschichte und jeder weiß, worauf er sich dabei einlässt. Jedoch haben Horrorgeschichten an Feiertagen auch einen ganz besonderen Vorteil: Sie machen einfach wahnsinnig Spaß!

Wann sonst können wir mit so vielen Klischees spielen? Wir müssen nicht großartig recherchieren, denn schließlich bringen wir genug Erfahrungen von eigenen Weihnachtsfesten mit. Wir können Erinnerungen verwenden, ohne es den Leser bemerken zu lassen und traumatisierende Geschenke verarbeiten (Der Kinderkalender von Oma, als wir bereits den Führerschein besaßen. Schrecklich, oder?).

Weihnachten ist der perfekte Feiertag für Horrorgeschichten. Fast jeder mag ihn und somit lesen die Leute auch gerne darüber oder schauen sich Filme an, die an Weihnachten spielen. Es ist in großes, fröhliches Beisammensein mit den Liebsten. Und wir trampeln erbarmungslos drauf herum.

Klingt doch nach Spaß, oder? 

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