Schreibübung | Charakterstudie

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Isabell Dieckmann | 02 Oktober 2015 |

Jeder kennt Geschichten, in denen das Gute gegen das absolute Böse kämpft – Schwarz gegen Weiß. Dabei bleiben aber vor allem jene Helden und Bösewichte in Erinnerung, die vielschichtig sind und sich in Grauzonen befinden. Sie haben bewundernswerte Eigenschaften und machen doch Fehler, haben Geheimnisse und Absichten. Je nach ihren Umständen konnten sie sich in Richtung Held oder Schurke entwickeln. Ein guter Weg, diese Gratwanderung zu lernen, besteht im Studium von solchen faszinierenden Charakteren. Beobachte ihre Handlungen, Entscheidungen und Worte.

Übung

Zuerst wählst du eine Figur aus einer vertrauten Geschichte, sei es aus Literatur, Film oder Fernsehen. Suche dir einen interessanten, vielschichtigen Charakter aus. Danach beobachtest und analysierst du ihn mit dem Ziel, in seinen Kopf vorzudringen. 

Beginne mit allgemeinen Angaben wie Name, Alter und Beruf und gehe dann in die Tiefe. Hinterfrage die Figur deiner Wahl.
  • Wieso traf er diese Entscheidung? Was hat ihn dazu motiviert?
  • Kann man Worte und Handlungen doppeldeutig verstehen? Was steckt noch dahinter?
  • Welche Fehler hat er gemacht? Wie geht er damit um?
  • Löst die Entscheidung eine Kettenreaktion aus, auf die er reagieren muss?
  • Wie sehen die anderen Figuren ihn? Wie sieht er sich selbst?
  • Was lässt ihn handeln? Wie tickt er?
  • Wie wurde er derjenige, der er ist?
Das sind nur einige Beispielfragen, die gern erweitert werden können.

Im Grunde wird man zum Psychoanalytiker und versucht die Leiche im Keller des Charakters zu finden. Damit schärft man seinen Blick für die Handlungen und Entscheidungen von Menschen, was auch durchaus bei der erneuten Lektüre eigener Texte hilfreich ist.

Welche Figur hast du einer Studie unterzogen? Was hat sich dabei ergeben?
Wir wünschen frohes Analysieren!

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