Szenenskizzen – Wie können sie mir beim Schreiben helfen?

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Isabell Dieckmann | 15 Februar 2017 |

Wer kennt das nicht? Voller Enthusiasmus beginnt man eine Szene, nur schlägt sie einfach nicht den Bogen, den man für den Fortlauf der Geschichte braucht. Die Szene beginnt stark und im Lauf des Schreibens verliert sie immer mehr an Fahrt, plätschert fast nur noch vor sich hin und alle Spannung scheint verloren. Und das womöglich sogar trotz Plotting, Zeitstrahl und Charakterbögen, an denen vorher so lange gearbeitet wurde. Doch was kann man tun, außer ein Dokument zu öffnen und anfangen zu schreiben?


Während des Schreibens findet man heraus, wohin die Szene geht - was passieren muss, um die Geschichte in der aufregendsten Art und Weise voranzubringen. Das ist mit der schwerste Teil, den man mitten im Schreiben selbst erledigt und somit die zeitaufwendigsten Methode überhaupt.

Im schlimmsten Fall kann das zu einer ausgewachsenen Katastrophe werden und man muss von vorn beginnen, weil man sich in der Szene verrannt hat.

Vielleicht steht auf dem Plan "Ankunft im neuen Zuhause" oder "Gespräch mit Professor", um ein Beispiel aus meinem aktuellen Projekt zu nehmen.

Mein Vorschlag ist nun, dass ihr euch Papier und Stift, oder auch gern ein Notizbuch, nehmt und dann eine sehr kurze Version eurer nächsten Szene hinkritzelt, in nicht mehr als fünf Minuten. Nichts beschreiben, keine Dialoge: schreibt einfach auf, was passiert. Man verinnerlicht die Szene vor dem eigentlichen Schreiben und weiß im Voraus, was man schreibt.

Wieder ein Beispiel aus meinem Projekt, die Szene "Ankunft im neuen Zuhause" als grobe Skizze. Ich habe eine Liste der vorkommenden Personen und die wichtigsten Punkte aufgeschrieben, die mich durch die Szene führen.


Ich lege den Startpunkt und die Perspektive fest. Der war hier so geplant, dass Fiona an der Haustür ihrer zukünftigen Wohnsituation steht. Danach habe ich die Kernpunkte notiert, also was passieren muss, um die Ereignisse voranzubringen, und den Endpunkt, der zu einer neuen Szene führt.

Etwas detaillierter hätte ich folgende Fragen gestellt und die Antworten in der Skizze notiert:
  • Wie kommt Fiona dorthin? 
  • Was fühlt sie? Warum ist sie dort? Wie kam es dazu?
  • Wie beeinflussen die Widrigkeiten Fiona? Wie reagiert sie darauf?
  • Wie führen die Ereignisse in die nächste Szene? 
  • Welche Rolle spielt die Szene in der Geschichte?
Dabei fasse ich mich kurz und benutze nicht zu viele Details. Diese kommen während des eigentlichen Schreibens der Szene.

Geht eine Szene in die falsche Richtung, sieht man es bereits in der Skizze und kann die schlechten Elemente rausstreichen, bevor man schon hunderte Wörter geschrieben hat. Man verliert weder Worte noch Zeit. Und spart sich die Frustration.

Es ist doch im Grunde so einfach und so effektiv: schreibe eine Liste von dem, was passiert.

Und selbst hier kann eine Geschichte noch unerwartete, dramatische Wendungen nehmen.

Noch eine Idee zum Schluss: schneidet die Skizzen aus und arrangiert sie nach Bedarf um, ähnlich wie beim Plotten mit Karteikarten.

Probiert es aus und schreibt uns in dem Kommentaren, was eure Erfahrungen mit Szenenskizzen sind.
Wir sind gespannt.

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