Familienleben vs. Autorenleben

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Avana Sophia | 08 Februar 2017 |
Immer wieder hört man von anderen Müttern, wie voll ihr Tag doch sei und ich sitze oder stehe meist daneben und schüttele innerlich mit dem Kopf. Sicher, jeder gestaltet seinen Tag so, wie er/sie es für richtig hält. Aber man hört nie eine gewisse Leidenschaft heraus. Nein, ich rede nicht von lieblicher Leidenschaft zweier Menschen. Ich rede von UNS Autoren – diese Schreibleidenschaft! Aber dann spüre ich einen kleinen Stich. Moment mal... Ach ja, ich bin ja ebenfalls Mutter. Nicht, dass ich es je vergessen hätte. Um Gottes Willen! Ich liebe mein Kind über alles! Aber es ist ein Spagat – Familienleben und das Leben einer Autorin. Mein Tag beginnt (abgesehen von Ferien und Wochenenden) um 5:15 Uhr! Ich brauch mindestens eine halbe bis dreiviertel Stunde nur für mich. Tasse Kaffee und ein gutes Buch. So sieht meist mein Morgen aus, ehe sich Mann und Kind für den Tag fertig machen.


Selten sitze ich an einer Schreibdatei und lasse meiner Inspiration freien Lauf. Als meine Tochter noch in die Vorschule ging und diese, sozusagen, um die Ecke war, war das kein Problem früh morgens auch mal zu schreiben. Nun sieht das seit knapp 3 Jahre anders aus. Man ist über eine halbe Stunde (hin und zurück) unterwegs, man kauft schnell ein und sobald die Tür ins Schloss fällt, weiß man: Das wird nix mit dem Schreiben! Der Haushalt schreit, die Wäsche muss gemacht werden und hier und da und die Staubschicht wird auch immer dicker, dass man darauf unschöne Dinge schreiben kann. Meist ist dann der Vormittag vorbei und man sitzt frustriert da und man weiß: kein einziger Satz konnte geschrieben werden. Aber dann hat man doch mal Phasen, da ist man vormittags allein (oder auch mal nachmittags) und man schreibt sich die Fingerkuppen wund. Man schreibt regelrecht um sein Leben und je nach Schreibsituation, zerhackt man auch die Tastatur. Mich kriegt man dann nur schwer aus diesem Fluss und ich weiß, dass meine Familie dafür Verständnis hat. Wann hat mich mal so ein Schreibflash im Griff, dass ich mich kaum davon losreißen kann? Das ist verdammt selten geworden. Der Tag ist also dann auch vorbei und man will abends nur noch im Bett liegen und abschalten. Je nach Lage liegt man da, man will unbedingt diesen einen Krimi schauen und was passiert? Die Klüsen fallen zu und man schlummert... Sobald man mitten in der Nacht wach wird, weiß man wieder: noch nicht mal abends kriegt man die Kurve!
2013, bevor ich Hexenwelten veröffentlichen konnte, schrieb ich auch mal bis 1 oder 2 Uhr nachts und das war ein mega schönes Gefühl. Natürlich verlegte ich sowas auf das Wochenende, wo kein Wecker klingelte und diese Zeiten vermisse ich irgendwie. Aber jetzt, 4 Jahre danach, bin ich „müde“ und schaffe abends kaum noch den Dreh, an einem der unzähligen Projekte zu arbeiten.

Der nächste Tag bricht an und man nimmt sich fest vor zu schreiben. Das Kind ist sicher in der Schule angekommen, der Mann hat einen Termin... Du hast also beste Voraussetzungen, die volle Ruhe auszukosten und als Du anfangen willst, klingelt das Telefon und Du siehst, dass es die Schule ist. „Oh nein“, dachte ich da. Ich musste das Schreiben also wieder hinten dran hängen und holte meine Tochter mit Bauchschmerzen von der Schule ab. Da ist er wieder, der Frust. Aber ich bin vorrangig Mutter und das Autorenleben läuft nur nebenbei. Dafür bin ich nicht ganz „bekannt“ genug und meine bisherigen drei Werke haben mir viel bedeutet, dass ich sie unter meiner eigenen Regie veröffentlichen wollte. Ich muss also vorerst damit leben, dass ich ein unbekanntes Blatt bin, aber das ist okay.
Während das Kind die Bauchschmerzen auskuriert, sitze ich da mit einer Tasse Tee in der Hand und merke wieder das Gefühl wie deprimierend es manchmal sein kann, wieder nicht weit zu kommen. Ich hatte auch bei meinem letzten Projekt mehr Stolpersteine als mir lieb waren. Aber ich schaffte es trotz allem, trotz Arbeit im Einzelhandel, Familie, Fernstudium, dieses Buch fertig zu stellen. Oder bin ich davon noch so ausgepowert? Oder ist es die Gesamtsituation, dass man doch nicht immer eine Powerfrau sein kann, wie die Welt es da draußen erwartet?

Meine Familie spürt in manchen Momenten meinen Frust, dass die Schreibblockaden meist größer sind, als ich sie darlege. Man macht Yoga um auch sich selbst wieder in die Mitte rücken zu können und manchmal habe ich wirklich das Glück, dass dann ein Funke überspringt und ich dann kurzerhand am Notebook sitze und schreibe. Leider hält genau dieses Glück nicht lange an.
Was lernt man (Frau) daraus? Lass es einfach laufen! Egal was Du tust, Deine Prioritäten stecken in der Familie. Aber Stopp: Es ist Samstag, kurz vor halb neun und in Dir kommen Szenen einer Buchszene hervor. Du springt also fast aus dem Bett und holst Dein Sammelbuch heraus und schreibst! Eine neue Idee (die sich schon einige Zeit vorher angekündigt hatte) ist dabei groß zu werden. Du spürst, wie gut es sich anfühlt sich der Inspiration hinzugeben. Okay, Samstag ist Einkauftag. Ich nehme also das Sammelbuch mit und dann merkt man die Ernüchterung, spätestens in der Bahn: Keine Ruhe und kaum Platz zum schreiben. Letztlich verdrehst Du nur noch die Augen und denkst: Du kennst es ja nicht anders oder: Wärst Du bloß Zuhause geblieben, da hättest Du Ruhe. Vollkommene Stille!!! Ein ewiger Traum...

Und wäre Avana nicht gestorben, so versucht sie heute noch Familienleben und Autorenleben unter einem Hut zu bringen...

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