Frankensteins Kabinett: Über Monster schreiben

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Thomas Williams | 10 März 2016 |

Schon seit meiner Kindheit bin ich fasziniert von Monstern. Ob nun Critters, Gremlins, Werwölfe oder Godzilla. Für mich sind und bleiben Monster die Helden in Filmen. Wegen ihnen schauen wir sie uns ja überhaupt erst an, ohne sie würde es all diese Filme und Bücher gar nicht geben. Stellt euch mal einen Zombiefilm ohne Zombies vor. Oder Sindbad, der nicht gegen den Zyklopen kämpfen muss und sein Ziel ganz beiläufig erreicht. Gerade bei diesen alten Filmen habe ich mich immer gefragt, warum man nicht noch mehr solche Monster sieht. Bei King Kong ließ es mir keine Ruhe. Wenn da ein Riesenaffe auf der Insel haust, muss es doch noch mehr geben. Oder hat er als Kind einfach so gut gefrühstückt, dass er schneller wuchs als alle anderen Gorillas?

Und wie sieht sein Leben aus, wenn er nicht gerade blonde Frauen entführt und von Hochhäusern fällt? Wie sieht das Leben irgendwelcher Monster aus, wenn sie nicht gerade Menschen jagen oder von ihnen gejagt werden? 

Wenn Monster auftauchen, ob nun im Buch oder im Film, sind sie nur dazu da, um Menschen das Fürchten zu lehren und das ist mir ehrlich gesagt zu oberflächlich. Sicherlich haben sie keinen geregelten Tagesablauf wie wir es sei denn, sie arbeiten für die Monster AG), aber trotzdem existieren sie auch, wenn sie nicht gerade in Aktion treten. Deswegen sind Monster für mich nicht gleich von Grund auf Böse. Letztlich verfolgt doch jedes von ihnen ein bestimmtes Ziel oder folgt seinem Instinkt. Werwölfe und Zombies fallen über Menschen her, weil sie fressen müssen. Es entspricht ihrer Natur. Genau wie Vampire ohne Blut nicht existieren können. Sie fallen nicht über uns her, weil sie böse sind, sondern weil es ihre Art ist. Okay, es ist keine nette Art, aber eben ihre Natur. 

Ein Drache, der von Menschen erschlagen werden soll, verteidigt sich wie es jedes andere Lebewesen tun würde. Vielleicht greift er sie vorher an und legt ihre Stadt in Schutt und Asche, aber macht er das nur, weil er gerade Lust dazu hat, oder weil wir Menschen alles fürchten, was wir nicht kennen und hat er vielleicht schlechte Erfahrungen mit uns gemacht?

Monster sollten nicht einfach nur ein Beiwerk sein. Ich behandle sie wie Protagonisten, überlege mir, welches Ziel sie verfolgen. Natürlich sind ihre Absichten selten nett, doch dafür gibt es genügend Erklärungen. Oft dringen Menschen einfach in ihr Reich ein, das sie verteidigen. Oder wir beschwören sie und das Monster reagiert aus Angst auf uns gewalttätig, denn vielleicht geht jemand auf das arme Ding los, bevor es überhaupt weiß, was los ist. Etwas, das jeder tun würde. Sogar die Biester aus den „Alien“-Filmen töten die Menschen nur, um sich fortzupflanzen oder ihre Königin zu schützen. 

Auch muss ein Monster nicht immer der Schurke sein. Meine zweite große Leidenschaft neben Horrorfilmen sind bekanntlich Comichefte. Besonders die „Fantastic Four“ habe ich früh ins Herz geschlossen und das hauptsächlich wegen der monströsen Erscheinung ihres Mitglieds Thing. Auch den Hulk mochte ich von Anfang an. Später folgten Hellboy und viele andere. Diese Monster sind nicht immer gleich die Bösen, was oft daran liegt, dass sie ursprünglich eine menschliche Form hatten, oder wie Hellboy unter Menschen aufwuchsen. Mike Mignola, der Erfinder von Hellboy, erschuf diese Figur, weil er ebenfalls Monster mag und sie für ihn die heimlichen Helden sind. Also drehte er den Spieß um. Er gab dem Ungeheuer eine Geschichte, weswegen es nicht böse ist, sondern gegen andere Monster kämpft. 

Ob die Vorgeschichte eures Ungeheuers nun dazu dient, es zum Helden oder zum Schurken zu machen, entscheidet ihr. Auch, ob es nötig ist, diese zu erklären, denn wie ich weiter oben schrieb, handeln Monster auch nach ihrem Instinkt oder es will sich verteidigen. („Oh, ein Mensch. Hallo, Mensch. Aua, warum schlägst du mit deiner Fackel nach mir? Dumme Sau, dir zeig ich’s!“) Natürlich könnt ihr auch sagen: „Nix da! Das ist Kalle, das Monster. Und Kalle existiert, um die Menschheit zu vernichten.“

Solche muss es schließlich auch geben. Sollte es aber eben nicht ein solches Monster sein, ist ein Beweggrund für sein Handeln weitaus interessanter, als ein einfacher Schlagabtausch zwischen Ungeheuer und Mensch. 

Die meisten Monster verfolgen dasselbe Ziel: Sie wollen fressen. Das macht sie nicht automatisch schlecht und degradiert sie auch nicht gleich zu einseitigen Biestern, die es zu töten gilt. Ihr müsst die Gedankengänge eures Monsters nicht bis ins kleinste Detail beschreiben, aber denkt darüber nach, weswegen sie gefährlich sind. Das macht sie für euch und vielleicht auch für den Leser dreidimensionaler. 

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