Wie man glaubhafte Charaktere entwirft

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Sabrina S. | 03 März 2016 |

Die Charaktere sind der Kern einer Geschichte. Sie lebt und stirbt mit ihnen. Darum ist es besonders wichtig, dass man Figuren entwirft, mit denen der Leser sich identifizieren kann. Das kann er nur, wenn die Personen glaubhaft sind. Doch wie gestaltet man glaubhafte Charaktere? Hier ein paar Tipps, auf was man als Autor besonders Wert legen sollte:

Die Eigenschaften:
Das Wichtigste ist, dass die Personen verschiedene Facetten zeigen. Dreidimensionalität ist hier das richtige Stichwort. Denn Menschen (oder menschenähnliche Wesen) sind dafür bekannt, dass sie sich manchmal auch widersprüchlich verhalten. Das hängt mit ihren Charakterzügen zusammen. Jeder besitzt andere Eigenschaften und das ist es, was uns ausmacht.


Damit eure Figuren Individuen werden, müssen sie Wesensmerkmale aufweisen, die sie hervorstechen lassen. Hier liegt die Betonung auf dem Plural. Ist eine Figur eindimensional, kann man meist wenig mit ihr anfangen. Ordnet man ihr allerdings mehrere Eigenschaften zu, lässt sie das real wirken. Jedoch nur, wenn sie positive wie negative Seiten besitzt.
Eine freundliche Person kann zum Beispiel rasend eifersüchtig werden. Oder eine ängstliche mitfühlend gegenüber ihren Mitmenschen sein. Es gibt wahnsinnig viele Kombinationen von Charaktermerkmalen, die logisch sind. Selbst Gegensätze funktionieren in bestimmten Situationen – diese sollten sich allerdings nicht häufen, sonst kann der Leser das wahre Wesen der Figur irgendwann nicht mehr erkennen.

Selbst Klischees kann ein Autor verwerten, um Glaubhaftigkeit darzustellen. Oft wirken die Zicken und Machos und Nerds ziemlich überzogen mit ihren führenden Charaktereigenschaften. Das lässt sich vermeiden, indem man den Lesern andere Seiten an ihnen zeigt. Sie können diese verstecken oder erst entwickeln, das ist vollkommen egal. Die Hauptsache ist, dass sie nicht eindimensional bleiben im Laufe der Geschichte. Ist dies der Fall, wirken sie meist wenig glaubhaft und damit eher lächerlich. Diese Wirkung sollte man nur anstreben, wenn man humoristisch schreibt.

Um Glaubhaftigkeit zu erreichen, ist es vor allem wichtig, dass sich die Eigenschaften eines Charakters erklären lassen. Und hier kommen wir zum nächsten Punkt.

Die Vergangenheit:
Jeder Mensch hat eine Vergangenheit. Diese erklärt, warum jemand so ist, wie er ist. Wenn man einen Charakter entwirft, sollte man also nicht die Geschichte vor der Geschichte außer Acht lassen. Nicht alles muss im Laufe des Romans aufgedeckt werden (vieles ist relativ unwichtig), doch der Leser sollte erkennen können, wie die Figur zu dem geworden ist, den man nun auf seinem Weg begleitet.

Besonders prägend ist die Kindheit. Denn die Erziehung beziehungsweise die Nicht-Erziehung eines Kindes wirkt sich auf das spätere Verhalten aus. Deswegen ist es für den Autor wichtig zu wissen, wie und bei wem die Charaktere aufgewachsen sind. Das sollte man bei der Planung keinesfalls unberücksichtigt lassen.

Bedeutend kann auch der Bildungsweg sein, den eine Person durchlaufen hat oder noch durchläuft. Kann eine Figur lesen, schreiben und rechnen, kann ihn das weiterbringen. Oder wenn sie sich mit physikalischen Reaktionen auskennt. Oder wenn sie viel über die Geschichte der Welt weiß. Dabei ist es nicht relevant, wo die Figur lebt. Schließlich gibt es in historischen oder Fantasy-Romanen andere Sitten und Lebensumstände, eine andere Vergangenheit. Über all das Bescheid zu wissen beziehungsweise nicht Bescheid zu wissen, kann den Fortgang der Handlung immens beeinflussen.

Die Ziele:
Wenn man die Hintergründe eines Charakters festgelegt hat, weiß man sehr viel über sein Wesen. Aber dieses allein wird die Ereignisse noch nicht in Gang setzen. Es muss also irgendwelche Umstände geben, die die Person zum Handeln verleiten. Sie entwickelt Ziele, die sie verfolgen wird. Hat ein Mensch keine Ziele, wird seine Geschichte nicht beeindruckend genug, um sie zu erzählen.
Klar, es gibt immer wieder Zufälle. Doch diese werden etwas in der Figur auslösen, das ihr eine Perspektive im Leben schenkt. Wenn man für etwas kämpft, das einem wichtig ist, kann der Leser das nachvollziehen. So wirken die Charaktere umso glaubhafter.

Die Entwicklung:
Wenn man Ziele vor Augen hat, wird man alles tun, um diese zu erreichen. Oft ist die Person zu Anfang der Geschichte jedoch nicht stark oder selbstbewusst genug, um bestimmte Aufgaben zu meistern. Darum sollte sie im Laufe der Handlung eine Entwicklung durchmachen. Niemand bleibt ein ganzes Leben lang derselbe Mensch und das muss dargestellt werden.
Eine Entwicklung erklärt zudem einige Details, die die Geschichte vorantreiben. Menschen verlieben sich ineinander, sie gewinnen oder verlieren Kämpfe gegen ihre Feinde oder decken Geheimnisse auf. Die Charaktere werden zu den Menschen (oder Wesen), die sie am Ende des Buches sein sollen.

Die Widersprüche:
Dieser Punkt geht Hand in Hand mit allen vorherigen. Sowohl die Charaktereigenschaften als auch die Vergangenheit und die Ziele einer Person überschneiden sich durchgehend. So entstehen Widersprüche, mit denen der Charakter umzugehen hat. Das führt oft dazu, dass man sich so verhält, wie es für einen eigentlich untypisch ist. Aber auch das macht einen Menschen aus. Bestimmte Auslöser führen dazu, dass man scheinbar unlogisch handelt. Doch es sind gerade die Überraschungen, die uns alle so interessant machen. Und eine Figur büßt nicht an Authentizität ein, wenn man nachvollziehen kann, warum sie sich so verhält.

Zusammenfassend kann man also sagen: Solange der Autor seine Figuren dreidimensional aufbaut, ihnen prägende Hintergründe sowie Ziele gibt und ihr Verhalten ausreichend erklärt, machen sie auf den Leser einen glaubhaften Eindruck.

Nun könnt ihr anhand der oben genannten Punkte das Selbstexperiment machen: Passen eure Charaktere in das Schema? Teilt uns gerne eure Erfahrungen mit ;)

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