31 Tage #Autorenwahnsinn.

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Hekabe OhneName | 05 Februar 2017 |

 - Gastbeitrag von Tina Köpke:

Dass wir Autoren zu einem gepflegten Dachschaden neigen, ist für die meisten Leser dieses Magazins nichts Neues. Für Außenstehende scheint es oft schwer zu sein, zu verstehen, was in unseren Köpfen vor sich geht und wie wir in unserem Alltag funktionieren.

Um den Kollegen, Lesern und einfach interessierten Menschen einen Einblick zu geben, starteten die Mädels vom Blog Schreibwahnsinn.de eine kleine Januar-Challenge namens #Autorenwahnsinn. Diese fand so viel Begeisterung, dass alleine im Januar über 4.500 Beiträge zusammenkamen. Dabei scheint Challenge im eigentlichen Sinne das falsche Wort zu sein, denn die Aktion war mehr eine Herausforderung für jeden selbst und hat ein großes Miteinander ausgelöst, an dem alle Beteiligten viel Freude hatten. 

Allerdings hat #Autorenwahnsinn nicht nur ein neues Gemeinschaftsgefühl ausgelöst, sondern hatte auch aus reiner Marketingsicht positive Nebeneffekte. Folglich möchte ich sie einmal näher beleuchten und dabei ausdrücklich betonen, dass sie alleine auf meiner persönlichen Erfahrung beruhen. Bei anderen Teilnehmern der Challenge können sie ganz anders ausgesehen haben.



Wachsende Zahlen

Kurz nach Start der Aktion lernte ich nicht nur viele neue Accounts auf Instagram kennen, die ihre Beiträge unter dem oben genannten Hashtag online stellten, sondern bekam selbst neue Zaungäste. Innerhalb weniger Tage hatte ich mehr als hundert neue Follower, die fleißig meine Posts geherzt haben und hin und wieder auch Kommentare hinterließen. Sich hierbei zurückzulehnen und den Zahlen beim Wachsen zuzusehen, wäre nicht nur uncool, sondern auch entgegen dem Sinn der Challenge gewesen. Morgens meine Runde auf Instagram zu drehen gehörte für mich also genauso dazu.

Was die Follower wollen – und was nicht.

Schnell bekam ich mit, welche ‚Themen‘ interessierten. Sicherlich spielte hierbei auch die Nutzung der richtigen Hashtags eine große Rolle, doch es war deutlich zu erkennen, was die Leute – zumindest jene, die mir folgen – wirklich gerne sehen und vor allem lesen.

Als kleines Beispiel meine drei Top-Bilder:



Mein Arbeitsplatz schien unter allen Beiträgen den größten Anreiz zu bieten. Im Nachhinein fiel mir auf, dass das vorher auch schon so war. Bilder, die mein Arbeitsumfeld zeigten, erfreuten sich überdurchschnittlicher Beliebtheit.



Dicht darauf folgte dieses Bild. Es war das allererste aus der Challenge und vielleicht auch deswegen so beliebt, weil hier alle noch übereifrig dabei waren, bei anderen nachzuschauen und zu liken. Gleichzeitig sind die Follower – so nehme ich an – auch neugierig, wie man sich als Autor organisiert und welche Projekte sich in meiner Schublade befinden.



Blog-Empfehlungen sind für Autoren oft interessant. Immerhin trennt sich hier die Spreu vom Weizen: Ein Blogger, der unzuverlässig ist, wird eher selten weiterempfohlen. Vielleicht war es aber auch die zauberhafte Anabelle von stehlblueten.de, die die Zahlen hochjagen ließ. Beides möchte ich nicht ausschließen. 

Kurzum: Die Leute interessieren sich weniger für deine Buchwerbung als für den Prozess zur Entstehung deines Buches. Sie wollen wissen, wie es hinter den Kulissen aussieht. Instagram ist ein Bildmedium, das – rein in der Theorie – Momentaufnahmen zeigen soll. Hier geht es um persönliche Dinge, nicht um kommerzielle.

Die Qualität der Beiträge

Über den ganzen Januar verteilt wurde ich immer wieder auf meine Bilder angesprochen – durchweg positiv. Ich habe mir bewusst einmal die Woche Zeit genommen, die Beiträge vorzubereiten, indem ich Fotos mit einer anständigen Kamera schoss, sie auf mein Handy schubste und dort auf die immer gleiche Weise bearbeitete. Entgegen des eigentlichen Sinnes von Instagram, seine Spontanaufnahmen zu teilen, wollte ich mir einfach richtig Mühe geben. Ich wurde belohnt, indem man mir Komplimente aussprach und meine Bilder gerne geliked hat. Das wiederum sorgte für mehr Reichweite.

Buchverkäufe ankurbeln

Ich kann nicht genau sagen, ob es wirklich daran lag, aber durch die wachsende Followerzahl und die regelmäßigen (teils neuen) Besucher auf meinem Account stiegen meine Verkaufszahlen von „Royal Me – The Masquerade“ unerwartet an. Sie explodierten nicht, aber gerade nach der Veröffentlichung im Dezember und dem Weihnachtsgeschäft (nach dem Verkäufe gerne fallen) blieben sie stetig. Das war ein unerwarteter, aber sehr freudiger Nebeneffekt.

Es frisst einiges an Zeit & man braucht einen langen Atem.

Wenn man sich richtig Mühe geben will, braucht man auch ein wenig Zeit. Anrichten, fotografieren, übertragen, bearbeiten, texten, planen – es war, zumindest bei mir, keine Fünf-Minuten-Terrine. Daher habe ich einmal die Woche gleich auf einen Schlag einige Tage vorbereitet. Gerade zum Ende hin merkte man aber, wie einige ins Straucheln kamen, Tage verpassten oder ausließen und auch die Zahl derer zurückging, die sich die Beiträge noch ansahen. Auch ich muss leider zugeben, dass mir ein wenig der Atem ausging und meine Organisation etwas nachließ, aber da der Spaß trotzdem blieb, habe ich mich bemüht, es durchzuziehen.

Vielleicht war die Bezeichnung Challenge gerade in diesem Punkt wirklich treffend.

Zur richtigen Zeit, am richtigen Ort.

Ich probierte immer mal wieder zwischendurch, um wie viel Uhr es am sinnvollsten wäre, die Beiträge online zu stellen. Wie sich herausstellte, war das in meinem Fall genau der Zeitraum, an dem ich unter der Woche gefrühstückt hatte und noch ein paar Minuten im Bett die Nachrichten schaute. Zwischen 7 Uhr und 7:30 Uhr – dann, wenn alle Welt zur Arbeit unterwegs war – bekam ich die meiste Aufmerksamkeit. Die Beiträge wurden daraufhin über den ganzen Tag verteilt mit Aufmerksamkeit bedacht. Zum Glück hatte ich die Texte immer schon vorbereitet, andernfalls wäre um die Uhrzeit bei mir nichts Sinnvolles rausgekommen.

Gleichzeitig habe ich festgestellt, dass – zumindest für mich – Instagram für die Challenge der beste Ort war. Ich habe abends die Beiträge auf meiner Facebook-Seite geteilt, da nicht jeder auf allen Social-Media-Kanälen angemeldet ist. Allerdings war die Aufmerksamkeit hier nicht zu vergleichen und in der Theorie den Aufwand eigentlich nicht wert. Aber um ein paar einzelne Menschen glücklich zu machen, hat es sich wiederum gelohnt.

Von Instagram aus teilte ich den Beitrag morgens auch auf meinem Twitterkanal. Da wiederum bekam ich sehr viel mehr von anderen Teilnehmern mit. Es war sozusagen eine abgespeckte Version, die jedoch auch dort neue Besucher auf meine Seite brachte. Man sollte also lieber auf weniger Kanäle setzen und sich dort aktiv bewegen, als auf allen Partys gleichzeitig tanzen zu wollen.

Aufgaben für sich nutzen

Butter bei die Fische: Ich habe einen Tag von vornherein für mich auserkoren, um ihn als kleine Ankündigung zu nutzen. Dabei ging es um den 27. Tag, an dem man ein Cover für eine 2017er Erscheinung zeigen sollte. Ich enthüllte das Cover für meine zweite Episode von „Royal Me“, dieses Mal jedoch morgens zuerst auf Facebook, da Reveals dort deutlich besser laufen. Aber auch auf Instagram zeigte sich die Begeisterung, wenn auch nicht so sehr wie bei anderen Beiträgen.

In diesem Fall bestätigte sich für mich wieder: Eigenwerbung wird auf Facebook eher geduldet und beachtet als auf Instagram, wo es vornehmlich um persönlichere Aspekte gehen sollte. Daher war es wirklich sinnvoller, das Cover erst auf Facebook und dann später auf Instagram zu zeigen.

Das große Danach

Die #Autorenwahnsinn-Challenge war eine grandiose Idee, die Autoren wie Leser angenehm in das neue Schreibjahr gleiten ließ. Wir konnten Interessierten einen Blick hinter den Vorhang gewähren, lernten neue Gesichter kennen und hatten alle viel Spaß. Der Aufwand, den die Challenge durchaus mit sich brachte, zahlte sich für jeden irgendwie aus. Mir ging es dabei vor allem um die Motivation, denn zu sehen, wie groß und vielfältig diese Community ist, bescherte einem ein ganz tolles Gefühl.

Ich für meinen Teil müsste eine solche Challenge nicht jeden Monat haben. Es ist ein besonderes Erlebnis gewesen und ich bin froh, dass man es jetzt nicht ausschlachtet. Umso schöner finde ich die Idee der #Autorenwahnsinn-Mütter: Einmal die Woche stellen sie freitags eine Aufgabe online, die man dann im Laufe der Tage erfüllen kann. Wie und wo, ist wie immer jedem selbst überlassen. Es gibt keine Teilnahmepflicht, keinen Durchhaltezwang. Ich werde definitiv wieder mitmachen, denn einmal die Woche finde ich angenehm und durchaus inspirierend, das lässt sich selbst in den umfangreichsten Zeitplan einbauen.

Der Autorenwahnsinn geht also weiter. Etwas ruhiger, etwas entspannter, aber genauso kreativ wie im Januar.

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