Kolumne | Buchmessen – Wie aus Angst Begeisterung wurde

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Patricia Bellasie | 21 April 2016 |

Erst letztes Jahr habe ich mich getraut – ja, getraut – eine Buchmesse zu besuchen. Vorher erfand ich allerhand Ausreden, um nicht hingehen zu müssen: Keine Zeit, zu lange Anfahrt, hohe Kosten, fehlende Begleitung etc. Die Wahrheit ist, dass ich einfach Angst hatte.

· Angst, alleine zu sein.
· Angst, vor Unbekanntem.
· Angst, sich vor den Freunden als Buchfanatikerin und Autorin zu bekennen.,

Ich muss dazu sagen, dass in meinem Freundeskreis kaum einer liest und wenn doch, dann teilt keiner meine Euphorie. Aufgrund der fehlenden Bestätigung im Freundeskreis, stieg meine Unsicherheit und ich flüchtete mich in die Angst. Ich sah mich bestätigt, eben nicht auf Buchmessen zu gehen. Was soll ich dort? So toll sind die bestimmt auch wieder nicht ...

Heute denke ich anders. 

Ich verstehe mein früheres Ich nicht mehr. Wie konnte ich nur denken, dass sich keiner für dieses tolle Hobby interessiert?! Mit den Schreibnacht-Real-Life-Treffen wagte ich den ersten Schritt ins Unbekannte. In Frankfurt traf ich das erste Mal im „richtigen“ Leben auf Gleichgesinnte. Wir verstanden uns alle prima und der Gesprächsstoff ging uns einfach nicht aus. Wenn man ein gemeinsames Hobby teilt, entstehen keine Pausen der Langeweile oder Unsicherheit. Nein, die Zeit fliegt nur so dahin und man ist traurig, wenn sich das Treffen dem Ende neigt. Aus meiner Angst wurde Begeisterung. Ich freute mich auf alle anstehenden Events und schließlich besuchte ich meine erste Buchmesse (FBM15). Mein Selbstbewusstsein war durch die Treffen so gefestigt, dass ich meinen Freund bat, mitzukommen. Denn nun war ich stolz auf mein Hobby und niemals mehr würde ich es leugnen. Auf meiner ersten Messe konnte ich die ganzen neuen Eindrücke, die auf mich einprasselten wie ein warmer Sommerregen, kaum verarbeiten. Riesige Hallen, abertausende Stände und Bücher soweit das Auge reicht. Ein wahrgewordener Traum. Umso mehr freute ich mich, als ich dieses Jahr in Leipzig mit meiner Schwester die nächste Buchmesse besuchen konnte. Man könnte sagen, dass es sich inzwischen zu einer Sucht entwickelt hat. Die Gründe sind vielfältig: tolle Menschen, coole Stände, wundervolle Geschenke, neue Bücher und eine Menge Spaß – Fitness macht man ganz nebenbei auch noch. In Leipzig hatten wir einen Schrittzähler dabei: ca. 14.000 Schritte war das Ergebnis.

Bestimmt gehöre ich noch nicht zu den erfahrenen Messebesuchern, aber ein, zwei Tipps habe ich dennoch für euch: 
  1. Ihr solltet bequemes Schuhwerk (am besten Sportschuhe) tragen. 
  2. Von Vorteil wäre es auch, einen Rucksack dabei zu haben, der mit Getränkeflaschen und Knabbereien bestückt ist. Die Preise vor Ort sind natürlich dementsprechend teuer und durch die Bewegung und Hitze werdet ihr sehr durstig. 
  3. Ebenso solltet ihr den Zwiebellook wählen. Da Frankfurt im Oktober und Leipzig im März ist, ist es nicht wirklich warm draußen – aber drinnen werdet ihr schnell ins Schwitzen kommen - besonders, wenn man von einem Event zum anderen hetzt. 
  4. Am besten gehst du vorbereitet zu einer Buchmesse, nur so kannst du dir sicher sein, nichts bzw. wenig zu verpassen. Das heißt mit Facebook und dem Lageplan kannst du dir schon einmal einen guten Überblick verschaffen und Events, die dich interessieren, planen. 
  5. Auch während der Messe solltest du immer ein Auge auf Facebook haben, denn Neobooks und andere Standinhaber werden dich dort über tolle Veranstaltungen auf dem Laufenden halten.
  6. Also schau, dass du dein Handy geladen hast und evtl. einen tragbaren Ersatzakku parat hältst. Auch dein Datenvolumen sollte ausreichend sein. In Frankfurt bekommt man, wenn man sich akkreditiert hat, zwar einen WLAN-Zugang, doch der galt nur für bestimmte Orte. Auch in Leipzig gibt es sogenannte WLAN-Inseln, aber die sind gut besucht, was die Verbindung verlangsamt. Außerdem solltest du nicht deine ganze Zeit dort verbringen. Was bedeutet eigentlich Akkreditierung? Im Prinzip erhältst du einen Sonderstatus, denn du gehörst nicht mehr zu den normalen Besuchern. In der Regel kann sich jeder darum bewerben, der einen Blog hat und sich mit dem Schreiben/Lesen auseinander setzt. Man bekommt einen Presseausweis und während/nach der Buchmesse berichtest du über das Event. Davon profitieren die Veranstalter und du, weil du vergünstigt reinkommst und außergewöhnliche Vorteile genießt (bestimmte besucherfreie Zonen stehen dir bspw. offen). Daher wird auch nicht jeder angenommen. Welche Richtlinien die Auswahl beeinflussen, kann ich jedoch nicht sagen. 
  7. Doch wenn du selbst schreibst oder einen Blog hast, solltest du den Versuch der Akkreditierung wagen und wichtig ist es auch, dass du dir Visitenkarten zulegst. Buchmessen sind ideal, um Networking zu betreiben und auf unseren Schreibnacht-Treffen erfolgt untereinander ein eifriger Austausch.
  8. Last but not least: Auf Buchmessen ist so gut wie nichts tabu: Wenn du eine Perücke oder eine mittelalterliche Kostümierung tragen willst, dann kannst du das, ohne dass jemand dich einweisen lassen möchte. Denn häufig finden gleichzeitig auch Mangamessen statt, und die tollen Verkleidungen können hinsichtlich ihrer Auffälligkeit kaum getoppt werden.
Eine Buchmesse bringt allerhand neue Erfahrungen mit sich und ich kann jedem nur empfehlen, diese selbst zu sammeln. Auf jeden Fall wird ein Besuch euch verändern. Ihr werdet schnell sehen, wie viele Menschen dieses Hobby zusammenbringt und das ist wundervoll. 

Also seid mutig und wagt den Schritt ins Unbekannte - es lohnt sich!


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