Buchrezension: "Alien: In den Schatten" von Tim Lebbon

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Thomas Williams | 18 Januar 2017 |
Tim Lebbon

Alien : In den Schatten

Heyne Verlag



Klappentext:

„Als Kind wurde Chris Hooper in seinen Träumen von Monstern verfolgt. In seiner Vorstellung lebten sie im Weltall. Doch das All ist dunkel und leer, wie er viel später herausfindet, als er als Chefmechaniker auf der MARION schuftet. Bis sich eines Tages ein Unfall ereignet – und etwas zum Leben erwacht, das tief in den Minen geschlummert hat. Die Hölle bricht los, und Chris Hoopers schlimmste Albträume holen ihn ein. Rettung naht durch Ellen Ripley, die letzte Überlebende des Raumschiffs Nostromo.“



Eigentlich lese ich keine Romane zu Filmen oder Serien, aber die Aliens aus den bekannten Filmen mit Sigourney Weaver haben mich nie losgelassen. Und sie waren auch nie ganz von der Bildfläche verschwunden. Es gibt Merchandise in allen Formen und der amerikanische Comicverlag Dark Horse veröffentlicht seit 1988 immer wieder Comics um die von H. R. Giger kreierten Monster.
Auf diesen basierten ein paar Romane, die ich in grauer Vorzeit gelesen habe. Als ich noch zur Schule ging …
Ich erinnere mich daran, dass sie blutig und actionlastig waren. Für mich, der damals Filme dieser Art bevorzugt hat, genau das Richtige. Inzwischen mag ich auch den ersten Teil von Ridley Scott sehr gerne und zu diesem ist Tim Lebbons Roman ein alternatives Sequel. Der Klappentext ist hierbei etwas irreführend, klingt er doch so, als würde Ripley schwerbewaffnet den Kampf gegen die Aliens wieder aufnehmen.
In Wahrheit verbrachte sie aber 37 Jahre im Kälteschlaf, trieb durch das Weltall und wird nun von einem Raumschiff aufgelesen, das durch das Auftreten der Aliens stark beschädigt ist und sich der Atmosphäre des nächsten Planeten nähert, in der es bald verglühen wird.
Die erste Hälfte des Buchs erinnert stark an Ridley Scotts Erstling der Alien-Saga. Die Kreaturen treten kaum in Erscheinung, sind aber als allgegenwärtige Bedrohung zu spüren. Ich kenne bereits ein paar Bücher von Lebbon und wusste, dass ihm atmosphärischer Horror liegt. Es geht also düster und unaufgeregt zur Sache. Besonders viel Charaktertiefe darf man wegen der Anzahl an Figuren allerdings nicht erwarten. Die vielen Namen sind auch recht verwirrend. Deswegen ist man für den hohen Body Count schon dankbar, denn erst nachdem die Aliens unter der Besatzung so richtig aufräumen, erhält man als Leser einen Durchblick.
Die zweite Hälfte des Buchs erinnert dann auch eher an den zweiten Film. Obwohl wir es nicht mit Marines zu tun haben, gibt es Feuergefechte, Explosionen und Verfolgungsjagden. Lebbon schafft es, alles, was wir aus den Filmen kennen und lieben auf fast 400 Seiten festzuhalten, ohne, dass die Geschichte überladen wirkt.
Was allerdings bis zum Ende stört, ist, dass die Namen der Raumschiffe immer in Großschrift und kursiv geschrieben sind. Auch nach 300 Seiten hatte ich bei wörtlichen Reden noch das Gefühl, dass mir jemand ihre Namen entgegenbrüllt. Der Leser ist doch nicht blöd und wird sich schon merken können, was die Nostromo, Samson und so weiter sind.
Ripleys Träume von ihrer Tochter, die sie seit ihrem Ausflug ins All nicht mehr gesehen hat und die inzwischen erwachsen ist, nerven irgendwann. Zwar sind sie immer unterschiedlich, tragen aber nichts zur Spannung oder dem Lauf der Geschichte bei.
An Spannung mangelt es dem Buch aber nicht und dank dem atmosphärischen Start und der temporeichen zweiten Hälfte gibt es genügend Abwechslung. Das Buch ist flüssig geschrieben. Man braucht also kein Raumschiff steuern zu können, um zu verstehen, was hier vor sich geht.  
Neben Lebbons Roman sind kürzlich noch zwei weitere, neue Romane zu den Aliens im Heyne Verlag erschienen. Einer von Christopher Golden und einer von James A. Moore. Ebenfalls Autoren, die großartige Horrorgeschichten schreiben können. Goldens Roman steht noch ungelesen in meinem Regal und scheint eine Art Prequel zu „Aliens – Die Rückkehr“ zu sein. Moores Roman ist dann der Abschluss dieser neuen Trilogie.
Einen besseren Zeitpunkt für die Veröffentlichung hätten Tor Books und Heyne kaum wählen können, denn im Mai 2017 kommt „Alien: Covenant“ in die Kinos. Mit den Büchern kann man sich die Wartezeit wunderbar verkürzen. 

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