Zutaten für ein großartiges Romanende

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Sabrina S. | 11 November 2015 |
Quelle: 4ever
Nachdem ihr bereits erfahren habt, wie man einen Romananfang-Kuchen backt, gibt es heute das Rezept für einen Romanende-Kuchen. Durch dessen Zutaten kommen Romanautoren auf tolle Ideen, wie sie ihrer Geschichte einen würdigen Abschluss geben können. Denn oft ist es gar nicht so einfach, das perfekte Ende zu finden, das sowohl Autor als auch Leser zufriedenstellt. Deshalb bleibt jetzt nur noch eins zu sagen: Ab an die Rührschüssel!

Ein paar zwischenmenschliche Verwicklungen:
Bevor der große Knall kommt, dürfen die Protagonisten ruhig heftig aneinander geraten. Wenn die Zusammenarbeit tadellos funktioniert, ist die Spannung oft nicht hoch genug, wenn man zum Finale übergeht. Also lasst eure Charaktere streiten, sich gegenseitig bekämpfen oder einander davon rennen.

Wirkung: Der Leser weiß anhand der Seitenzahl in etwa, wann das große Finale kommen muss. Und wenn kurz vorher solche Probleme auftauchen, fiebert er umso mehr mit den Figuren mit. Man will schließlich unbedingt wissen, wie (und ob) es die Charaktere schaffen, wieder alles ins Lot zu kriegen.

Das große Finale:
Ein Roman ohne großes Finale? Kann man vergessen. Es muss am Schluss etwas Spektakuläres passieren. Je nach Genre fällt der Showdown natürlich anders aus. Es kann um eine mündliche Konfrontation zwischen einem Paar gehen (z.B. in Liebesgeschichten), genauso wie um einen Kampf zwischen Protagonist und Antagonist (z.B. in der Fantasy). Wichtig ist hierbei, dass der Sieg (oder die Niederlage) nicht zu schnell erfolgt. Der Weg bis zu diesem Punkt war schwer, die letzte Herausforderung muss die schwerste überhaupt sein.

Hier ein paar Faktoren, die bei einem großen Finale nicht fehlen sollten:
  • Try-Fail-Cycles
  • Geschrei
  • Offenbarungen
  • Schock-Momente
  • Verletzte/Tote
Wirkung: Die Spannung wird ein letztes Mal auf die Spitze getrieben. Der Leser starrt gebannt auf die Worte, kann sich nicht losreißen von der Geschichte. Und dann … folgt eine der folgenden Möglichkeiten.

Ein offenes Ende:
Das ist die wohl umstrittenste Variante eines Romanendes. Es kommt zum großen Knall und auf einmal hört die Geschichte auf. Was bezweckt ein Autor damit? Wie kann er den Lesern das bloß antun? Genau wegen solcher Reaktionen. Leser wollen unterhalten werden und das bedeutet nicht automatisch, dass sie lachen oder weinen sollen. Sie können ruhig aufgebracht sein. Das heißt nämlich, ihnen ist die Geschichte unter die Haut gegangen. Sie wurden mitgerissen bis zur letzten Seite.

Und ganz unter uns: Wir Autoren quälen nicht nur unsere Charaktere – manchmal muss leider auch der Leser dran glauben, damit die Geschichte im Gedächtnis bleibt und der Autor nicht so schnell vergessen wird.

Wirkung: Wut, Verzweiflung, Unglaube? Auf jeden Fall wird eine Emotion hervorgerufen, die den Leser nachdenken lässt, warum die Handlung an dieser Stelle abgebrochen wurde. Er muss sich nun selbst vorstellen, wie es weitergehen könnte. So kurbelt man die Fantasie des Lesers an.

Ein Happy End:
Im Gegensatz zum offenen Ende klingt das wahnsinnig einfallslos, oder? Aber so ist es nun einmal. Viele Leser favorisieren es, wenn die Protagonisten über die Antagonisten siegen, Pärchen zusammenfinden oder der Mörder in den Knast wandert. Ein wenig Kitsch zum Schluss ist hier auch meistens nicht fehl am Platz.

Wirkung: Der Leser verspürt ein Zufriedenheitsgefühl, ein Gefühl der Hoffnung. Alles kann gut werden. Egal, wie schwierig etwas ist, man kann es überstehen.

Aber Vorsicht! Wenn alles am Ende nur „Friede, Freude, Eierkuchen“ ist, es nur noch Pärchen an jeder Ecke gibt und die Welt von einem auf den anderen Tag gerettet ist, verdreht so mancher die Augen. Wenn jeder einzelne Konflikt von jetzt auf gleich aufgelöst wird, könnte das nicht glaubhaft wirken.

Wahlweise ein Epilog:
Grundsätzlich muss ein Epilog nicht mit einem Prolog zusammenarbeiten. Viele Werke besitzen einen Epilog, aber keinen Prolog. Und das ist auch vollkommen in Ordnung. Ein Epilog kann wunderbar mit dem offenen Ende harmonieren. Nach dem plötzlichen Abbruch wird kurz geschildert, was danach passiert. Auch Ereignisse Tage oder Jahre später sind eine gute Option. Schließlich fragt sich der Leser am Ende, was nach dieser großen Geschichte mit den Protagonisten (und Antagonisten) geschieht. Eine Familiengründung? Die Aussicht auf weitere Abenteuer? Was eben besser passt.

Wirkung: Eine neue Perspektive wird aufgezeigt. So kann ein Happy End noch einen offenen Schluss bekommen und ein offenes Ende geschlossen werden.

Aber Vorsicht! Die Zukunft der Charaktere darf gerne auch der Fantasie der Leser überlassen werden. Wenn der Autor alles bestimmt und vorgibt, wird der Leser in seiner Vorstellung eingeschränkt und könnte sich doch noch über das Ende ärgern.

Es sei angemerkt, dass dies kein Allgemeinrezept darstellt. Nicht jede Zutat schmeckt jedem Leser. Aber alle Menschen zufriedenstellen, das gelingt nun einmal keinem Kuchen. Wenn ihr also unschlüssig seid, ob ihr die richtigen Zutaten verwendet habt, um an ein großartiges Romanende zu gelangen, dann solltet ihr unbedingt auf Testleser zurückgreifen!

Zum Abschluss unserer kurzen Abschweifung in die Welt des Kuchenbackens eine Frage: Welche Zutat darf eurer Meinung nach keinesfalls in den Romanende-Kuchen gelangen? Wir freuen uns auf eure Antworten!

1 Kommentar:

  1. Hast du nicht eine Zutat vergessen?
    Das schlechte Ende?
    Kenne das von Dystopien und ist wohl eine Mischung aus Happy-End - für den teuflischen Anta und dem offenen Ende.
    An einem absoluten Ende ist dann doch wieder alles offen.
    Persönlich ist mir ein offenes Ende mit der Hauptoption zum glücklichen Ende am liebsten. Wie es ausgeht kann ich mir vorstellen, aber es geht gut aus.
    So zumindest beim Lesen. Meine Leser lasse ich schon mal an der Klippe hängen.

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