Interview mit Mariella Heyd - SpecialGuest der 51. Schreibnacht

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Patricia Bellasie | 25 April 2018 |

Am 28.04.2018 findet die nächste Schreibnacht statt.
Ab 20 Uhr steht Indie-Autor-Preis-Gewinnerin Mariella Heyd während unserer Fragestunde zur Verfügung. Auf der Leipziger Buchmesse 2017 durfte Mariella den begehrten Buchpreis für ihren Roman „Als der Tod die Liebefand“ entgegennehmen. Um die Vorfreude auf den Samstag zu steigern, hat Mariella für unser Schreibnacht Magazin bereits ein paar Fragen beantwortet.

Interview mit Mariella Heyd – SpecialGuest der 51. Schreibnacht


Schreibnacht: Mariella, vielen Dank, dass du dir bereits heute Zeit für uns nimmst. Es soll Menschen geben, die dich noch nicht kennen. Bitte stell dich doch kurz vor.

Mariella: Hallo, ich freue mich sehr, dass ich dabei sein darf. (Man stelle sich nun vor, wie ich einmal in die traute Runde winke.) Mein Name ist Mariella Heyd, ich wurde 1989 in der Nähe von Frankreich geboren, wo ich auch heute noch gemeinsam mit meiner besseren Hälfte und unseren drei Katzen lebe. Ich war bis 2012 als Gesundheits- und Krankenpflegerin unter anderem in der Altenpflege tätig, was mir nicht nur fachlich, sondern auch menschlich neue (um nicht sagen bis dato verborgene) Welten eröffnet hat, die mir auch heute noch als Inspiration dienen. Während manche meiner Bücher reine „leichte“ Jugendbücher sind, beschäftigen sich andere Werke von mir durchaus mit dem Altern, Demenz oder auch dem Sterben, weil es ein persönliches Anliegen von mir ist, für diese Tabuthemen in unserer Gesellschaft zu sensibilisieren.


Schreibnacht: Eine herausfordernde und wichtige Aufgabe, die du toll bewältigst. So hast du für dein Werk „Als der Tod die Liebe fand“ 2017 den Indie-Autor-Preis verliehen bekommen. Was war das für ein Gefühl? Hattest du damit gerechnet?

Mariella: Überwältigend! Im ersten Moment konnte ich es nicht fassen, dachte, man hätte sich einen üblen Scherz mit mir erlaubt und habe ein paar Minuten gebraucht, um zu realisieren, wie und was mir da geschieht. Ob ich damit gerechnet habe? Offensichtlich nicht :-) Danach hat sich ein Gefühl der Dankbarkeit eingestellt, weil mir bewusst wurde, dass der Preis nicht „nur“ eine Anerkennung und Wertschätzung meiner Leidenschaft und speziell dieser Geschichte ist, sondern auch mit einem Glauben an mein Talent als Schriftstellerin verbunden ist, was auch meine Fantasie beinhaltet; also das, was einen Großteil meiner Persönlichkeit ausmacht. Ein noch größeres Kompliment kann man sich nicht vorstellen.

Schreibnacht: Das hast du recht. In der heutigen Zeit ist es sehr schwierig, präsent zu bleiben. Aufmerksamkeit ist ein begrenztes Gut. Wie hast du es geschafft, dass dein Roman nicht zwischen den ganzen Neuerscheinungen verschwindet?

Mariella: Durch weitere Neuerscheinungen. Man sagt, Ebooks haben einen Lebenszyklus von etwa drei Monaten. Danach nehmen die Verkäufe ab. Neben Werbemaßnahmen auf social media Plattformen, die meiner Zielgruppe entsprechen, sorge ich regelmäßig für neuen Lesestoff. Dadurch bleibt man in den Köpfen der Leute, man etabliert sich Stück für Stück in der Branche und die Leser, denen beispielsweise „Als der Tod die Liebe fand“ gefallen hat, greifen vielleicht auch nach „Die Braut des blauen Raben“. Zudem expandiere ich gerade und versuche mich auch in anderen Genres. Das hat nicht primär damit zu tun, dass ich mehr Leser oder andere Leser erreichen möchte, sondern schlicht und ergreifend damit, dass ich Ideen für andersgeartete Geschichten entwickelt habe und diese nun umsetzen möchte. Ich denke dennoch, dass ein Nebeneffekt davon eine erweiterte Leserschaft sein wird. Viele Autoren greifen an diesem Punkt gerne auf Pseudonyme zurück, um Leser des „alten“ Genres nicht mit etwas völlig Fremden zu erschrecken und womöglich in die Flucht zu treiben. Darauf möchte ich, sofern es sich als sinnvoll erweist, jedoch verzichten, da zu meiner Autorenmarke auch die Vielfalt gehört.

Schreibnacht: Das hört sich schon sehr konkret an. Was ist bei dir schreibtechnisch für die Zukunft geplant?

Mariella: Einiges! Aktuell liegt ein fertiges Romantasy-Manuskript (#ProjektAK) in meiner Schublade; ein Liebesroman, der ganz ohne Fantasy auskommt (#ProjektLidFS), befindet sich derzeit in der ersten Überarbeitungsrunde und im Mai beginne ich meinen ersten SciFi-Roman (#ProjektSG). In Kürze werden auch zwei Kurzgeschichten von mir (beide zum Thema Demenz) in Anthologien veröffentlicht. Der scharfsinnige Leser bemerkt an dieser Stelle nun die von mir zuvor benannte Vielfalt ;-)

Schreibnacht: Im letzten Beitrag haben wir uns mit Gewinnspielen beschäftigt. Wie sind deine Erfahrungen? Bringen Gewinnspiele den Autor/den Seitenbetreiber voran?

Mariella: Schwieriges Thema, das sich pauschal kaum beantworten lässt. Ich denke, kurzfristig kann man dadurch Aufmerksamkeit und (gerne gesehen) Likes auf Facebook und Instagram generieren. Nachhaltigen Erfolg wage ich zu bezweifeln, da viele eine Seite nur im Rahmen dieses Gewinnspiels liken und im Anschluss wieder entfolgen, wenn nicht regelmäßig mit weiteren Gewinnspielen zu rechnen ist. So lautet zumindest meine These. Hat man allerdings eine feste Leserschaft, kann ein Gewinnspiel sicherlich eine gute Möglichkeit sein, um den Lesern eine kleine Freude zu bereiten. „Voranbringen“ ist jedoch zu viel verlangt, denn es sollte die Motivation eines jeden Schriftstellers sein, durch die eigenen Geschichten zu überzeugen und nicht durch Goodies, Losverkäufe oder wie man es auch nennen mag :-) Long story short: Gewinnspiele spielen für mich nur eine marginale Rolle.

Schreibnacht: Hast du schon einmal bei einer Verlagsausschreibung mitgemacht oder käme das für dich in Zukunft infrage?

Mariella: Absolut. Zum einen sind Ausschreibungen eine Chance, über die Veröffentlichung bei einem Verlag mehr Reichweite zu bekommen, die Autorenvita zu aktualisieren, im Gespräch zu bleiben und Kontakte zu Verlagen und anderen Autoren zu knüpfen. Zum anderen reizt mich persönlich die Vorgabe, eine Geschichte zu einem bestimmten Thema zu schreiben, an das man sich ohne Ausschreibung vielleicht nie herangetastet hätte. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und bewegt sich gerne in den von ihm bekannten Mustern. Auszubrechen und über die selbst erbauten Zäune hinweg zu klettern, erweist sich in meinen Augen als Zugewinn in der persönlichen und auch literarischen Entwicklung.

Schreibnacht: Wo findest du deine Schreibinspiration?

Mariella: Überall. Man muss nur die Augen offen halten. Das Offensichtliche im Alltag kann genauso inspirierend sein, wie das, was sich hinter zugezogenen Gardinen abspielt und nur vermutet werden kann. Heute habe ich zum Beispiel ein Fenster betrachtet, das mit Pollen und weißen Blütenblättern „geschmückt“ war. Vielleicht mag das keine Inspiration für einen ganzen Plot liefern, aber es könnte der Anfang eines ersten Kapitels sein oder auch eine Wahrnehmung, die es mir ermöglicht, den Frühling in einer Szene darzustellen, ohne plump die Jahreszeit, den Monat oder ähnliches zu erwähnen. Achtsamkeit ist auf der Suche nach der Muse also das Wort der Stunde.

Schreibnacht: Vielen Dank für deine ausführlichen und zugleich sehr inspirierenden Antworten. Wir sind sicher, dass unseren Nutzern noch viele interessante Fragen einfallen werden. Wir haben noch eine letzte: Zu welcher Tageszeit schreibst du am liebsten und warum?

Mariella: Am liebsten schreibe ich morgens, wenn alle anderen noch schlafen, die Welt im Dunkeln liegt und die Gedanken noch unverbraucht sind. Für die Schreibnacht werde ich meinen Rhythmus allerdings umkrempeln und freue mich schon auf (hoffentlich) viele Fragen! :-)


Die 51. Schreibnacht beginnt am 28.03.2018 um 20 Uhr.

Du bist auf den Geschmack gekommen oder hast noch Fragen, die heute nicht beantwortet wurden? Dann sei am Samstag dabei und übernimm die Aufgabe des Interviewers. Im Forum wird dir Mariella eine Stunde lange Rede und Antwort stehen.

Mehr zu Mariella: http://mariellaheyd.de 

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