Zutaten für einen spannenden Romananfang

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Sabrina S. | 21 Oktober 2015 |
Quelle: Flickr | Peter Taylor
Heute backen wir Kuchen – einen Romananfang-Kuchen, um genauer zu sein. Noch nie davon gehört? Macht nichts, ich erkläre euch, was das ist. Der Romananfang-Kuchen verfolgt in erster Linie das Ziel, dass man immer mehr davon will. Erst wenn man nicht mehr aufhören kann, davon zu naschen, hat er seinen Zweck erfüllt. Er ist vor allem bei Romanautoren beliebt, da man durch seine Zutaten erkennt, was einen spannenden Romananfang ausmacht. Wenn ihr genau danach sucht, dann werft einen Blick auf das Rezept:


Ein direkter Einstieg in die Handlung:
Im Fachjargon nennt man das auch medias in res, was so viel bedeutet wie „mitten in die Sache hinein“. Die Handlung ist in der ersten Szene demnach voll im Gange. Wie es zu den geschilderten Ereignissen kommen konnte und wer die agierenden Figuren sind, wird nach und nach offen gelegt. Entweder mitten im Geschehen durch Dialoge und Gedanken/innere Monologe oder wenn sich die Lage beruhigt hat.

Wirkung: Es wird sichergestellt, dass der Leser neugierig wird, was zuvor passiert ist. Man will mehr über die Vorgeschichte erfahren.

Eine Action-Szene:
Darunter kann sich jeder etwas vorstellen. Man muss sich nur den ein oder anderen Action-Film angucken. Meistens hängt ein actionreicher Anfang mit dem direkten Einstieg in die Handlung zusammen. Beliebt sind vor allem Verfolgungsjagden, Schießereien, (magische) Kämpfe oder Einbrüche. Irgendetwas, das gefährlich oder verboten ist, bei dem die Figuren in Gefahr geraten.

Wirkung: Die Handlung wird beschleunigt, der Leser will unbedingt erfahren, ob es jemand unbeschadet aus der Angelegenheit heraus schafft – und wenn ja, wer das sein wird. Außerdem offenbart man eine Menge über die Charaktere, ohne dass viel geredet wird. Denn anhand des Verhaltens wird deutlich, um welche Art von Figur es geht. Zum Beispiel ob sie mutig ist und Action mag, oder ob sie Angst hat und am liebsten irgendwo anders wäre.


Eine Handvoll kryptische Andeutungen und Geheimnisse:
Auch die Charaktere können den Anfang interessant gestalten. Sie müssen sich nur so verhalten, als hätten sie etwas zu verbergen. Selbst aus der Ich-Perspektive kann man seinem Protagonisten ein großes Geheimnis aufbürden. Man muss nur wissen, wann man seine Gedanken darüber abbrechen muss, oder wann die Figur ein heikles Gespräch unterbindet.

Wirkung: Man kann viel sagen, ohne dass es ausgesprochen wird – das ist es, was die Aufmerksamkeit bannt.

Ein paar mysteriöse Vorgänge:
Das beliebteste Beispiel ist hier auf jeden Fall „Harry Potter“. Die Handlung fängt nicht damit an, dass Hagrid durch die Tür platzt. Zuvor kommt es zu einigen merkwürdigen Ereignissen, die darauf hinweisen, worum es später gehen wird.

Wirkung: Der Leser fragt sich, was hinter den Vorgängen steckt. Man rätselt, ob es natürliche oder übernatürliche Ursachen gibt und wer dahinter steckt. Und vor allem will man wissen, warum es gerade jetzt passiert. Aber Vorsicht – hiervon nicht zu viele! Man muss achtsam sein, dass man nicht zu viel andeutet, sonst ist die Spannung zu schnell weg.

Wahlweise ein Prolog:
Nicht jeder Prolog schafft es, einen Roman gelungen einzuleiten. Vor allem bei der Schilderung von Ereignissen, die schon länger her sind, kann es schwierig sein, eine Verbindung zur gegenwärtigen Geschichte herzustellen. Man muss viel zu lange auf eine Erklärung warten und versaut dem Leser die eigentliche Handlung. Das kann auch dadurch passieren, dass zu viel verraten wird. Soll ein Geschehnis dargestellt werden, das später als Geheimnis einer Figur getarnt wird, ist der Leser meistens genervt, weil er weiß, was passiert ist, aber die Charaktere nicht in die Puschen kommen, es aufzudecken.

Achtung ist geboten! Eine Anleitung, wie der passende Prolog aussieht, gibt es leider nicht, also im Zweifelsfall nicht auf diese Zutat zugreifen.


Zum Schluss noch ein Tipp: Vergesst nicht, dass zu viele Köche den Brei verderben. So ähnlich stellt es sich beim Romananfang-Kuchen dar. Benutzt nicht alle Zutaten, sonst ist er zu überladen und schmeckt nicht mehr. Dann will ihn keiner mehr haben und er entfaltet nicht seine spezielle Wirkung – was schade wäre, denn dann wäre das Ziel verfehlt.

Aber genug der Warnungen und viel Spaß beim Backen!

Schreibt uns gerne, wie ihr euren Romananfang-Kuchen zubereitet! Über Erfahrungen freuen wir uns ebenso wie über neue Anregungen!




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